Soziales

Erste Infobörse Familie und Beruf im Rathaus

Ursula Kühnel vom Familienbüro informierte über Möglichkeiten der Kinderbetreuung und Jobperspektiven als Tagesmutter.

Ursula Kühnel vom Familienbüro informierte über Möglichkeiten der Kinderbetreuung und Jobperspektiven als Tagesmutter.

Foto: Lutz von Staegmann

Gladbeck.  Das Familienbüro der Stadt informierte mit Kooperationspartnern über Möglichkeiten der Kinderbetreuung in Gladbeck und Jobperspektiven.

Ein neuer Mosaikstein im Ausbau einer familienfreundlichen Stadt wurde am Freitagvormittag im Alten Rathaus gesetzt. In Kooperation mit Akteuren des Jobcenters, der Arbeitsagentur und des Kommunalen Integrationszentrums veranstaltete die Stadtverwaltung die erste Infobörse „Familie und Beruf in Gladbeck“. Spannender als alle Theorie waren die Praxisbeispiele von Frauen, die offen über ihre Erfahrungen zum Thema berichteten.

Konkret ging es im Ratssaal einerseits um Möglichkeiten zur Betreuung von Kindern berufstätiger Eltern und anderseits um die Chancen für Arbeitssuchende, einen Job in der Kindertagespflege oder Seniorenbetreuung zu finden.

Die Stadt achtet auf ausreichende Qualifikation

Fast bis auf den letzten Platz waren die Stühle um die Tische im Ratssaal besetzt. Dies auch auf Druck von Arbeitsamt und Jobcenter, die arbeitssuchende Klienten zum Termin einbestellt hatten.

Zunächst stellten Ursula Kühnel vom Familienbüro und Michael Freudiger, Chef des Jugendamtes, vor, welche Betreuungsformen in Gladbeck genutzt werden können. Das sind, neben den Kindertageseinrichtungen oder dem offen Ganztag, auch die Großtagespflege oder die individuelle Betreuung durch Tagespflegemutter (oder -vater) für Kleinkinder. Informiert wurde zudem über die Möglichkeit, als Tagepflegeperson selbst tätig zu werden und durch die Betreuung fremder Kinder in den eigenen vier Wänden Geld zu verdienen. Dabei achtet die Stadt auf Qualifikation: Für die Zulassung als Tagespflegeperson müssen 160 Unterrichtseinheiten – und weitere 140 begleitend zum Job – absolviert werden.

Fünf Pflegekinder daheim betreut

Als Paradebeispiel wurde Friederike Abramczyk vorgestellt. Sie berichtete, wie sie sich qualifizierte, um letztlich fünf Kinder mit ihren beiden leiblichen daheim zu betreuen. Mit viel Freude an der Aufgabe, „den Kindern ein schönes Umfeld zu schaffen, um sie zu betreuen und zu fördern“. Das beinhalte aber auch die weniger schöne Verpflichtung, so die 30-Jährige, „jeden Tag konsequent aufräumen und putzen zu müssen“.

Die Gladbeckerin, die freilich mit berufstätigem Ehemann und schmuckem Eigenheim keine Existenzsorgen hat, nutzte die Gelegenheit, eine Großtagespflege mit aufzubauen. Sie bildete sich beruflich fort, machte ein Praxisjahr und legte eine externe Prüfung in einer Fachschule ab. Jetzt ist sie staatlich anerkannte Erzieherin.

Tagesmutter für den frühen Morgen

Starker Gegensatz dazu: Das Beispiel von Katia José. Die alleinerziehende Mutter eines mittlerweile Zehnjährigen erzählte, dass es ihr nur durch das Glück, „eine verlässliche Tagesmutter für die frühen Morgenstunden gefunden zu haben“, möglich ist, ihren Job auszuüben. „Gegen fünf Uhr bringe ich meinen Sohn zu ihr, damit ich rechtzeitig um 5.45 Uhr am Arbeitsplatz im Krankenhaus in Bochum bin.“

Ihr Glück heißt Ursula Wilms, die selbst als Alleinerziehende drei Kinder großgezogen hat. „Ich weiß wie schwer das ist“, so die 58-Jährige, „da wollte ich helfen“. Die Frühaufsteherin betreute so stundenweise daheim, um ihr Morgenkind dann zur Kita beziehungsweise zur Schule zu bringen und in ihren eigenen Job als Altenpflegerin zu starten.

Den Job im Einzelhandel für den Sohn aufgegeben

Eine Verdienstmöglichkeit, über die sich auch Volker Otto am Infostand schlau machte. Als alleinerziehender Vater war der 36-Jährige einer der wenigen männlichen ‘Exoten’ im Rund der vornehmlich anwesenden Frauen. Er habe den Job im Einzelhandel für seinen Sohn (heute 7) aufgegeben und es sich damals nicht vorstellen können, dass es so schwer ist einen Job mit alleinerziehendenfreundlichen Arbeitszeiten zu finden. „Bislang habe ich auf meine Bewerbungen nur Absagen erhalten.“

Die Verdienstmöglichkeiten als Tagesvater ernüchterten den Gladbecker: „Mit Quali nur 450 Euro für 20 Betreuungsstunden, davon kann man nicht leben.“ Die alleinerziehende Mutter am Nebenplatz, Simone Wiechern, hatte einen guten Tipp: „Als Schulbegleiter werden 9,90 Euro pro Stunde gezahlt, das ist ganz okay.“ Ein schöner Nebeneffekt der Infobörse, der den anwesenden Eltern auch diese private Netzwerkarbeit ermöglichte.

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