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Coronavirus bremst Gladbeckerin bei ihrer Weltreise aus

Wiebke Neumann (33) aus Gladbeck hat ihren Job gekündigt, um sich den Traum einer Weltreise zu erfüllen. Gestartet ist sie in Indien, wo sie auch das Taj Mahal besuchte.

Wiebke Neumann (33) aus Gladbeck hat ihren Job gekündigt, um sich den Traum einer Weltreise zu erfüllen. Gestartet ist sie in Indien, wo sie auch das Taj Mahal besuchte.

Foto: NN / Neumann

Gladbeck  Wiebke Neumann hat sich ihren Traum von einer Weltreise verwirklicht. In Thailand hat der Coronavirus ihre Pläne derzeit ausgebremst.

Wiebke Neumann hat sich mutig auf den Weg gemacht, um sich ihren Traum von einer Weltreise zu erfüllen. Die Gladbeckerin hat das Ziel, ihren Horizont zu erweitern und sich nach einigen persönlichen Schicksalsschlägen selbst wieder mehr zu finden. Dabei wurde die Fernreisende jetzt aber in Südostasien quasi vom Coronavirus eingeholt, der ihre Reisepläne massiv ausbremst.

"Zurzeit sitze ich in Thailand fest", berichtet die heute 33-Jährige Gewinnerin des ersten Gladbecker Shopping-Queen-Wettbewerbs (2015) im Gespräch mit der WAZ. Ein Einreisevisum nach Kambodscha habe sie als Deutsche nicht erhalten. Denn es werde dort leider nur auf die Nationalität geachtet, "und nicht unterschieden, dass ich Deutschland ja schon Mitte Januar vor der Infektionswelle verlassen habe". In Thailand wurde jetzt angesichts zunehmender Erkranktenzahlen der Ausnahmezustand ausgerufen. Sie habe jetzt zwischen der Überlegung geschwankt, "die Lage vor Ort abzuwarten", oder die Möglichkeiten zur Heimreise nach Deutschland weiter auszuloten. Sie sei da als Individualreisende aber ziemlich auf sich allein gestellt, so Wiebke Neumann, das habe ihr die Deutsche Botschaft bei einer Anfrage zu verstehen gegeben.

Ganz bewusst die Reise in Indien gestartet

Zuvor sei ihre Reise sehr entspannt verlaufen und wie geplant in Indien gestartet. Als Ausgangspunkt bewusst gewählt, da sie als reisefreudige Touristin ja schon viel in Europa unterwegs gewesen sei und sie so mit einem deutlichen Schnitt "in einem ganz fremden Kulturkreis" das Abenteuer beginnen wollte. Konsequent ist die Gladbeckerin zuvor aus ihrem bisherigen Leben ausgestiegen. Bislang erfolgreich als stellvertretende Abteilungsleiterin beruflich unterwegs, kündigte die Industriekauffrau und Ökonomin nach 13,5 Jahren ihren Job. Ihr Chef habe leider keine Möglichkeit gesehen, sie einige Monate frei zu stellen. Sie habe diese Zeit aber für sich haben und jetzt nutzen wollen.

Dies sei für sie immer wichtiger geworden, nachdem sie zunächst beide Eltern verloren und dann noch im Vorjahr ihre Onkel beerdigen musste, "um den ich mich zuvor auch intensiv gekümmert habe". Sie habe sich damit als junger Mensch intensiv mit Sachen auseinander setzen müssen, "die die meisten Anderen erst in einer späteren Lebensphase beschäftigt". Das habe ihr aber auch gezeigt, "wie schnell das Leben vorbei sein kann und dass man die Zeit nutzen sollte, die man hat". Um quasi weitere Tatsachen für eine längere Abwesenheit zu schaffen, hat Wiebke Neumann ihre Wohnung im Gladbecker Süden vermietet, ihre Möbel an die Mieterin verkauft und sich bei der Stadt abgemeldet.

Finanziell für eine auch lange Reisedauer abgesichert

Finanziell brauche sie sich keine Sorgen um ihre Reisekasse zu machen. Sie versuche aber bescheiden und achtsam in den Ländern, die sie bereist, zu leben. Zunächst habe sie zum Start ihrer Weltreise ihre Seele bewusst einige Tage in einer Hängematte am Strand von Goa baumeln lassen, um auf dem indischen Subkontinent anzukommen. Mitgebracht hatte sie quasi im Reisegepäck auch besorgte Aussagen von Freunden und jüngeren Geschwistern, dass es für eine allein reisende hellhäutige Europäerin doch in Indien, angesichts bekannter sexueller Übergriffe auf Frauen, gefährlich sein könnte.

Sie werde diesbezüglich sicherlich nicht naiv sein und auf ihr Bauchgefühl hören, wolle sich aber ihr "grundsätzliches Vertrauen in die Menschen" bewahren. Und bislang habe sie dazu nur positive Erlebnisse gehabt. Wie der Rikscha-Fahrer, der besorgt darauf achtete, dass er sie in einer für Frauen sicheren Unterkunft unterbrachte. Oder der Hotelier, der sie - offensichtlich von ihrer offenen Art begeistert - zum gemeinsamen Essen mit seiner Frau nach Hause einlud. Oder der Strandbudenbesitzer, der sie dabei beobachtete, wie sie spontan bei Hitze den Sand von Abfall reinigte - und daraufhin eine eiskalte Cola spendierte. "Zudem trifft man immer wieder auf andere Individualreisende, mit denen man auch ein Stück des Weges zusammen reisen kann, wenn man möchte."

Auch mit Geschwistern und Freunden in Deutschland telefonisch beraten

Auch in Chatgruppen via WhatsApp-Messenger tauschten sich Langzeittouristen über die aktuelle Coronalage in Südostasien jetzt intensiv aus. Via Smartphone habe sie sich "auch mit Familie und Freunden in Deutschland beraten", so Wiebke Neumann. Da der vorerst letzte Flieger zum Monatsende zum 10.000 Kilometer entfernten Deutschland starten solle und es fraglich sei, "noch eine Platz zu erhalten", habe sie sich entschieden, vorerst in Thailand zu bleiben.

An einem besonders schönen Ort: Mit dem Boot ist die Abenteurerin zur Insel Ko Samui übergesetzt, um dort "eine große Unterkunft direkt am Strand anzumieten". Auf dem zweitgrößten thailändischen Eiland sei bislang kein Corona-Fall bekannt. Hier wolle sie jetzt "erst mal die weitere Lage und die Entscheidungen der thailändischen Regierung abwarten". Angesichts von 35 Grad im Schatten, azurblauem Meer und schattenspendenden Kokospalmen gibt es sicherlich schlechtere Orte, um in freiwillige Corona-Quarantäne zu gehen.

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