Coronavirus

Corona: Gottesdienste in Gladbeck werden sich stark wandeln

Wann werden sich in Gladbeck – nach der Zwangspause wegen des Coronavirus’ – wieder Gläubige in der St.-Lamberti-Kirche und anderen Gotteshäusern versammeln dürfen? Die Verantwortlichen arbeiten an Lösungen, um alle Sicherheitsauflagen zu erfüllen.

Wann werden sich in Gladbeck – nach der Zwangspause wegen des Coronavirus’ – wieder Gläubige in der St.-Lamberti-Kirche und anderen Gotteshäusern versammeln dürfen? Die Verantwortlichen arbeiten an Lösungen, um alle Sicherheitsauflagen zu erfüllen.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  In Gladbeck arbeiten Gemeinden an Auflagen für öffentliche Gottesdienste. Ein Infektionsrisiko mit dem Coronavirus soll minimiert werden.

Eines ist für alle Beteiligten so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Gottesdienste nach der Zwangspause aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus’ werden nicht das sein, was die Gläubigen aus früheren Zeiten gewohnt sind. Um Schutzvorkehrungen festzulegen und zu realisieren, brauchen die Gemeinden einen längeren Vorlauf. Die Folge: Vorerst können Gläubige keine Gottesdienste in den Gladbecker Gebetshäusern besuchen.

Gladbeck: Mit Zollstöcken hantieren die Verantwortlichen, um in den Kirchen Sicherheitsabstände auszumessen

Vieles sei noch in der Schwebe, betonen Frank Grosser von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde und Antonia Gemein als Pressesprecherin der Propsteipfarrei St. Lamberti. Mit der gebotenen Vorsicht prophezeit, Mitte Mai könnten die ersten Gottesdienste in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten Wirklichkeit werden. Unter strengen Auflagen, versteht sich.https://www.waz.de/staedte/gladbeck/corona-die-gladbecker-halten-sich-an-die-maskenpflicht-id229013787.html

Und das ist die Crux: die Umsetzung der Vorschriften, Leitfäden und was sonst noch in diesen Tagen auf den Tisch kommt. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck: „In Nordrhein-Westfalen haben wir uns auf einige Maßnahmen verständigt, die wir unseren Pfarreien und Gemeinden sowie den Verantwortlichen (...) als Orientierungsrahmen vorgeben.“ Nicht alles sei zentral geregelt. Weil sich die Ausgangssituationen unterscheiden, seien die Menschen vor Ort gefragt. Wie etwa ehrenamtlich Engagierte. „Helfer sind eine Option, um zum Beispiel den Eingang zu kontrollieren“, meint Gemein. Nicht alle katholischen Gotteshäuser werden für Messen öffnen, St. Lamberti dürfte jedoch als gesetzt gelten. Weitere Kirchen sind laut Gemein noch ungewiss.

Der Zugang zu den Gottesdiensten ist begrenzt?! Klar, sonst lassen sich mitunter die Abstände der Menschen zu einander nicht einhalten. Und in der Praxis? Da müssen Geistliche, Gemeindemitglieder, Ehrenamtliche zum Zollstock greifen und 1,50-Meter-Räume ausmessen, Stühle rücken. Und selbst das ist schneller ausgesprochen als getan. Schließlich gibt es ja in vielen Gotteshäusern noch massive Bänke. Und die lassen sich nicht einfach, so mir-nichts-dir-nichts, von der Stelle schieben.

Grosser: „Wir sind dabei, die Gegebenheiten in der Petruskirche und in St. Stephani auszutüfteln. Es gibt den Vorschlag, die zu belegenden Sitzplätze auszuschildern – wie bei einer Reservierung.“ Sicher, es könne passieren, dass mehr Besucher kommen, als Kapazitäten bestehen. Aber: „Vielleicht bieten wir dann zwei Gottesdienste nach einander an.“ Mal gucken, wie der Zuspruch ist. Gemein kann sich vorstellen, „dass wir die Seitenschiffe und gewisse Bänke sperren“. Abgeklebte Zonen, möglichst getrennte Ein- und Ausgänge, ein Ordnungsdienst, Desinfektionsmittel – es soll alles getan werden, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

Nur: „Wenn Menschen als Kernfamilie kommen, können wir das nicht kontrollieren“, sagt Gemein. Da müssen die Gemeinden, weiß Gott, auf die Eigenverantwortung der Besucher setzen. Ohnehin legt Bischof Overbeck den Gläubigen ans Herz: Wer zu einer Risikogruppe gehört, sich krank fühlt oder Corona-verdächtige Symptome hat, möchte doch bitte daheim bleiben.

Gemein: „Wir schaffen Plexiglasscheiben an.“ Ein Spuckschutz könnte am Altar aufgebaut werden. Die Pressesprecherin zu einem möglichen Prozedere bei der Heiligen Kommunion: „Unter der Scheibe reicht der Geistliche, der sich immer wieder die Hände desinfiziert, den Besuchern die Hostie in einzelnen Schälchen. Diese kommen nach dem Gottesdienst in die Spülmaschine.“ Desinfektionsmittel und Mundschutz für alle – Grosser: „Notfalls haben wir welche in petto, falls jemand seinen Schutz vergessen hat“ – sind A und O.

Der Pfarrer kündigt an: „Wir feiern Predigtgottesdienste ohne Abendmahl.“ Und ohne Gesang. Der Vorsitzende des Presbyteriums verspricht: „Es wird nicht alles still sein.“ Die musikalische Begleitung sei nicht gestrichen. So wird es wahrscheinlich auch in katholischen Gotteshäusern praktiziert.

Einig sind sich Antonia Gemein und Frank Grosser, dass vieles erst ausprobiert werden müsse, um eventuell nachzubessern. Der Pfarrer ist fest davon überzeugt, dass die Menschen Gnade mit den Organisatoren walten lassen, sollte es an irgendeiner Stelle ruckeln: „Die Leute wissen, dass wir in einer Ausnahmesituation sind. Sie werden bestimmt Nachsicht üben.“ Aber, so kommt es ausgerechnet aus dem Munde eines Protestanten: „Wir wollen nicht päpstlicher als der Papst sein und jetzt schon alle Eventualitäten abdecken. Wir müssen Erfahrungen sammeln.“

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