Fehlende Kita-Plätze

Fehlende Betreuungsplätze: Gladbeck mietet Container-Kitas

Schon zum Kindergartenjahr 2020/21 sollen die zusätzlichen Kita-Plätze in Gladbeck zur Verfügung stehen.

Schon zum Kindergartenjahr 2020/21 sollen die zusätzlichen Kita-Plätze in Gladbeck zur Verfügung stehen.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

In Gladbeck sollen so schnell wie möglich 150 zusätzliche Kita-Plätze geschaffen werden. Dafür gibt die Stadt jährlich 1,3 Millionen Euro aus.

Gladbeck will so schnell wie möglich 150 zusätzliche Kindergartenplätze für über Dreijährige schaffen. Dazu sollen Containermodule für zwei dreizügige Einrichtungen angemietet werden. Schon zum Kindergartenjahr 2020/21 sollen die zusätzlichen Plätze in Gladbeck zur Verfügung stehen.

Schon im laufenden Kindergartenjahr besteht ein Defizit

Ja, die Not ist groß. Jugendamtsleiterin Christine Hellebrand macht das an wenigen Zahlen deutlich: Schon im laufenden Kindergartenjahr besteht ein Defizit. Nimmt man das kommende noch hinzu, kommt man in der Stadt auf 283 unversorgte Jungen und Mädchen. „Mit dem bestehenden Platzangebot können wir den Rechtsanspruch der Eltern auf eine Kinderbetreuung bei weitem nicht erfüllen“, betont Hellebrand.

Deshalb hat sie in ihrem Amt in den vergangenen Wochen das Sofort-Programm zur Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze erarbeitet. Für die Verwaltungsspitze hat der Erste Beigeordnete Rainer Weichelt bereits hundertprozentige Zustimmung signalisiert.

Gute Betreuung und frühe Bildung sind wichtig

„Wir sind als Stadt verpflichtet, den Rechtsanspruch zu gewährleisten. Es ist uns darüber hinaus aber auch ein großes Anliegen, eine gute Betreuung und frühe Bildung für alle Kinder sicherzustellen“, betont Weichelt. Finanziell schlägt das Sofort-Programm mit stolzen 1.320.000 Millionen Euro (Personalkosten plus Containermiete) jährlich zu Buche. Weichelt sieht es aber als alternativlos an. Die Container sollen für fünf Jahre gemietet werden.

Das verschafft der Verwaltung eine Verschnaufpause, um die Bedarfsplanung für die nächsten Jahre passgenauer gestalten zu können.

Die beiden zusätzlichen Kitas aus dem neuen Programm sind für die Ü-3-Betreuung gedacht. „Wir legen die Priorität zuerst auf die älteren Kinder, weil wir einen problemlosen Übergang zur Grundschule garantieren wollen“, erklärt Christine Hellebrand.

Verstärkte Migration und eine höhere Geburtenrate

Die große Versorgungslücke bei den Kita-Plätzen sei durch verstärkte Migration und durch eine höhere Geburtenrate in den letzten zwei, drei Jahren entstanden. Man wolle aber unbedingt vermeiden, dass Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse eingeschult werden. Die frühe Förderung in der Kita sei deshalb besonders wichtig, um Sprachbarrieren weitestgehend abzubauen.

Die Betreuungsquote liegt mittlerweile nur noch bei 91 Prozent

Die Projekte zum regulären Ausbau des Betreuungsangebotes laufen unberührt von dem Sofortprogramm parallel weiter.

Wie verzweifelt Eltern in Gladbeck nach einem Betreuungsplatz für den Nachwuchs suchen, das erfährt Viola Schulz vom Amt für Jugend und Familie Tag für Tag hautnah. Denn sie ist Ansprechpartnerin für diesen Bereich. Gladbeck, sagt sie, konnte bis vor kurzem noch eine Versorgungsquote von 98 Prozent vorweisen. Die sei nun aber erheblich abgerutscht – auf 91 Prozent.

Besonders viele Plätze fehlen in Stadtmitte

In der Stadtmitte ist die Versorgungslücke bei den Betreuungsplätzen für Kita-Kinder besonders groß. Christine Hellebrand ist deshalb auf der Suche nach entsprechenden Grundstücken für die beiden Container-Kitas in diesem Einzugsbereich.

Eine Lösung könnte gefunden sein – ein Containermodel könnte auf dem Areal der städtischen Kindertagesstätte an der Vehrenbergstraße aufgebaut werden. Das hat den Vorteil, dass nicht auch noch ein Außengelände gestaltet werden muss. Für die zweite Container-Kita ist man noch auf der Suche.

Fertig eingerichtet und möbliert sollen die mobilen Räume sein, die die Stadtverwaltung anmieten will. Hellebrand: „Wir wollen da keine Hühnerställe aufstellen, sondern legen schon Wert auf Qualität.“ Ein Anbieter muss noch gefunden werden. Was sich eventuell auch schon schwierig gestalten könnte, weil die meisten Städte aus den gleichen Gründen ähnliche Engpässe im Kita-Bereich haben. Auch Rainer Weichelt geht davon aus, dass nicht nur die Stadt Gladbeck aktuell auf die Container-Lösung setzt. Das zweite Problem: der Fachkräftemangel. Er betrifft auch den Erzieher-Beruf. Für die beiden Einrichtungen müssen 14 Stellen besetzt werden.

Über das Sofort-Programm soll in der Sitzung vom Jugendhilfeausschuss am 18. Juni berichtet werden.

Die öffentliche Sitzung beginnt um 17 Uhr im Ratssaal.

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