Handyverbot

Darum verhängen Gladbecker Kitas kein Handyverbot für Eltern

Ein Essener Träger hat für seine zehn Kitas ein Handyverbot für die Eltern verhängt. In Gladbeck setzen die Erzieher hingegen auf Aufklärung.

Ein Essener Träger hat für seine zehn Kitas ein Handyverbot für die Eltern verhängt. In Gladbeck setzen die Erzieher hingegen auf Aufklärung.

Foto: André Hirtz / André Hirtz / Funke Foto Services

Gladbeck.   Anders als in Essen lehnen Gladbecker Einrichtungen ein Handyverbot für Eltern ab. Die Erzieherinnen setzen stattdessen auf Aufklärung.

Mit dem Handy am Ohr kommen Mama und Papa in die Kita, um ihren Sohn oder die Tochter dort abzusetzen. Die Eltern sind mit dem Telefonat beschäftigt, schenken ihrem Kind kaum Aufmerksamkeit. Eine Szene, die immer wieder passiert. Während einige Kindertagesstätten in Essen auf dieses Problem reagiert haben und für Eltern ein Handyverbot verhängt haben, setzen Gladbecker Einrichtungen auf Sensibilisierung von Müttern und Vätern. Ein Verbot lehnen sie ab.

So wird auch in den städtischen Kindertagesstätten auf ein generelles Handyverbot für Eltern verzichtet. „Es ist nur selten der Fall, dass Eltern mit dem Handy in der Hand in unsere Einrichtung kommen, wenn sie ihre Kinder bringen“, berichtet Felicia Kollmann, Leiterin des städtischen Naturkindergartens Frochtwinkel. Dann telefonieren diese meist jedoch nicht, sondern nutzen das Smartphone dann eher als digitalen Terminkalender, etwa um Besuche mit Kindergartenfreunden abzustimmen.

Müttern und Vätern zu verbieten, ihr Smartphone zu nutzen, hält Kollmann nicht für zielführend. „Es ist besser, mit Aufklärung zu arbeiten.“ Das tun die Mitarbeiter im Naturkindergarten auch in anderen Fällen. „Kommt ein Kind mit fünf Jahren noch mit Windel in den Kindergarten, sprechen wir das an, um gemeinsam mit den Eltern eine gute Lösung zu finden“, nennt Kollmann ein Beispiel.

Kinder haben hohen Gesprächsbedarf, wenn sie abgeholt werden

Auch wenn Kollmann nicht über ein Verbot nachdenkt, problematisch sieht die Kita-Leiterin dennoch, wenn Eltern mehr mit dem Handy als mit ihrem Kind beschäftigt sind. „Kinder haben hohen Gesprächsbedarf, wenn sie abgeholt werden. Wenn Eltern ihnen dann signalisieren, dass sie keine Zeit haben, verlieren sie irgendwann die Lust, ihnen etwas mitzuteilen.“

Generell stellt Kollmann fest, dass Eltern im Umgang mit Neuen Medien verunsichert sind, etwa wenn es darum geht, wann und wie oft ihre Kinder selbst Handy oder Tablet nutzen dürfen. So weit, dass Jungen und Mädchen ein eigenes Smartphone mit in die Kita bringen, sei es jedoch noch nicht.

Auch in der Kita „Arche“, die der Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) betreibt, ist ein Handyverbot derzeit nicht im Gespräch. Bei besonderen Anlässen wie Weihnachtsfeiern, bitten die Erzieher aber doch darum, keine Filme oder Fotos zu machen. „Um die besinnliche Atmosphäre nicht zu stören“, sagt Ute Benning, Leiterin der Kindertagesstätte an der Steinstraße in Butendorf. Im Alltag sei die Situation aber nicht so, dass ein generelles Handyverbot ausgesprochen werden müsse.

Auch der Kita-Zweckverband im Bistum Essen verzichtet auf ein solches. „Verbote werden oft eher negativ gesehen“, sagt Sprecherin Verena Böck. Eltern, die beim Abholen oder Bringen ihrer Kinder mit ihrem Smartphone beschäftigt sind, wollen die Erzieher lieber gezielt ansprechen.

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