Auto-Geschichten

Ein alter VW Käfer ist Marion Westermanns große Liebe

Die Eheleute Marion und Wilfried Westermann lieben ihren VW Käfer 1303 Cabrio und würden ihn nie verkaufen – allenfalls eines Tages einem ihrer Kinder schenken.

Die Eheleute Marion und Wilfried Westermann lieben ihren VW Käfer 1303 Cabrio und würden ihn nie verkaufen – allenfalls eines Tages einem ihrer Kinder schenken.

Foto: Lutz von Staegmann

Gladbeck.   Das Cabrio hat Ehemann Wilfried der Gladbeckerin vor 39 Jahren besorgt. Fast jedes Teil ist noch original. Im Winter bleibt der VW in der Garage.

Er sieht aus, als hätte er eben noch im Schaufenster gestanden: blitzblank, kein Kratzer, keine Beule im Kolibri-Grün-Metallic-Lack, kein Staubkorn auf dem Armaturenbrett. Dabei rollt das VW-Käfer-Cabrio schon 40 Jahre durch die Straßen, 39 davon saßen Marion (64) oder Wilfried Westermann (71) hinter dem Steuer.

Ein Käfer Cabrio – das war Marion Westermanns Traum. Und ihr Mann setzte alles daran, ihn zu erfüllen. Als Verkaufsleiter im Außendienst legte er an jedem Autohaus am Weg einen Stopp ein, um nach dem Wunschauto zu suchen. In Witten schließlich wurde er fündig: Ein Kunde hatte einen Neuwagen bestellt, sein VW Cabrio 1303 wollte er verkaufen: ein knappes Jahr alt, kaum gefahren, 14000 DM. Wilfried Westermann unterschrieb den Kaufvertrag, ohne das Gefährt gesehen zu haben.

Ein Sommerauto ist der Käfer - Schnee kennt er nicht

Die überglückliche Marion trennte sich sofort von ihrem „normalen“ Käfer und stieg ins Cabrio um. Aber: nur im Sommer! Bis heute hat kein Schnee oder Streusalz die Reifen berührt. Für die „schmutzige“ Jahreszeit besorgte Wilfried Westermann seiner Frau einen alten Käfer für 600 Mark, die Löcher deckte er mit dc-fix ab. „Ich habe mich geschämt damit zu fahren, habe so oft es ging, seinen Wagen genommen“, erinnert sich Marion Westermann.

Heute fährt sie vorwiegend mit ihrem Audi A 1. Das Cabrio kommt nur noch zu besonderen Anlässen auf die Straße. Westermanns unternehmen damit Spitztouren in die nähere Umgebung – bei schönem Wetter, versteht sich. Nur eine weite Fahrt haben sie in den Anfangsjahren damit unternommen: eine Urlaubsreise nach Italien. Kein Wunder also, dass das „Sommerauto“ nach 40 Jahren nur 74000 Kilometer auf den Tacho hat.

Die Ausstattung - eher spartanisch

Fast alles an diesem Wagen mit dem Kennzeichen RE-KC 78H (Käfer Cabrio / Baujahr 78 historisch) ist original. Was in Oldtimerkreisen besonders wichtig ist: Das Auto ist mit demselben Motor und Getriebe ausgerüstet, mit dem es vom Band lief (für Kenner: matching numbers). Beim Blick unter die kleine Motorhaube staunen selbst Fachleute. Kein Ruß, kein Öl, alles blinkt und strahlt wie bei einem Neuwagen.

Das alte Plastik-Faltdach, das gerissen war, haben Westermanns ausgetauscht gegen eines mit Textilbezug, das Kunststoff-Lenkrad gegen ein ledernes, und der Optik wegen haben sie ihrem Cabrio Cibie-Zusatzscheinwerfer „gegönnt“.

Zum Öffnen der Fenster muss man die Kurbel betätigen

Er „röhrt“ und stinkt, wenn er angelassen wird, frisst 9 bis 12 Liter Sprit, schafft mit seinen 50 PS maximal 130 km/h („So schnell fahren wir aber nicht, weil er einen deutlich längeren Bremsweg hat als moderne Autos.“), die Fahrgeräusche sind auch innen nicht zu überhören.

Zum Öffnen der Türen muss der Schlüssel im Schloss umgedreht, zum Öffnen der Fenster an der Kurbel gedreht werden. Und wenn Marion Westermann rückwärts einparken will, bricht ihr wegen der fehlenden Servolenkung der Schweiß aus. Aber: Westermanns lieben ihren Käfer: „Er gehört zur Familie.“ Das soll auch so bleiben. Sohn Lutz und Tochter Laura haben schon Interesse bekundet.

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