Katholische Grundschule

Falsche Konfession: Da gehen die Meinungen auseinander

An der Josefschule in Alt-Rentfort hoffen alle, dass es doch noch eine Entscheidung für Regina Wiwianka als Rektorin gibt.

Foto: Frank Oppitz

An der Josefschule in Alt-Rentfort hoffen alle, dass es doch noch eine Entscheidung für Regina Wiwianka als Rektorin gibt. Foto: Frank Oppitz

Gladbeck.   Die Gladbeckerin Regina Wiwianka darf nicht Rektorin der Josefschule werden. Sie ist nicht katholisch. Darüber wird kontrovers diskutiert.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Artikel über Regina Wiwianka, die als Konrektorin die katholische Josefschule in Rentfort seit eineinhalb Jahren kommissarisch leitet und nicht Rektorin werden darf, weil sie der „falschen“ Konfession angehört, schlägt hohe Wellen.

Vor allem auf Facebook wird das Thema intensiv diskutiert.

Brunhild Thiesing hat einen Leserbrief geschrieben: „Wie lange hat Frau Wiwianka die Josefschule kommissarisch geleitet? Wie lange hat Frau Wiwianka den Laden am Laufen gehalten? Wie lange ist Frau Wiwianka dafür nicht angemessen entlohnt worden? War sie dafür katholisch genug?! Unfassbar!!!“

Auf Facebook haben wir gefragt: Muss die Leitung einer katholischen Schule unbedingt katholisch sein? Die Mehrzahl der Leser meint: nein.

Marco Gräber kommentiert ironisch: „Ich hätte da eine ganz verrückte Idee. Wie wär’s denn, wenn man nach Qualifikation, Leistung und bisherigen Referenzen geht? Vielleicht zu naiv von mir, aber das verstehe ich unter einer Leistungsgesellschaft.“

Michael Dadek bemüht Vergleiche: „Dann müsste ja die Leitung eines Fußballvereins Fußballer, die Leitung eines Frauenhauses Frau und die Leitung einer Psychiatrie psychisch krank sein. Merkt ihr selber, ne?“

Christina Dallmeier findet: „Klar, katholisch ist besser, aber warum nicht evangelisch? Es kommt doch auch auf das Menschliche an.“ Wenn eine qualifizierte Kraft ihren Job liebevoll und gerne mache, könne die Konfession an zweite Position rücken.

Ähnlich sieht das Ulla Schulte: „Sie muss eine gute Pädagogin und mit Freude und Engagement bei der Sache sein.“

Petra Carl stellt die Frage: „Muss das in der heutigen Zeit denn wirklich noch sein?“

Brigitte Weiner meint: „Ich bin evangelisch. Gehe auch gerne in die katholische Kirche. Meine zwei Enkel sind einmal katholisch und einmal evangelisch getauft worden! Also, wo liegt das Problem!?

Nora Wehrmann schreibt kurz und bündig: „Die Konfession sollte in keiner Institution eine übergeordnete Rolle spielen!“

Es gibt aber auch andere Meinungen zu diesem Thema.

Christina Gold vertritt die Auffassung: „Der Geist einer Schule/Institution wird durch die Führung maßgeblich beeinflusst. Da es eine katholische Schule ist, sollte die Leitung katholisch sein. Wenn sie dann ihren Glauben auch noch praktiziert und insofern den Geist der Schule prägt, noch besser.

Silke Scholtys sieht es ähnlich: „Wenn der katholische Glaube vermittelt/gelehrt werden soll, sollte die Lehrerschaft inkl. Führung durchaus wissen, welche Werte und Inhalte die katholische Lehre beinhaltet. Warum fragt man sich nicht, ob ein Anwalt Jura studiert haben muss, oder ein Mathematiklehrer Mathe?“

Josephine Böhm betrachtet das Thema aus der Distanz: „Ich bin orthodoxer buddhistischer Agnostiker, hab mit Kirchen nichts am Hut. Aber von der Logik her muss so eine Leitung schon katholisch sein. Sie beeinflusst ja das gesamte Leben an dieser Schule. Dann muss die sich schon mit dem Katholizismus identifizieren.“

Die Eltern sind „überrascht und entsetzt“ 

In der Elternschaft der Josefschule stößt die Entscheidung der Bezirksregierung Münster auf Unverständnis. „Wir waren überrascht und entsetzt, als wir erfahren haben, dass Frau Wiwianka auch mit ihrer dritten Bewerbung nicht erfolgreich war“, sagt Schulpflegschaftsvorsitzende Annette Keizer im Gespräch mit der WAZ. „Wir waren hoffnungsvoll, dass sie, nach drei vergeblichen Versuchen, einen katholischen Bewerber zu finden, jetzt endlich zum Zuge käme. Dass es nicht geklappt hat, empfinden wir als Diskriminierung.“

Die Eltern sind angetan von der Arbeit der kommissarischen Schulleiterin: „Sie ist eine gute Pädagogin, hat Führungskompetenz, immer ein offenes Ohr für die Kinder und auch für uns Eltern, informiert uns und bezieht uns in Entscheidungen ein. Das allein sollte den Ausschlag geben, nicht die Konfession. Wir leben schließlich im Jahr 2018, und die beiden christlichen Kirchen nähern sich an.“

Die Eltern haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Regina Wiwianka doch noch Rektorin wird – und sei es über eine Ausnahmeregelung. Wie Bürgermeister Ulrich Roland hat auch die Schulpflegschaft die NRW-Schulministerin angeschrieben. Annette Keizer: „In einer Zeit, in der es immer schwieriger wird, Rektoren zu finden, muss es doch in diesem Fall eine Lösung geben.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (10) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik