Appeltatenfest

Eine Appeltatenmajestät-Kandidatin mit „Kodder-Schnauze“

Das Apfelschälen klappt schon mal ganz gut. Dabei mag Astrid Ramona Brandt das Obst gar nicht gern. Jetzt will die 58-Jährige Appeltatenmajestät werden.

Das Apfelschälen klappt schon mal ganz gut. Dabei mag Astrid Ramona Brandt das Obst gar nicht gern. Jetzt will die 58-Jährige Appeltatenmajestät werden.

Foto: Olaf Fuhrmann / Funke Foto Services GmbH

Gladbeck.  Astrid Ramona Brandt möchte Appeltatenmajestät werden. Viel kennt sie von dem Fest noch nicht. Gladbeckerin geht ganz locker in den Wettkampf.

Das Appeltatenfest kennt Astrid Ramona Brandt zwar – aber eher nur dem Namen nach. Sie feiert immer vor der Lambertikirche, „weil da ausschließlich deutsche Schlager gespielt werden“. Bei der Apfelolympiade hat die 58-Jährige noch nie zugeschaut, auch bei der feierlichen Amtsübergabe vor dem Rathaus gehörte sie nie zum Publikum. In diesem Jahr wird sie alles miterleben, hautnah sogar. Sie gehört zu den Kandidatinnen, die am 7. September im Wettbewerb um den Titel der Appeltatenmajestät antreten.

Viel weiß sie nicht über das, was da auf sie zukommt. „Wir müssen wohl einen Apfel schälen, und die Schale muss möglichst lang und dünn sein. Und wir sollen eine Apfelpyramide bauen. Das kann ich. Äpfel habe ich schon auf dem Bauernhof meiner Oma gestapelt. Ansonsten lass ich mich mal einfach überraschen.“

Die gebürtige Ost-Berlinerin betrieb einmal eine Nerz-Zucht

Überraschungen gab es in Astrid Ramona Brandts Leben schon häufig – allerdings eher unangenehme und sogar schreckliche. Die gebürtige Ost-Berlinerin hat sich in ihrer Heimat zur Zoo-Technikerin ausbilden lassen und betrieb eine Nerz-Zucht. Aus Tierschutzgründen gab sie diesen Job auf, sattelte um, machte eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau, wieder einige Jahre später zur Schneiderin.

Mit der Arbeit in einer Näherei für Armeeuniformen war dann von einem Tag auf den anderen Schluss. „1987 wollte ich meinen Onkel in Bamberg zum Geburtstag besuchen. Als der Ausreise-Antrag abgelehnt wurde, bin ich bei der Polizei sehr laut geworden“, erzählt Brandt. Zu laut. Die Folgen: Am nächsten Tag durfte sie ihren Arbeitsplatz nicht mehr betreten, zwei Tage später wurde sie verhaftet, saß zwei Jahre im Gefängnis und wurde 1989, kurz vor dem Fall der Mauer, in den Westen abgeschoben. Das Schlimmste: Ihr Sohn war bei ihrer Verhaftung zwei Jahre alt, sein Vater und sie waren geschieden. Erst viele Jahre später fand sie den inzwischen volljährigen Sohn – dank einer Fernsehsendung von Oliver Geißen – wieder.

Auf Borkum lernte sie ihren zweiten Mann kennen

Im Westen verschlug es Astrid Ramona Brandt auf die Nordseeinsel Borkum. „Ich wusste, dass da immer Saison-Arbeitskräfte gesucht werden.“ Sie arbeitete in einer Disco, an der Supermarktkasse, im Kiosk und putzte Ferienwohnungen. „Streckenweise habe ich zwölf bis 14 Stunden täglich gearbeitet – wahrscheinlich um nicht so viel Zeit zum Nachdenken zu haben.“

Auf Borkum lernte sie ihren zweiten Mann kennen, 1999 wurde die gemeinsame Tochter geboren. Aus gesundheitlichen Gründen verließ sie die Insel, landete mit ihrer Tochter im Ruhrgebiet, 2008 zog sie zu ihrem neuen Lebenspartner nach Gladbeck.

Die Gladbeckerin isst gar keine Äpfel

Der typische Berliner Dialekt ist immer noch nicht zu überhören, „und auch meine Kodder-Schnauze habe ich mir nicht abgewöhnt“, gibt die 58-Jährige unumwunden zu. Das hört sich dann etwa so an: „Wenn ich die Apfelolympiade gewinne, muss ich, glaube ich, mit einem komischen Umhang und einem Korb voller Äpfel durch die Stadt rennen.“ Oder auch: „Trainiert habe ich für den Wettbewerb noch nicht. Ich kauf mir zwei Tage vorher ein Kilo Äpfel, stapel sie erst und schäl sie dann, und meine Tochter kriegt anschließend einen Vitamin-Schock – ich esse nämlich keine Äpfel.“

Auch wenn’s nicht unbedingt so klingt: Astrid Ramona Brandt freut sich auf die Apfelolympiade und auch darauf, was sie erwartet, wenn sie gewinnt. Aber verbissen geht sie die ganze Sache nicht an: „Entweder es klappt oder nicht.“

Artikel zu den weiteren Kandidaten, die die WAZ bereits vorgestellt hat:

Andrea Tysper: https://www.waz.de/staedte/gladbeck/andrea-tysper-will-sich-als-majestaet-politisch-einmischen-id226743475.html

Heidi Schulte: https://www.waz.de/staedte/gladbeck/heidi-schulte-74-tritt-erneut-bei-der-apfelolympiade-an-id226776915.html

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben