Ausbildung

Elf wollen hoch hinaus – Leitertraining bei der Feuerwehr

Ohne die Kameraden geht gar nichts: Beim Leitertrainingmüssen die Brandmeisteranwärter zusammen anpacken – alleine kann keiner die langen Leitern schleppen. Auch beim Klettern müssen sie sich aufeinander verlassen können.

Foto: Lutz von Staegmann

Ohne die Kameraden geht gar nichts: Beim Leitertrainingmüssen die Brandmeisteranwärter zusammen anpacken – alleine kann keiner die langen Leitern schleppen. Auch beim Klettern müssen sie sich aufeinander verlassen können.

Gladbeck.   18 Monate dauert die Ausbildung zum Feuerwehrmann. In dieser Zeit müssen die elf Gladbecker Anwärter viel lernen – auch in schwindelnder Höhe.

Linke Hand und rechter Fuß. Rechte Hand und linker Fuß. Immer schön parallel, immer eine Hand und einen Fuß an den Sprossen lassen. Und der Körper soll möglichst nahe an der Leiter sein. „Unser Ziel ist es, wie Spiderman zu klettern“, sagt Dirk Adamowski.

Im hautengen Strampelanzug müssten seine Schüler vielleicht weniger schwitzen. Doch ihr Superheldenkostüm besteht aus vielen Schichten, die sie im Ernstfall vor Flammen schützen sollen. Bei sommerlichen Temperaturen fließt der Schweiß in Strömen. Wer das nicht aushält, hat als Feuerwehrmann schon verloren.

„An einem Tag hab ich viereinhalb Liter Wasser getrunken“

Das wissen die elf jungen Brandmeisteranwärter bereits nach wenigen Wochen ihrer Ausbildung bei der Feuerwehr Gladbeck. „An dem einen Tag habe ich viereinhalb Liter getrunken“, sagt Sascha Nienhaus. Schweiß rinnt über sein Gesicht – wer den Wasserverlust nicht ausgleicht, kann ernsthafte Probleme bekommen. Aber die Anwärter sind vernünftig. Nienhaus war Bundeswehr-Soldat, bevor er sich für die Ausbildung bei der Feuerwehr bewarb. Als Militärpolizist war er in Afghanistan. Er kennt die Hitze – und er kennt die Gefahr.

Was in der Realität passiert, kann immer nur eine Annahme sein

Das kann ihm in seinem neuen Beruf nur nutzen, denn den Ernstfall können Feuerwehrleute zwar trainieren, was in der Realität passiert, ist dabei aber nur eine Annahme. „Fast jeder Einsatz ist improvisiert“, sagt Ausbildungsleiter Brandamtmann Adamowski. „Die Feuerwehr kommt immer dann, wenn es nicht normal ist.“

Umso wichtiger ist es, dass die angehenden Brandmeister die nötigen Handgriffe beherrschen, ihr Arbeitsmaterial kennen und sich im Team unterstützen. So erfüllt das regelmäßige Leitertraining gleich mehrere Zwecke. Einerseits geht es dabei um reines Training, es geht um Kondition und Handwerk. Und andererseits geht es darum, im Einsatz eine Einheit zu bilden, in der sich alle aufeinander verlassen können. Und Teamgeist entsteht am Besten da, wo die Einzelnen an ihre Grenzen geraten.

In diesem Jahr hat sich keine Frau qualifiziert

Feuerwehrleute müssen sich sicher in der Höhe bewegen, bis zu 30 Meter auf der Drehleiter überwinden, aber auch mit anderen Leitern zur Rettung eilen. Am Übungsturm an der Wache an der Wilhelmstraße können die Männer (in diesem Jahr hat sich keine Frau qualifiziert) bis zu sieben Etagen überwinden. Mit der vierteiligen Steck- und der dreiteiligen Schiebleiter geht es nicht ganz so hoch hinaus – aber immerhin so weit, dass die Zuschauerin elastische Knie bekommt.

Am Anfang habe er mit der Höhe zu kämpfen gehabt, sagt Anwärter Philip Büker. Seine Strategie: „Üben, üben, üben“. Das Gute an den Unterrichtseinheiten sei, dass es meist nicht ums reine Klettern gehe, sondern eine Situation simuliert werde. „Man ist abgelenkt und hat was zu tun“, sagt er. Kollege René-Pascal Schmidt fügt hinzu: „Irgendwann nimmt man die Höhe anders wahr. Sie ist dann nicht mehr relevant. Und man bekommt Vertrauen zum Material.“ Und zu den Kollegen, denn die sichern die Leiter und sprechen ihren Kameraden Mut zu. „Man lernt ziemlich schnell, dass man den Leuten hier vertrauen kann – und muss“, sagt Nienhaus.

Die Technik lernen die Männer von der einzigen Gladbecker Feuerwehrfrau, Oberbrandmeisterin Andrea Schröder. Sie erklärt nicht nur die richtige Art zu klettern, sondern auch, wozu die Leitern sonst noch gut sind. Zum Beispiel für die Grubenrettung. Ist ein Mensch in ein Loch gefallen und kommt von selbst nicht wieder heraus, baut die Feuerwehr aus

der Steck- eine Bockleiter auf. Am Scheitelpunkt befestigen die Wehrleute bei der Übung ein Standrohr, an diesem wiederum ein Seil. Sascha Nienhaus spielt das Opfer. Weil er laut Szenario kopfüber feststeckt, knoten die Kollegen das Seil an seinen Fesseln fest, um ihn anschließend über ihren improvisierten Flaschenzug zu „bergen“.

Es gibt noch viel Theorie und Praxis

„Man muss das mal gemacht haben“, sagt der Ex-Soldat. Ausbildungsleiter Adamowski bestätigt das. Der Perspektivwechsel vom Retter zum Geretteten sei wichtig, damit die Feuerwehrleute später besser nachvollziehen können, wie sich ihr Gegenüber fühlt. Bis es zum Ernstfall kommt, wird es für die elf Nachwuchsbrandmeister noch einige Monate dauern. In dieser Zeit werden sie viel lernen, sowohl in der Praxis, als auch in der Theorie. Und dann kann Spiderman sein Kostüm einpacken – die Jungs im Schutzanzug werden ihn auf dem Weg nach oben sicher locker überholen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik