Freies Theater

Dunkelheit & Licht: Film dokumentiert 15 Jahre „glassbooth“

„Man muss für das Theater brennen, anders geht’s nicht“, sagt Jens Dornheim. Auch nach 15 Jahren „glassbooth“ ist diese Leidenschaft nach wie vor ungebrochen.

„Man muss für das Theater brennen, anders geht’s nicht“, sagt Jens Dornheim. Auch nach 15 Jahren „glassbooth“ ist diese Leidenschaft nach wie vor ungebrochen.

Foto: Michael Korte

Gladbeck/Gelsenkirchen.  15 Jahre, 15 Premieren: Die beiden Macher von BS-Films aus Buer haben der freien Theatergruppe um Regisseur Jens Dornheim einen Film gewidmet.

„Spontanität“ und „kreativen Wahnsinn“ haben sich Stefan Bahl und Dirk Gerigk auf ihre Fahnen geschrieben. Eine ideale Ausgangssituation für einen Film über das theater glassbooth. Am Mittwoch präsentierten die beiden Filmemacher aus Gelsenkirchen im KoKi in der Stadtbücherei gemeinsam mit Theaterchef Jens Dornheim ihren Dokumentarfilm „Dunkelheit und Licht – 15 Jahre theater glassbooth“.

Nach der Präsentation des Stücks „Der Weibsteufel“, der Veröffentlichung einer opulenten Theaterchronologie, nun der dritte „Streich“ im Reigen der glassbooth-Jubiläumsaktivitäten.

„Immer wieder aufstehen und weitermachen!“

15 Jahre und 15 Premieren in 100 unterhaltsamen Minuten, die die Entwicklung des freien theaters glassbooth seit 2004 dokumentieren. Als ein Chronist tritt Theatergründer Jens Dornheim auf, und ihm ist mit jedem Wort, jeder Anekdote, jeder Erinnerung die Begeisterung anzumerken für das, was er tut: „Man muss für das Theater brennen, anders geht’s nicht“, sagt Dornheim. Denn das vermittelt der Film ebenfalls: „Auch nach Niederlagen: Immer wieder aufstehen und weitermachen.“ Ganz einfach waren sie nämlich nicht, diese 15 Jahre.

„Die Dunkelheit übt, seit ich denken kann, eine enorme Faszination auf mich aus“, erzählt Dornheim, um zu erklären, warum die glassboth-Stücke oft eine düstere Stimmung vermitteln und von menschlichen Abgründen erzählen. Dies dem Publikum zu vermitteln, sei nicht immer leicht, aber es sei ein Grundprinzip seines Theaters, nicht dem Mainstream zu folgen. Neue Wege gingen er und sein Ensemble 2015 in Gladbeck. Im damaligen Martin-Luther-Forum inszenierte Dornheim „Luther“ von John Osborne, „das erfolgreichste meiner Stücke“, sagt der Regisseur im Rückblick.

Eine besondere Gladbecker Geschichte

Neu war, dass neben den Profis auch Gladbecker Bürger mitwirkten, wie der Film ausführlich schildert. Nach einem kurzen Ausflug in die „Zeit der Kannibalen“, folgte 2017 – wiederum im Lutherforum – „Pontius Pilatus“ nach Michail Bulgakow, auch hier wieder mit Laiendarstellern, und im März 2018 das Ein-Personenstück „Judas“ mit Dominik Hertrich in der Lamberti-Kirche. Dieser Zyklus aus drei Inszenierungen mit religiösem Hintergrund ist im Film eine besondere Gladbecker Geschichte.

Bahl und Gerigk haben für ihre Dokumentation 15 bis 20 Stunden Material gesichtet, darunter allein etwa 5000 Fotos und vier Stunden Interviews. Da sei es zunächst schwierig gewesen, einen Einstieg zu finden, erinnern sich die beiden: „aber wir haben am Beispiel einer Inszenierung alles einmal durchgespielt und daraus ist eine Collage aus Dokumentation und Interview geworden.“

Und dann wurden Theater und Film miteinander verknüpft

In den letzten Jahren wurden Theater und Film miteinander verknüpft, Inszenierungen live gefilmt oder Szenen nachgespielt, die schließlich mit einer oftmals schnellen, aber auch sehr feinen Schnitttechnik, mit viel Liebe zum Detail und so manch überraschender Wendung in insgesamt fünf Monaten „filmreif“ wurden.

Die rund 50 Zuschauer im Kino spendeten am Ende reichlich Applaus und Jens Dornheim wäre nicht der Theatermann mit Leib und Seele, hätte er nicht noch eine weitere „Inszenierung“ auf Lager: Seine beiden Schauspieler Dominik Hertrich und Alexandra Lowygina überreichten den beiden Filmemachern für ihr Werk einen „Oscar“, den Dirk Gerigk mit den hollywoodträchtigen Worten entgegennahm: „Ich danke meinem Computer, dass er durchgehalten hat.“ Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht bei dieser einmaligen Aufführung des Dokumentarfilms „Dunkelheit und Licht“ bleiben wird.

>> BUCH UND WEITERE AUFFÜHRUNGEN

  • Das Jubiläumsbuch „Dunkelheit und Licht“ kann per email unter info@glassbooth.de zum Preis von 20 Euro bestellt werden.
  • Aufführungen „Der Weibsteufel“: 9. November, 20 Uhr, Theater im Depot, Immermannstraße 29 in Dortmund
  • 17. November, 20 Uhr, Katakomben Theater, Giradetstraße 2 in Essen
  • 24. November, Rottstraße 5 Theater in Bochum
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