Tollwut

Der Kreis warnt auch in Gladbeck vor Tollwut-Gefahr

Wilde Fledermäuse, die entkräftet oder verletzt aufgefunden werden, sollten nie ungeschützt angefasst werden. Durch einen Biss mit ihren nadelspitzen Zähnen könnten sich auch Infektionskrankheiten übertragen.

Wilde Fledermäuse, die entkräftet oder verletzt aufgefunden werden, sollten nie ungeschützt angefasst werden. Durch einen Biss mit ihren nadelspitzen Zähnen könnten sich auch Infektionskrankheiten übertragen.

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Gladbeck.   Eine aufgefundene Fledermaus war mit dem auch für Menschen gefährlichen Tollwut-Virus infiziert. Hunde und Katzen sollten geimpft werden.

Das Veterinäramt des Kreises Recklinghausen warnt aktuell kreisweit vor der Gefahr, sich mit Tollwut anzustecken. Hintergrund ist der Fund einer Fledermaus in Haltern am See. „Bei dem Tier ist der Fledermaus-Tollwut-Virus Typ Eins nachgewiesen worden, der auf Säugetiere, aber auch auf Menschen, übertragbar ist“, so Dr. Markus Nieters auf Anfrage. Der Amtsveterinär warnt so jetzt ausdrücklich davor, „aufgefundene Fledermäuse ungeschützt anzufassen“.

Grund: Fledermäuse haben in ihrem Insektenfressergebiss nadelspitze Zähne, mit denen sie em­pfindlich tief beißen können. Eine Übertragung des Virus auf andere Säugetiere wie Hunde oder Katzen und auch auf Menschen ist dadurch möglich.

Wenn kein Impfschutz besteht, kann eine Tollwuterkrankung tödlich enden. Denn: Eine wirksame Akut-Behandlung nach einer Ansteckung (Postexpositionsprophylaxe) ist nur innerhalb von 24 Stunden nach der Infektion möglich.

Hunde und Katzen impfen

Die Kreis-Veterinäre empfehlen, dass auch Hunde und Freigänger-Katzen zur Sicherheit gegen Tollwut geimpft sein sollten, damit sie sich bei Kontakt mit infizierten Fledermäusen nicht selber infizieren können. Tollwut sei bei den Fledermäusen im gesamten Norden von Deutschland verbreitet.

Sie trete örtlich begrenzt auf, zeitlich aber immer wieder. Denn die Fledermaustollwut auszurotten, sei noch nicht gelungen, so Amtsveterinär Nieters. „Anders als bei der Fuchs- oder Wildtollwut, die in Deutschland seit 2008 als ausgerottet gilt und zu der es auch im Kreis Recklinghausen seit mindestens 25 Jahren keinen Fall mehr gegeben hat“.

Im aktuellen Fall wurde die aufgefundene Fledermaus an den Fledermausschutz in Gladbeck weitergegeben, wo das Tier aufgepäppelt werden sollte. Der Zustand der Breitflügelfledermaus verschlechterte sich in der Pflegestelle allerdings rapide. Sie wurde mit Verdacht auf Fledermaus-Tollwut eingeschläfert. Ein meldepflichtiger Verdacht, der sich am Freitag erhärtet hat. Das Kreis-Veterinäramt hatte das Tier zur weiteren Analyse zum Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münster geschickt, von dort wurde der Verdacht nun bestätigt.

Ein Generalverdacht ist aber falsch

Der Gladbecker Fledermausbeauftragte des Naturschutzbundes NABU, Michael Korn, sagt, dass jetzt aber ein Generalverdacht gegenüber den geschützten Fledermäusen falsch sei. „Allein in der Gladbecker Pflegestelle wurden bereits rund 150 entkräftete oder erkrankte Tiere aufgepäppelt, und das war jetzt der erste Tollwutfall.“

Zur eigenen Sicherheit sollten hilfebedürftig aufgefundene Fledermäuse gleichwohl „nur mit dicken Lederhandschuhen oder mit einer Decke oder einem Handtuch, das nicht durchbissen werden kann, aufgehoben werden“, empfiehlt Michael Korn.

Auch Amtsveterinär Markus Nieters unterstreicht, dass „grundsätzlich von Fledermäusen keine erhöhte Gefahr ausgeht“. Wenn eine Fledermaus flugunfähig auf dem Boden liege, bedeute das nicht automatisch Tollwut, „denn für eine Verletzung oder Erkrankung kann es vielfältige Gründe geben“. Es sei aber davon auszugehen, dass das Tier Hilfe brauche und dazu sei die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz im Kreis Recklinghausen ein kompetenter Ansprechpartner.

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