Coronavirus

Corona: Gladbecker Chöre dürfen wieder proben, zögern aber

Juri Dadiani (vorn) ist Leiter des MGV Gladbeck-Scholven. Die strikten Auflagen in Corona-Zeiten seien nicht einzuhalten, stellt der Chor fest.

Juri Dadiani (vorn) ist Leiter des MGV Gladbeck-Scholven. Die strikten Auflagen in Corona-Zeiten seien nicht einzuhalten, stellt der Chor fest.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Die strengen Auflagen sehen Chöre in Gladbeck als unerfüllbar an. Zudem befürchten viele Mitglieder eine Ansteckung mit dem Coronavirus.

Die strengen Auflagen sind kaum zu erfüllen, und viele Sängerinnen und Sänger gehören zur Risikogruppe. Die möchten so gern wieder gemeinsam singen, dürften sich auch seit einigen Tagen wieder zu ihren Proben treffen, aber die Auflagen sind so streng, dass die meisten Chöre darauf vorerst verzichten – wenn auch schweren Herzens.

Bei Chorproben in geschlossenen Räumen gilt laut Verordnung: Die Sängerinnen und Sänger müssen drei Meter auseinander stehen, in Ausstoßrichtung des Atems einen Abstand von sechs Metern einhalten, und jeder Person müssen zehn Quadratmeter zur Verfügung stehen. Der Deutsche Chorverband empfiehlt zudem unter anderem, die Hände zu desinfizieren, eigene Noten mitzubringen, keine Hände zu schütteln, die Personalien der Teilnehmer festzuhalten und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.„Damit kann man nicht singen“, sagt Bernd Weber, der Vorsitzende des Männergesangvereins Gladbeck-Scholven. „Und auch die strikten Auflagen können wir nicht einhalten.“

Viele haben nicht die Möglichkeit für digitale Proben

Der MGV probt im kleinen Vereinsheim der Kleingartenanlage Offermannshof. Nur maximal elf Leute dürfen sich aktuell dort aufhalten. Der angeschlossene große Wintergarten wäre eine Alternative. Weber: „Bei geöffneten Scheiben würden wir quasi überdacht im Freien singen.“ Das aber würde der Vorstand des Kleingartenvereins nur gestatten, wenn jeder Sänger ein Gesundheitszeugnis des Gesundheitsamtes vorlegen könnte. Chorleiter Yuri Dadiani und seine Sänger haben auch schon über andere Möglichkeiten nachgedacht. Eine Kirche als Probenraum? „Zu groß“, sagt Weber. „Bei den vorgeschriebenen Abständen ist der Hall zu stark.“ Digitale Proben? „Die meisten unserer Mitglieder haben diese Möglichkeit nicht. Wir haben es einmal mit vier oder fünf Sängern probiert, aber toll ist das auch nicht. Die Gemeinschaft fehlt.“ Und dann sind da auch noch eigene Bedenken. Weber: „Die meisten von uns gehören wegen ihres Alters zur Risikogruppe. Da muss man schon genau überlegen, ob man Proben verantworten kann.“

Das ist auch eine Frage, die „Alegria cantar“, den Chor der Volkshochschule (VHS), beschäftigt. Die 24 Frauen und Männer proben unter der Leitung des Chilenen Cristián Carrasco im großen Saal des Fritz-Lange-Hauses. Platz genug gibt es dort, um die vorgeschriebenen Abstände einzuhalten, aber: „Bis auf zwei Ausnahmen sind alle über 60 Jahre alt und entsprechend ängstlich oder vorsichtig“, sagt Sprecher Ludger Grundmann.

Die VHS hat einen Kurs für vorzeitig beendet erklärt

Aktuell erübrigen sich Überlegungen zu Proben mit Hygienekonzepten und Abstandsregeln ohnehin. Die VHS hat den Kurs, der eigentlich bis zu den Semesterferien gelaufen wäre, vorzeitig für beendet erklärt. Jetzt hoffen natürlich alle auf den Neustart im Wintersemester. Grundmann: „Hoffentlich hat sich die Situation bis dahin so entwickelt, dass wir wieder loslegen können.“

Mitten in den Vorbereitungen auf das gemeinsame Konzert „Musicals und Filmmusik“ war auch für Mario Tobies, seinen Gospelchor „Morning Star“ und den Jugendchor „You Niques“ im März Schluss mit den Proben. Für das anspruchsvolle Programm hatten er und seine Co-Chorleiterin Liza Psotta glücklicherweise schon Ende vergangenen Jahres alle Lieder in den jeweiligen Stimmen eingesungen. Mit diesen Aufnahmen üben die Sängerinnen und Sänger jetzt zu Hause weiter. Schließlich soll das abgesagt Konzert im September 2021 nachgeholt werden.

Erste Ergebnisse sind im Internet zu hören

Was bei den Proben daheim herauskommt, ist im Internet zu hören. Mario Tobies: „Jeder, der mitmachen wollte, hat mir ein Video von demselben Song geschickt, und ich habe sie zusammengeschnitten zu einem virtuellen Chor. Bisher haben wir von „Morning Star“ ein Patchwork-Video gemacht, zwei vom Jugendchor.“ Gemeinsame Proben im geschlossenen Raum kommen für Tobies derzeit nicht infrage: „Die Abstandsegeln kann kaum ein normaler Laienchor einhalten.“ Deshalb überlegt er, bei gutem Wetter Stühle im gebührenden Abstand in den Garten des Gemeindehauses St. Stephani zu stellen, „um zumindest vor den Sommerferien jede Stimmgruppe noch einmal zu sehen.“ Mit dem kleineren Jugendchor will er ab Juni wahrscheinlich in seinem Garten proben.

Andreas Fuhrmanski leitet bei der evangelischen Kirche die Chöre VielHamonie und !Sing mit je etwa 25 Sängerinnen und Sängern. Auch sie treffen sich derzeit nicht. „Der letzte Stand war, dass die Landeskirche bis Ende Juni von gemeinsamen Proben abrät, unter anderem wegen der Altersstruktur in den Chören“, sagt Fuhrmanski. Wegen des Umbaus in der Christuskirche und des fehlenden Gemeindezentrums haben die beiden Chöre zuletzt in der Friedenskirche der Freikirchlichen Gemeinde an der Oberen Schillerstraße geprobt. Die Abstandsregeln könnten dort nicht eingehalten werden. Und überhaupt: Als Grundschullehrer weiß Andreas Fuhrmanski genau, wie viel es zu bedenken und zu organisieren gilt, wenn alle Auflagen erfüllt werden müssen, und er findet deshalb: „In meinen Augen sind die Vorgaben für Chorproben in geschlossen Räumen unmöglich umzusetzen.“

Online-Proben seien nicht sein Ding. „Es geht ja nicht nur ums Singen, wichtig ist auch das Miteinander. Vielleicht können wir bei gutem Wetter ja mal im Freien singen.“ Als der Shutdown kam, habe er anfangs das Mehr an Freizeit durchaus genossen, sagt der Chorleiter. Aber nicht lange: „Singen ist ein schönes Hobby. Wir vermissen es alle und würden lieber heute als morgen wieder starten.“ Damit spricht er wohl allen Sängerinnen und Sängern aus der Seele.

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