Hilfen zur Erziehung

Das Heim kann besser als eine Familie sein

Ruth Willim und Mathias Haase leiten die Gruppen Mika und Sol in dem Kinderheim an der Bottroper Straße.. Foto: Dirk Bauer / WAZ FotoPool

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Gladbeck. Die exorbitanten Steigerungen bei den Kosten für Hilfen zur Erziehung beschäftigen Verwaltung und Politik seit Monaten und waren jetzt auch wieder Thema im Haupt- und Finanzausschuss.

Wie berichtet, „kostete“ die fachliche Unterstützung von Familien durch das Jugendamt, die ambulante Betreuung von Kindern und Jugendlichen und vor allem die Unterbringung von Kindern im Heim im vergangenen Jahr insgesamt 13 Mio Euro. Wesentlich mehr, als im Haushaltsansatz mit 8,9 Mio Euro dafür vorgesehen worden war. Der Grund dafür sind stetig steigende Fallzahlen und die traurige Tatsache, dass es einen Zusammenhang zwischen prekärer Familiensituation und Armut gibt. Gladbeck ist mit der Problematik nicht allein, bundesweit wird dieser Trend festgestellt.

Ausgelöst wurde die Debatte im Finanzausschuss durch eine unrealistische Forderung der BiG (Bürger in Gladbeck), im neuen Haushalt bei den Hilfen zur Erziehung vier Mio Euro einzusparen und statt der Heimunterbringung darauf zu setzen, „dass Kinder am besten bei ihrer Mutter aufgehoben sind“, so die Argumentation von Dieter Plantenberg. „Eine Mittelkürzung in diesem Bereich ist völlig illusorisch, hilft keinem Kind und keiner Familie“, wies der 1. Beigeordnete Rainer Weichelt Einsparungen für diese verpflichtende und im Sinne der betroffenen Kindern immens wichtige Aufgabe der Stadt entschieden zurück. Im übrigen seien auch in den ersten zwei Monaten diesen Jahres die Fallzahlen erneut gestiegen. „Fallzahlen“ heißt: Diese Kinder sind in ihren Familien akut gefährdet. „Das Jugendamt entscheidet nicht nach Lust und Laune, ob ein Kind ins Heim kommt“, betonte Weichelt.

Unterstützt wurde er in seiner Argumentation von CDU-Ratsfrau Barbara Ringkowski, die darauf hinweis, dass eine zunehmende Zahl von Müttern und Väter psychische Probleme habe, Alkohol- oder drogenabhängig seien. „Ein Kind in eine Einrichtung zu geben, kann da gut sein.“

Die Stadtverwaltung sieht nur zwei Wege zur Kostenreduzierung in diesem Bereich: „Wir setzen auf langfristigen Ausbau der Prävention. Dabei hilft, dass wir aktuell in die Präventionskette des Landes aufgenommen wurden“, so Rainer Weichelt. Ebenso wird die Stadt in einem Rückführungsprojekt (aus dem Heim) des LWL mitmachen.

Die gestiegenen Kosten waren dennoch Gegenstand einer Überprüfung durch das Rechnungsprüfungsamt. Am Dienstag wird darüber im Ausschuss berichtet.

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