Flüchtlingsserie

Flüchtlinge in Gladbeck finden zunehmend Arbeit

Ahmad Ghaznawi (l.) und Sadiq Alif sind aus Afghanistan nach Gladbeck bekommen, im vergangenen Jahr machten sie eine Ausbildung in der Konditorei Schwarte am Willy-Brandt-Platz.

Ahmad Ghaznawi (l.) und Sadiq Alif sind aus Afghanistan nach Gladbeck bekommen, im vergangenen Jahr machten sie eine Ausbildung in der Konditorei Schwarte am Willy-Brandt-Platz.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbeck .  Mit den Jahren ist die Zahl der nach Gladbeck Geflüchteten gestiegen, die eine Anstellung fanden. Doch oft sind es Helfertätigkeiten.

Einige der Menschen, die ab 2015 im Zuge der Flüchtlingskrise nach Gladbeck gekommen sind, haben eine Arbeit gefunden. Doch es sind bestimmte Berufsbereiche, in denen sie vorwiegend eine Anstellung haben. „Der überwiegende Anteil geht in Helfertätigkeiten“, weiß Uta Bruns, stellvertretende Leiterin im Jobcenter Gladbeck. Auch eine ganz bestimmte Hoffnung konnte nicht erfüllt werden.

Nämlich, dass nach Deutschland Geflüchtete den Fachkräftemangel in bestimmten Bereichen, wie etwa der Pflege, abmildern können. „Diese Hoffnung ist begraben worden“, so Bruns. „Es kamen kaum Menschen, die in diesen Berufen arbeiten.“ Die Herausforderung, etwa beim Beispiel Pflege: Die Pflege in den Ländern, aus denen die Menschen größtenteils kommen, ist Sache der Familie. „Der kulturelle Hintergrund sieht die Arbeit in diesem Bereich nicht unbedingt vor, der Beruf muss den Menschen erst näher gebracht werden. Um diesen mit Leidenschaft ausüben zu können, ist aber auch der Wille nötig.“

Der Friseur-Beruf war unter den nach Gladbeck gekommenen Menschen besonders beliebt

Bisher habe es nur vereinzelt Flüchtlinge gegeben, die in der Pflege arbeiten wollten. Großes Interesse habe es eher beispielsweise am Friseur-Beruf gegeben. „In den Herkunftsländern der Menschen ist das ein sehr anerkannter Beruf“, weiß Bilal Kuzucu, Teamleiter Markt und Integration beim Jobcenter Gladbeck.

Viele Flüchtlinge haben Arbeit in der Logistik, der Lagerwirtschaft, als Kraftfahrer oder Paketboten bekommen. „Aber auch in die Gebäudereinigung oder etwa als Schweißer konnten wir Menschen vermitteln“, so Bruns. Das zeige: Nicht nur im Helferbereich, sondern durchaus auch Jobs mit vorheriger nötiger Qualifizierung seien besetzt worden. „Das Jobcenter hat sehr viele Führerscheine gefördert, auch die eine oder andere Anschaffung eines Autos.“ Das brauchten die Menschen, um zu ihrer Arbeitsstätte, etwa dem Amazon-Lager in Rheinberg, fahren zu können.

429 Menschen fanden zwischen 2017 und 2019 einen Job

429 Menschen konnte das Jobcenter zwischen 2017 und 2019 in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermitteln. 2017 waren es 43, im Jahr darauf 154 und 2019 schließlich 232 Menschen. „Das ist eine drastische Steigerung und daher ein sehr gutes Ergebnis“, findet Uta Bruns. Zahlen für 2015 und 2016 konnte das Jobcenter nicht nennen, auch für 2020 nicht. Seit diesem Jahr seien Flüchtlinge in den Erhebungen nicht mehr explizit ausgewiesen. 2017 waren dem Jobcenter im Jahresdurchschnitt 1074 Geflüchtete gemeldet, die die Möglichkeit hatten, einer Arbeit nachzugehen, 2018 waren es 1246 und 2019 1342. „Unter den Menschen gibt es eine hohe Motivation, in Arbeit zu kommen“, betont Uta Bruns.

Doch in der Vermittlung von Arbeit gibt es auch einige Hürden. Eine große Schwierigkeit seien oftmals die Formalitäten. „Das überfordert viele völlig“, sagt Bruns. Auch dass in Deutschland ein duales Ausbildungssystem gilt, sei oftmals schwer zu vermitteln. „Die Menschen haben zum Teil jahrelang in ihrem Herkunftsland in einem Beruf gearbeitet, für sie ist es nicht verständlich, dass sie zur Anerkennung nun noch eine Schule besuchen sollen.“

Flüchtlinge investieren viel Zeit und Energie in den Familiennachzug

Viele sind ohne ihre Familie nach Deutschland gekommen. „Da wird viel Energie und Zeit investiert, die Angehörigen nachzuholen. Vorher haben die Menschen oft nicht den Kopf frei, sich um eine Arbeit zu kümmern“, weiß Kuzucu. Auch die Option einer Ausbildung scheidet für viele aus. Das Geld, das sie mit Arbeit verdienen können, wollen sie den Verwandten in die Heimat schicken. Dann nehmen sie einen Job ohne Qualifizierung an. „Diese Beschäftigungen sind eher prekär, und wer ungelernt ist, ist von Arbeitslosigkeit eher bedroht“, so Bruns. „Drehtürkunden“ nennen die Mitarbeiter im Jobcenter die Menschen, die so immer wieder auf Unterstützung angewiesen sind.

Wichtigste Voraussetzung, um in den Arbeitsmarkt integriert zu werden, bleibt der Spracherwerb. Einen Integrationskurs aber können die Menschen erst besuchen, wenn sie anerkannt sind. Die meisten hätten Sprachkurse nun jedoch absolviert, oder sie seien gerade mitten drin. „Wenn Arbeitgeber skeptisch waren, Flüchtlinge anzustellen, dann wegen sprachlicher Hürden“, so Bruns und berichtet weiter: „Viele sehen so aber auch eine Möglichkeit, Personallücken zu schließen.“

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