Interview

Das erlebt Siegfried Schmitz jedes Jahr als Nikolaus

Ins traditionelle Kostüm schlüpft Siegfried Schmitz auch in diesem Jahr und besucht Kindergartenkinder.Foto:Thomas Schmidtke

Ins traditionelle Kostüm schlüpft Siegfried Schmitz auch in diesem Jahr und besucht Kindergartenkinder.Foto:Thomas Schmidtke

Gladbeck.   Siegfried Schmitz schlüpft ins Heiligen-Kostüm und besucht Jungen und Mädchen im Kindergarten Frochtwinkel. Knecht Ruprecht lässt er zuhause.

Viele Kinder werden heute Äpfel, Clementinen und Süßigkeiten in ihren frisch geputzten Stiefeln finden. Denn der Tag steht ganz im Zeichen des heiligen Bischofs Nikolaus. Die WAZ sprach mit Siegfried Schmitz (56), der jedes Jahr in dessen Rolle schlüpft und Kindergartenkinder am Frochtwinkel besucht.

Ich mache das schon seit zehn Jahren. Früher war ich als Nikolaus auch in Altenheimen unterwegs. Hier im Kindergarten mache ich das, weil ich die Leiterin noch von meiner Erzieherausbildung kenne. Hier wurde ein Nikolaus gesucht, und ich habe gesagt: Na gut, dann probiere ich das mal aus. Jetzt steht der Termin jedes Jahr fest in meinem Kalender.

Haben Sie traditionell Nüsse und Äpfel in Ihrem Sack?

Ich habe einen Sack dabei, aber der ist mit Zeitungspapier gefüllt. Die Kinder reißen sich dennoch jedes Mal darum, mir den Sack abzunehmen. Die Mädchen und Jungen bekommen einen Stutenkerl geschenkt.

Wie feiern Sie den Tag?

Ich komme an zwei Tagen her und besuche die beiden Gruppen im Kindergarten. Zu dem Nikolausnachmittag sind auch die Großeltern und Eltern eingeladen. Wenn ich klingel, sind die Kinder ganz aufgeregt und zeigen mir dann die Wunderhöhle. Dort sitze ich in einem roten großen Sessel. Die Erzieherinnen haben mir in ein Buch positive Dinge zu den Kindern geschrieben, die ich ihnen vorlese. Ich komme bewusst nicht als Strafender. Der Nikolaus war nämlich ein lieber und nicht ein böser Mann. Die Kinder haben eh schon viel zu viele Erlebnisse, in denen sie Angst und Schrecken mitbekommen.

Haben die Kinder denn Angst vor dem Nikolaus?

Es gibt einige Kinder, die sofort in die hinterste Ecke des Raumes rennen, wenn ich komme und anfangen zu weinen. Andere sind ganz forsch, erzählen mir zum Beispiel dass sie zuhause auch die Stiefel geputzt haben. Manche sagen mir ein kleines Gedicht auf. Ich merke aber auch, dass einige Erwachsene Respekt vor dem Nikolaus haben.

Bringen Sie auch Knecht Ruprecht mit?

Nein, der ist nicht dabei. Wenn ich den mitbringen würde, würde das bei manchen Kindern für eine Bestätigung sorgen: Knecht Ruprecht ist derjenige, der kommt und mit der Rute schlägt.

Was machen Sie, wenn Sie nicht im Nikolaus-Kostüm stecken?

Ich bin Geschäftsführer der Gemeinnützigen Jugend- und Behindertenhilfe. Ich bin gelernter Heimerzieher und arbeite auch noch im Gruppendienst mit.

Was bedeutet es für Sie, den Nikolaus zu spielen?

Ich finde es sehr schön, die christliche Kultur weiterzuleben. Mir war wichtig, dass ich nicht als kommerzieller Weihnachtsmann verkleidet bin, sondern das traditionelle Gewand trage. Es fehlt häufig das Bewusstsein, dass Nikolaus ein Heiliger war. Das Schönste ist für mich, in die strahlenden Augen der Kinder zu schauen.

>>>Kinder erzählen dem Nikolaus auch von ihren Sorgen

Es gebe viele Kinder, die zuhause Stress mitbekommen und dem Nikolaus davon berichten.

Nicht nur, dass sich Eltern streiten, sondern auch, dass sie geschlagen werden.

„Wenn so etwas ist, wünsche ich mir, dass ich Handeln könnte“, sagt Schmitz. Er erzählt dann den Erziehern von den Berichten der Kinder, die wiederum gucken, wie denjenigen geholfen werden könne.

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