Adventskalender

Die unendliche Geschichte der Gladbecker Geistersiedlung

Eine Zahl für jeden Tag – die 8, Symbol der Unendlichkeit: Für die alte Bergarbeitersiedlung ist noch keine Lösung in Sicht. Eine Betrachtung.

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„Tu, was du willst.“ So steht es auf dem Symbol der uneingeschränkten Herrschaftsgewalt in Phantásien. Kennen Sie nicht? Phantásien, das ist das Land, in dem der junge Bastian in der „Unendlichen Geschichte“ von Michael Ende um die Freiheit der Kindlichen Kaiserin kämpft – und um die Fantasie der Menschen.

Im Buch hat Bastian den Kampf gewonnen. Gehen wir also einmal davon aus, dass auch in Gladbeck der Geist der Kindlichen Kaiserin umgeht. Dass auch in Gladbeck Ideen Wirklichkeit werden, wenn sie nur gut genug ausgedacht sind. Stellen wir uns also vor: Die Siedlung Schlägel und Eisen sei Phantásien, ein Ort, der durch das „Nichts“ bedroht ist.

Schon lange siechen Schlägel und Eisen, die abgezehrten Ruinen, die einst fröhlichen Kinder, hart arbeitenden Eltern, netten und vielleicht etwas knurrigen Nachbarn ein Zuhause waren. Vor vier Jahren sind die letzten Mieter ausgezogen, da hatte der Verfall, das Nichts, längst Besitz von den alten Gemäuern ergriffen. Unendlich lange her scheint es zu sein, dass richtiges Leben in der Siedlung in Zweckel herrschte. Die einzigen, die den Steinen noch Gesellschaft leisten (erinnern Sie sich an den Steinbeißer in Buch und Film), sind die Katzen. Zurückgelassene und ihre Nachkommen führen ein Leben im Elend. Das Nichts, könnte man meinen, ist bei ihnen längst angekommen.

Aber nicht nur für die Katzen scheint das Leben in den Ruinen der „Unendlichen Geschichte“ nahe zu kommen. Auch die Menschen warten zumindest seit einer gefühlten Ewigkeit (in Wahrheit sind es immerhin rund 16 Jahre) auf die rettende Idee. Wobei: Die Idee hätten sie ja schon. Schön soll es werden, Wohnungen sollen wieder her, Familien einziehen, Kinder im Hof spielen. Allein: Der Bastian, der die Idee in die Tat umsetzt, auf den warten alle vergeblich.

Dann und wann wagt sich ein Ritter oder eine Ritterin vor. Doch bislang war das Nichts stärker. Viterra und Annington, die dort zuletzt Wohnungen vermieteten, überließen die Häuser dem Zahn der Zeit.

Der Duisburger Ritter namens Akimo, der doch so erfolgreich an der Phönixstraße gewirkt hatte, gab auf. Auch die Bauunternehmerin Kwates aus Marl, die versprach, die Ruine aus dem „Dornröschenschlaf“ zu erwecken, scheiterte. Ein Insolvenzverwalter aus Essen namens Nils Meissner versucht nun, den größten Schaden abzuwenden für die, die bereits am Projekt Märchenschloss gearbeitet haben. Er sagt, es gebe schon neue Anwärter, in seiner Sprache: „Es werden Gespräche mit vielen Interessenten geführt.“ Allein: Der Preis, der dem Hauptgläubiger, einer Frankfurter Bank, vorschwebt, übersteigt den Marktwert wohl bei weitem.

Das Nichts in Zweckel ist nur mit viel Geld und Ausdauer zu bekämpfen. Und da wird aus dem Motto „Tu, was du willst“ schnell ein „Tu, was du kannst“. Denn wollen, das würden viele. Gesucht wird nun noch immer der Bastian, der mit vollen Taschen und bunten Ideen nach Zweckel kommt, seine mystischen Freunde mitbringt und aufbaut, was sich schon so lange selbst abbaut.

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