Abenteuer

Eine Fahrt mit dem Heißluftballon im Gladbecker Luftmeer

Mit dem Start zweier Heißluftballons auf der Wiese am Schloss Wittringen in Gladbeck eröffnete "Skytours Ballooning" die Heißluftballon-Saison. Foto: Michael Korte

Foto: Michael Korte

Mit dem Start zweier Heißluftballons auf der Wiese am Schloss Wittringen in Gladbeck eröffnete "Skytours Ballooning" die Heißluftballon-Saison. Foto: Michael Korte Foto: Michael Korte

Gladbeck   Bei einer Heißluftballon-Tour erhalten Passagiere einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Für die Ballonfahrer hat die Saison begonnen.

Gemächlich hebt der sanfte Riese ab gen Himmel. Ganz langsam und majestätisch. Begleitet von „Oh“ rufen der zwölf Passagiere im geflochtenen Korb und der hunderten Schaulustigen an der Wiese am Wittringer Wasserschloss. Der Alltag bleibt am Boden zurück. Träumen ist erlaubt.

Geweckt werden die Mitfahrenden nur durch die fauchenden Brenner, die ihren heißen Atem in die prall gefüllte Ballonhülle schießen: „Tschhhh“. Der Heißluftballon steigt weiter und weiter, getragen von den warmen Luftmassen, die den Ballon ausfüllen.

Ballonfahrt über Gladbeck

Ballonfahrt über Gladbeck.
Ballonfahrt über Gladbeck

„Alleine der Wind entscheidet wohin die Reise geht“, sagt Ballonführer Andreas Wagner, der über die Zufuhr von Propangas den Auftrieb regelt und so über die Flughöhe des sanften Riesen entscheidet.

„Tschhhh“ – mit jedem Feuerstoß des Brenners gewinnt der Ballon mehr und mehr an Höhe. Für die Fahrgäste eröffnet sich eine völlig neue Sicht. Wenige Augenblicke später schwebt der Ballon hoch über den Dächern Gladbecks.

Gladbeck aus der Luft

Ein erster Blick Richtung Boden offenbart charakteristische Punkte der Stadt: Das Freibad und das Stadion. Einblicke wie in einem Miniaturmuseum. Die gesamte Architektur der Stadt wird sichtbar: systematisch geordnete Straßenraster, Ackerbau und Grünland, Industrieflächen. Eine erste Orientierung bietet der majestätisch in die Luft ragende Turm der St. Lamberti Kirche. In der Ferne: Ein undurchdringliches Dächerwirrwarr.

Der Blick schweift über die Mottbruch-Halde zur B224. Geräuschlos bewegen sich die Autos auf den Fahrspuren, wie Spielzeugautos, scheinbar ohne Motoren. Sie offenbaren eines der Phänomene der Ballonfahrt: Eine vorher nicht gekannte Ruhe, während der Ballon zirka 500 Meter über Gladbeck schwebt. Mit jedem Höhenmeter steigt die Euphorie und sinkt der Geräuschpegel. Stille.

Warum es Ballonfahren heißt – nicht fliegen

„Tschhhh“ – unterbrochen nur durch das Fauchen des Brenners. „Wir steigen hoch bis auf 1500 Meter“, sagt Wagner. Von dieser Höhe überblickt man bei klarer Sicht die Weiten des Ruhrgebiets. Die Fernsicht ist an diesem Tag etwas getrübt, dennoch bekommt man ein Gefühl für das Revier. Am Horizont eine charakteristische Kraftwerkssilhouette: Scholven. Die Schornsteine und Kühltürme wirken, trotz ihrer beachtlichen Größe, klitzeklein.

Beim Ballon spricht man vom fahren – und nicht fliegen: „Als die Brüder Montgolfier die Ballonfahrt 1783 erfanden, kannte man den Begriff fliegen noch nicht,“ erklärt Wagner. Vielmehr habe man sich an der Seefahrt orientiert. „Deshalb heißt es: Ballone fahren im Luftmeer.“ Während der Fahrt steht der Pilot im Kontakt mit den sogenannten Verfolgern. „Über GPS Signal übermitteln wir unsere Position“, sagt Wagner: „Sie bringen uns nach der Landung nach Gladbeck zurück.“

Landung in Herten Langenbochum

Dann ist es soweit: Die Landephase beginnt. „Wir versuchen, auf der Grünfläche zu landen“, sagt Wagner, während er immer weniger Gas in die Ballonhülle schießt, den Ballon so zum sinken zwingt.

Der Boden kommt näher und näher. „Vorsicht. Wir setzten jetzt auf. Drei, zwei. . .“, sagt Wagner, während sich die Fahrgäste festhalten und der Korb den Boden berührt. Bums. Applaus aller Fahrgäste. Der Wind trug den Ballon bis Herten Langenbochum.

Nach der Landung gilt es für die Fluggäste mit anzupacken: Zuerst wird der riesige Ballon ausgelegt. Mit vereinten Kräften wird er dann in einer Hülle verstaut. Dann kommt es zur traditionellen Ballöner-Taufe, bei der die Passagiere feierlich in den Adelsstand der Ballonfahrer erhoben werden. Für alle steht fest: Das Erlebnis schreit nach Wiederholung. Wohin dann die Reise geht, entscheidet ausschließlich der Wind – „Tschhhh“.

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