Gedenkstättenfahrt

Corona-Epidemie ließ Israelfahrer um Rückreise fürchten

Die Reisegruppe, die mit Georg Liebich Israel bereiste, besuchte auch die Gedenkstätte Yad-Vashem. Bürgermeister Roland, der privat an der Reise teilnahm, legte dort für die Stadt ein Blumengesteck nieder.

Die Reisegruppe, die mit Georg Liebich Israel bereiste, besuchte auch die Gedenkstätte Yad-Vashem. Bürgermeister Roland, der privat an der Reise teilnahm, legte dort für die Stadt ein Blumengesteck nieder.

Foto: Georg Liebich

Gladbeck.  28 Gladbecker waren mit dem Holocaust-Experten Georg Liebich unterwegs. Die Lufthansa sagte nach der Grenzschließung durch Israel den Rückflug ab.

Überlagert von der Corona-Problematik ist am vergangenen Wochenende eine 28-köpfige Gladbecker Reisegruppe aus Israel zurückgekehrt, die mit Gedenkstätten-Fahrer Georg Liebich zu Erinnerungsorten des Holocausts und zu kulturellen Highlights im Land unterwegs war. Allerdings mischte sich unter die durchweg positiven Eindrücke einige Tage vor der Abreise ein Gefühl der Ungewissheit, wie man wieder zurück nach Gladbeck kommen würde.

Denn im Laufe der Woche hatte Israel wegen der Corona-Epidemie seine Grenzen dicht gemacht. Und die Lufthansa hatte daraufhin den Flug gestrichen, mit dem die Gruppe heimkehren wolle, berichtet Georg Liebich nach der Rückkehr. Ohne zu wissen, wie es weitergeht, waren die Gladbecker am Sonntag zum Flughafen gefahren, verlebten dort noch einige bange Stunden, bevor dem Reiseveranstalter eine Umbuchung gelang. Liebich: „Da war die Reisegruppe sehr erleichtert.“ Mit der polnischen Fluggesellschaft LOT sind die Gladbecker, unter ihnen Bürgermeister Ulrich Roland und seine Frau, über Warschau nach Deutschland zurückgekehrt.

Die Reisegruppe konnte nicht nach Bethlehem einreisen

Bereits am Ende der Rundreise waren die Auswirkungen der Corona-Epidemie im Land zu spüren, berichten Reiseteilnehmer. „Es waren immer weniger Touristen im Land, in Kirchen und Museen wurde es stetig leerer.“ Bethlehem war abgeschottet, die Reisegruppe konnte nur von einem nahen Berg auf die Stadt hinabblicken.

Zuvor hatte Reiseführer Uriel Kashi, mit dem Liebich bei seinen Reisen zusammenarbeitet, die Gruppe, eloquent wie immer bei den Gladbecker Gedenkstättenfahrten, durchs Land geführt. Die Gladbecker besuchten u. a. Tel-Aviv und Jaffa (mit Museum für jüdische Kultur und Traditionen sowie Bauhaus für Architektur). Liebich: „In Caesarea haben wir uns die Ausgrabungen, den Hafen von Herodes, angeschaut, im West-Jordanland informierte uns die Journalistin Lydia Aisenberg über das Thema „Jüdisch-arabische Koexistenz“ mit einer sehr kritischen Betrachtung der Siedlungspolitik.“

Bürgermeister Roland legt in Yad-Vashem ein Blumengesteck nieder

Bei einem Ausflug in die Wüste nach Ramon-Krater gab es ein Gespräch mit Beduinenfrauen, die sich für ein Projekt engagieren, das den sozialen und wirtschaftlichen Status von Beduinenfrauen verbessern soll. Natürlich gab es das obligatorische Bad im Toten Meer und die Besichtigung der berühmten Felsenfestung Massada. In Jerusalem stand eine interreligiöse Stadtführung durch die „Stadt der Religionen“ mit Besichtigungen von Ölberg, Garten Gethsemane, Via Dolorosa und Grabeskirche auf dem Programm.

In der Holocaust-Gedenkstätte Yad-Vashem gab es eine kleine Zeremonie: Bürgermeister Ulrich Roland legte im „Tal der Gemeinden“ im Namen der Stadt ein Blumengesteck nieder. „Die Stadt Gladbeck gedenkt der Opfer der Shoah“, stand auf der Schleife. In einer kurzen Ansprache sagte Roland, die Stadt werde das Gedenken an die jüdischen Opfer wachhalten und schreite gegen jede Form des Antisemitismus’ ein.

Alle Teilnehmer waren von der Israelfahrt total begeistert

Sehr emotional, so Liebich, war für alle das Gespräch mit der Zeitzeugin Batsheva Dagan (sie gehörte zu den vier Überlebenden, die am 27. Januar bei der zentralen Gedenkveranstaltung in Auschwitz gesprochen hat). Sie berichtete den Gladbeckern von ihrer schrecklichen Zeit in Auschwitz und ihrem Leben danach.

Alle Teilnehmer waren von der Fahrt total begeistert, so Liebich, der seit über zwei Jahrzehnten Interessierte – insbesondere Jugendliche – nach Israel begleitet, um vor allem die Erinnerung an die Verfolgung von Juden während der Zeit des Nationalsozialismus lebendig zu halten und die Begegnung mit Zeitzeugen zu ermöglichen.

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