Entschärfung

Doppelter Bomben-Fund: 600 Anwohner in Gladbeck evakuiert

Uwe Pawlowski vom Kampfmittelbeseitigungsdienst präsentiert die von ihm entschärfte britische 250-Kilo-Bombe.

Uwe Pawlowski vom Kampfmittelbeseitigungsdienst präsentiert die von ihm entschärfte britische 250-Kilo-Bombe.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Zwei Fliegerbomben wurden in Gladbeck entdeckt. Eine davon mit einem scharfen Zünder. Sie lag knapp unter der Oberfläche des alten Sportplatzes.

Um 12.10 Uhr klingelte am Dienstagnachmittag endlich das Handy von Eckhardt Habicht, Fachbereichsleiter Allgemeine Gefahrenabwehr des Ordnungsamtes. Am anderen Ende war Uwe Pawlowski mit der beruhigenden Nachricht, „alles okay, die Fliegerbombe ist entschärft“. Der Kampfmittelbeseitiger der Bezirksregierung Arnsberg hatte sich um 11.20 Uhr an seinen gefährlichen Job begeben und etwas länger für das Herausdrehen des Aufschlagzünders benötigt, „da er stark deformiert und korrodiert war“. Mit der Entwarnung konnten auch alle Sperrstellen an den Straßen aufgehoben werden, die rund um die evakuierte Sicherheitszone in Absprache von Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt errichtet worden waren: ein 250 Meter Radius rings um den Fundort des Weltkrieg-Blindgängers auf dem ehemaligen Sportplatz am Krusenkamp in Gladbeck Ost.

Drei Verdachtspunkte waren bei der Bodensondierung des Sportplatzes untersucht worden, da sich hier der Stewes-Hagebaumarkt erweitern will. Eine Stelle erwies sich als negativ, an den anderen beiden Punkten bestätigte sich aber die Vermutung. „Wir haben am Montagvormittag eine schon teildetonierte und somit unschädliche amerikanische Fliegerbombe und eine nicht detonierte englische Fliegerbombe mit Aufschlagzünder, beide je fünf Zentner schwer, freigelegt“, berichtete Pawlowski. Der englische 250-Kilo-Sprengkörper, der in nur 1,50 Metern Tiefe unterhalb des Sportplatzoberfläche lag, musste entschärft werden. Aufgrund der benötigten Vorlaufplanung sei dann aber klar gewesen, dass die Entschärfung am selben Tag nicht mehr erfolgen könne und so auf den Dienstag terminiert wurde.

Schule, Kita, Baumarkt und Geschäfte wurden schon am Montag informiert

Hintergrund: Im Evakuierungsgebiet befanden sich auch die Regenbogen-Grundschule, die Kita Krusenkamp, die Aldi- und Lidl-Discountmärkte an der Buerschen Straße, die Kleingartenanlage Allinghof, Unternehmen am Krusenkamp, darunter Glas Nagel, und nicht zuletzt der Hagebaumarkt selbst. „In der Prioritätenliste war es zunächst Ziel, diese Einrichtungen und Betriebe zu informieren, dass die Gebäude am Dienstagvormittag ab 9.30 Uhr geräumt werden müssen“, so Christiane Schmidt vom Presseamt der Stadt. Damit etwa auch Eltern oder Mitarbeiter informiert werden konnten, dass der Schulbetrieb dann nicht mehr aufgenommen werde, oder der Geschäftsbetrieb am Dienstag vorübergehend bis zur Entwarnung nicht stattfinden könne.

Die ebenfalls rund 600 betroffenen Anwohner rings um den Bombenfund – von Krusenkamp über Wagenfeldstraße, Konrad-Adenauer-Allee bis Allinghofstraße – habe man in der Kürze der Zeit nicht mehr vorab am Montag informieren können, so Schmidt weiter. Denn es habe ja noch konkret ausgearbeitet werden müssen, „welche Straßenzüge bis zu welchem Haus genau von der Evakuierung betroffen sind“. Etliche Anwohner wurden so Dienstagmorgen am Frühstückstisch von den Mitarbeitern des Ordnungsamtes überrascht, die ab 9.30 Uhr an jeder Wohnung anklingelten, um über die Entschärfungsmaßnahme auch mit Anschreiben zu informieren und zum Verlassen der Sicherheitszone aufzufordern. Zudem fuhr ein Lautsprecherwagen der Feuerwehr mit entsprechender Durchsage die Anliegerstraßen ab. Als Anlaufstelle zum Aufenthalt wurde das Bürgerhaus Ost geöffnet, betreut durch ehrenamtliche Kräfte des Roten Kreuzes Gladbeck.

Einige Anwohner bereiteten Probleme, die ihre Wohnung nicht verlassen wollten

Da im Vorfeld nicht klar war, wie viele Anwohner bettlägerig oder gehbehindert sind und Unterstützung durch den Transportdienst der Feuerwehr benötigen, zog sich die Evakuierung etwas hin. Probleme bereiteten auch einige Anwohner, die ihre Wohnung nicht räumen wollten. Die Entschärfung, deren Beginn zunächst für 11 Uhr geplant war, startetet so mit 20-minütiger „Verspätung“. Letztlich aber nur eine geringe Abweichung vom Zeitplan, so dass der federführend zuständige Leiter des Ordnungsamtes, Gregor Wirgs, zufrieden Bilanz zog: „Die gesamte Maßnahme konnte zügig und ohne große Probleme durchgeführt werden.“

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