Talk am Turm

Experten diskutieren über die Zukunft der Demokratie

Wahlforscher Professor Karl-Rudolf Korte (rechts) und Dr. Martin Dutzmann sprachen im Luther Forum  unter anderem daüber, welchen Einfluss Martin Luther auf die Demokratie hatte

Foto: Heinrich Jung

Wahlforscher Professor Karl-Rudolf Korte (rechts) und Dr. Martin Dutzmann sprachen im Luther Forum unter anderem daüber, welchen Einfluss Martin Luther auf die Demokratie hatte Foto: Heinrich Jung

Gladbeck.   „Zur Zukunft der Demokratie(n)“ im Martin Luther Forum befasste sich auch mit politisch brisanten Themen wie dem Umgang mit radikalen Parteien.

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Es war eine hochkarätige Runde, die der Vorsitzende des Martin Luther Forums Ruhr, Dr. Martin Grimm, am Dienstag in der ehemaligen Markuskirche an der Bülser Straße begrüßen konnte. „Zur Zukunft der Demokratie(n)“ lautete der Titel der Veranstaltung innerhalb der Reihe „Der geteilte Himmel“ in diesem Reformationsgedenkjahr.

Auf dem Podium diskutierten Dr. Martin Dutzmann, Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, der Politikwissenschaftler, Journalist und Publizist, Dr. Andreas Püttmann sowie der TV-erprobte Politikwissenschaftler Professor Dr. Karl-Rudolf Korte von der Universität Duisburg-Essen.

Reformation als Katalysator

Unter der bewährten Moderation von Frederic Decker vom Martin Luther Forum sollte zum Einstieg geklärt werden, was denn der Reformator mit der Demokratie zu tun habe. Die Reformation sei ein „Katalysator“ für demokratische Bestrebungen gewesen, sagte Martin Dutzmann, „aber Luther als Person war dem mittelalterlichen Weltbild verhaftet.“ Karl-Rudolf Korte verglich Luthers „Papstverdrossenheit“ mit der „Politikverdrossenheit“ unserer Tage und brach eine Lanze für die Politiker: „So schlecht sind sie nicht“, meinte der Experte.

Vor rund 50 Zuhörern biss sich die Runde sehr schnell in der politischen Gegenwart fest. Kein Wunder, stehen doch Bundestagswahlen vor der Tür. Die zentrale Frage lautete zunächst: „Wie hältst Du’s mit der AfD?“, worauf Andreas Püttmann die eindeutige Antwort gab, sie sei für „einen Christen, gleichgültig welcher Konfession, nicht wählbar“.

„Erdoganisierung der Kommunikation“

Ob man denn überhaupt mit der AfD sprechen solle? „Ignorieren ist keine Lösung“, war sich Martin Dutzmann sicher, doch habe beispielsweise Spitzenkandidat Alexander Gauland mit seinen jüngsten Äußerungen zur Integrationsbeauftragten der Bundesregierung „eine rote Linie“ überschritten, da waren sich beide einig.

Karl-Rudolf Korte sprach in diesem Zusammenhang von der „Erdoganisierung der Kommunikation“, die insbesondere durch die sozialen Medien befeuert werde. Allerdings solle man die AfD auch „nicht überhöhen“. „Anständige Konservative machen keine Projekte mit Rechtsradikalen“, entgegnete ihm Andreas Püttmann.

Die drei Experten waren sich einig, dass Politik in einer demokratischen Gesellschaft ein „lernendes System“ sei, in dem auch die Kirchen mit ihrer „mäßigenden Kraft“ eine wichtige Rolle übernehmen müsste, um der zunehmenden Radikalisierung von rechts und links vorzubeugen, so ihr Plädoyer.

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