Coronavirus

Corona: „Gladbeck mit vielen Fällen hat einfach Pech gehabt“

Das Cura-Seniorenzentrum in Gladbeck ist ein Corona-Hotspot in der Stadt: Viele Infektionen und Todesfälle.

Das Cura-Seniorenzentrum in Gladbeck ist ein Corona-Hotspot in der Stadt: Viele Infektionen und Todesfälle.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Was führte dazu, das Gladbeck in der Statistik der Infektionen mit dem Coronavirus und der Zahl der Todesfälle oben steht? Fachleute geben Infos.

Dieser Satz dürfte Balsam für die Seele der Damen und Herren im Haupt- und Finanzausschuss sein. Er kam von Barbara Eckhorst: „Ich kann nicht sagen, dass Sie etwas anders machen sollten. Sie haben halt Pech gehabt.“ Die Leiterin des Fachbereichs Soziales in der Kreisverwaltung Recklinghausen und ihr Kollege Dr. Richard Schröder, Kopf des Bereichs Gesundheit, Bildung und Erziehung, dröselten in der Sitzung die Corona-Entwicklung in Gladbeck und anderen Städten auf.

Gladbeck: Die Inzidenz liegt in Gladbeck bei 39,6, im Kreis Recklinghausen bei 6,2

„Irgendeiner muss derjenige mit den höchsten Zahlen sein“, so Eckhorst. Doch diese Aussage vermag wohl niemanden zu trösten. Nimmt Gladbeck doch mit Abstand einen traurigen Spitzenplatz in der Emscher-Lippe-Region sowie Gelsenkirchen und Bottrop ein: 22 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus bei insgesamt 39 kreisweit. Inzidenz: 39,6 (Kreis: 6,2). 13 der Gladbecker Opfer lebten in Einrichtungen: zehn im Cura-Seniorenzentrum, zwei im St.-Altfrid-Haus und eines im Elisabeth-Brune-Zentrum.

Derzeit „haben wir noch einen Menschen, der intensivmedizinisch behandelt wird“, meldete Schröder für das Kreisgebiet. Wie sich die Verbreitung entwickelt habe, sei sehr unterschiedlich: „Waltrop, Marl, Herten und Recklinghausen sind relativ wenig betroffen.“ Waren Haltern am See und Dorsten anfangs Hotspots, habe sich dies auf Gladbeck und Oer-Erkenschwick verlagert. In Castrop-Rauxel habe es einen Infektionsausbruch in einem Hochhaus gegeben. Wegen Infektionen bei der Firma Westfleisch in Oer-Erkenschwick „sind die Zahlen dort auf rund 175 gestiegen“.

„Das St.-Barbara-Hospital hatte Anfang April die ersten stärkeren Zahlen von Menschen, die hier behandelt wurden. Seitdem waren es zehn bis 15 Personen“, erläuterte der Fachmann. Aber auch ärztliches Personal, Techniker und Reinigungskräfte steckten sich mit den Virus an.

Eckhorst: „Ein Patient, der Index-Patient, verließ am 21. März infiziert das Krankenhaus und ging zurück ins Heim, wo er seinen Zimmerpartner ansteckte.“ Es folgten ab Anfang April die ersten Todesfälle. Der Index-Patient starb am 11. April. Schröder: „Unglücklicherweise ist ein Mensch in eine Einrichtung zurückgekehrt, von dem man nicht wusste, dass er infiziert war.“ Der Infektionsausbruch sei relativ früh geschehen: „Erst danach waren Testungen vorgeschrieben.“ Er könne keinen Fehler der Verantwortlichen entdecken. Eckhorst ergänzte: „Außer Cura ist keine Einrichtung im Kreis Recklinghausen betroffen.“

Die Gladbecker Todesfälle in der Altersgruppe der Betroffenen ab 80 Jahre machten einen Anteil von 67 Prozent aus. Im Kreisgebiet liege er bei 24 Prozent. „Nach positiven Tests“, betonte Eckhorst, „besteht zwischen der Behörde WTB (Wohnen- und Teilhabe-Gesetz, früher Heimaufsicht, Anmerk. der Redaktion) und der Einrichtung täglicher Kontakt.“ Ziel sei, jeden Infektionsfall aufzuspüren.

Wie viele Corona-Tests bislang im Kreis Recklinghausen durchgeführt wurden? Schröder: „Wir haben rund 11.500 durchgeführt.“ Aber es könnten beispielsweise Hausärzte ebenfalls testen. Lediglich positive Ergebnisse müssten dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Schröder: „Wir wissen nicht, wer noch testet.“

Seit Ausbruch der Pandemie „hatten wir keine Probleme, Intensivpatienten im Krankenhaus unterzubringen“. Der Experte: „Was die Kapazitäten angeht, sind wir ganz gut aufgestellt.“ Anders hingegen die Ausstattung mit Schutzmitteln. Eckhorst berichtete: „Wir haben Cura mit Material versorgt, auch wenn wir dafür nicht zuständig sind. Wir hatten noch Handschuhe und Masken aus der Zeit der Schweinegrippe.“ Ihr Kollege sagte: „Wir haben sehr viel Material angeschafft und ein Lager angelegt. Das gibt für die Zukunft eine gewisse Sicherheit. Ich gehe nicht von Engpässen aus.“

Das Personal, das Kontakte Infizierter nachvollzieht, sei aufgestockt worden: „90 statt sonst sieben oder acht Kollegen. Und wir sind dabei, weitere 60 zu schulen.“

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