Notaufnahme

Coronavirus: Vermehrt Patienten in Notaufnahme in Gladbeck

Bei der Aufnahme werden die Patienten gleich den entsprechenden Fachrichtungen zugeordnet. Schwester Ines und Schwester Nurcan werfen einen Blick auf die Anmeldebögen der Patienten.

Bei der Aufnahme werden die Patienten gleich den entsprechenden Fachrichtungen zugeordnet. Schwester Ines und Schwester Nurcan werfen einen Blick auf die Anmeldebögen der Patienten.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Seit drei Wochen arbeitet das St.-Barbara-Hospital in Gladbeck mit einer Zentralen Notaufnahme. Dort kommen jedoch längst nicht nur Notfälle an.

Dass im Moment vermehrt Menschen die neue Zentrale Notaufnahme am St.-Barbara-Hospital aufsuchen, die besorgt sind, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, das verwundert die Mitarbeiter nicht. Krankenpflegerin Annette Keuper erinnert sich gleich an die Hochzeiten der TV-Serie „Schwarzwaldklinik“.

„Wenn dort ein Problem mit dem Blinddarm thematisiert wurde, kamen am nächsten Tag sehr viele Menschen in die Notaufnahme, die über Schmerzen im rechten Unterbauch klagten“, erzählt sie. In diesen Tagen sind viele beunruhigt, sich mit dem Coronavirus infiziert haben zu können. „Im Moment kommen täglich bis zu zehn Patienten mit dieser Sorge, es sind schon einige in Panik“, sagt Andrijana Schwane, Bereichsleitung Pflege. Viele verwechselten das Virus jedoch mit einer Grippe.

Die Zentrale Notaufnahme gibt es nun seit rund drei Wochen am St.-Barbara-Hospital

Seit drei Wochen arbeitet das St.-Barbara-Hospital mit einer Zentralen Notaufnahme, zuvor gab es eine chirurgische und eine internistische Notfallaufnahme, die auf verschiedenen Etagen des Krankenhauses untergebracht waren. Rund 80 bis 100 Patienten suchen täglich die Notaufnahme auf. Dabei komme es sehr oft vor, dass Menschen erscheinen, obwohl gar kein Notfall vorliege. Aber: „Jeder wird von einem Arzt gesehen, niemand wird weggeschickt. Natürlich kann es aber sein, dass derjenige Patient dann längere Wartezeiten in Kauf nehmen muss“, sagt Krankenpflegerin Emine Duman. Für die Arbeit der Ärzte und Pflegerinnen können diese Fälle zur Herausforderung werden, schließlich fehlt so Zeit für wahre Notfälle. „Man muss immer ruhig und freundlich bleiben. Natürlich fällt das manchmal schwer“, sagt Duman.

Über die Jahre habe sich der Anspruch der Patienten geändert. „Sie fordern viel, am liebsten hätten sie, wenn ein Arzt jeder Fachrichtung einmal checken würde, was sie haben.“

Die Patienten werden der Dringlichkeit entsprechend eingestuft

Je nach Dringlichkeit werden die Patienten künftig nach einem speziellen System in fünf Kategorien eingestuft. „Im März stehen jetzt die Schulungen dazu an“, sagt Sabine Perna, Leitende Pflegedirektorin im St.-Barbara-Hospital. Rot ist Alarmstufe, der Patient mit dieser Zuordnung wird sofort untersucht. Der schwächsten Abstufung ist die Farbe blau zugeordnet. „Dabei ist dem Patienten eine Wartezeit von bis zu zwei Stunden zuzumuten“, sagt Perna.

In einem ersten Gespräch mit einer Krankenschwester wird die Zuordnung vorgenommen, eine Akte mit dem Aufnahmebogen des Patienten wandert danach in eine Wandhalterung, für jede Fachrichtung gibt es ein eigenes Regal. So findet der hinzugerufene Arzt jeder Abteilung schnell den ihm zugewiesenen Patienten. Auf jeder Station wird pro Schicht ein Mediziner festgelegt, der für Notfälle zuständig ist und dann für Einsätze von den Mitarbeitern der Notaufnahme hinzugerufen wird.

Die Arbeit in der ZNA ist herausfordernd. „Besonders dann, wenn es wirklich ums Überleben geht. Wenn man weiß, dass jede Minute für den Menschen zählt, für den man gerade die Verantwortung trägt“, sagt Andrijana Schwane. Das ist oft der Fall, wenn der Schockraum-Alarm losgeht. Dorthin werden all diejenigen eingeliefert, die Erkrankungen haben, die das Leben akut bedrohen. Zum Beispiel Patienten, die reanimiert werden müssen. „Da steigt auch bei uns der Blutdruck“, sagt Schwane.

Emine Duman hat sich ganz bewusst für diese Arbeit entschieden

Die meisten, die in der Notaufnahme arbeiten, haben eine spezielle Fortbildung gemacht. Auch Emine Duman. Sie hat sich ganz bewusst für diese Arbeit entschieden. „Es ist interessant, jeden Tag neue Fälle, neue Geschichten zu erleben.“ Oft gebe es aber auch Vorfälle, die sie grübeln lassen. „Vor allem dann, wenn jüngere Menschen versterben.“

Im Wartezimmer sitzen indes einige Patienten, warten, dass sie an die Reihe kommen. In der Regel bleiben sie zwei bis drei Stunden in der Notaufnahme. „Laborwerte etc. müssen abgewartet werden, dann entscheidet sich, ob ein Patient entlassen werden kann oder stationär verbleibt“, sagt Andrijana Schwane. So wie ein Mann, der gerade im Beobachtungszimmer darauf wartet, auf eine Station verlegt zu werden. Da kommen auch schon eine Pflegerin und ein Pfleger mit einem Bett angefahren, mit dem der Patient auf die Station transportiert wird. Am Rande des Zimmers zieht sich währenddessen ein Arzt einen Schutzkittel an, legt Mundschutz an, streift Handschuhe über. Für Menschen mit einer infektiösen Erkrankung gibt es ein spezielles Behandlungszimmer, das nur verhüllt betreten werden darf. Der Betrieb in der Notaufnahme steht niemals still.

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