Capri Club Westerholt

Der Capri - eine Auto-Leidenschaft fürs Leben

Die Capri-Leidenschaft ist Familiensache: Tanja, Janina und Andreas Berger (v.l.) mit ihrem Capri III, Baujahr 1984. Der Wagen hat erst 45 000 Kilometer auf dem Tacho.Der Gladbecker Andreas Berger ist 2. Vorsitzender des Capri Clubs Westerholt..

Foto: Martin Möller

Die Capri-Leidenschaft ist Familiensache: Tanja, Janina und Andreas Berger (v.l.) mit ihrem Capri III, Baujahr 1984. Der Wagen hat erst 45 000 Kilometer auf dem Tacho.Der Gladbecker Andreas Berger ist 2. Vorsitzender des Capri Clubs Westerholt.. Foto: Martin Möller

Gladbeck.  Andreas Berger lebt seine Autoleidenschaft mit Ehefrau Tanja und seinen Töchtern aus – und im Kreise Gleichgesinnter im Capri Club Westerholt.

Nun, Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Eine frühe Freundin von Andreas Berger, 49, fuhr Ford Capri. So richtig schön fand der Gladbecker Schlossermeister den Wagen damals nicht. Das hat sich auf den zweiten Blick nachhaltig geändert. Die Freundin ist längst Geschichte. Der Capri an sich für ihn nicht. Das Ford-Modell, wie seinerzeit auch der Opel-Manta gerne als „Porsche des kleinen Mannes“ verspottet, wurde zum Lebensbegleiter. Fünf gehören – mehr oder weniger herausgeputzt – aktuell zur Familie. Und das wortwörtlich. Berger hat Töchter und Ehefrau Tanja längst mit dem Capri-Virus infiziert.

Um die 30 Mitglieder hat der CCW

„Er hatte den Capri eher als mich. Doch das war kein Hinderungsgrund. Es hat Spaß gemacht“, sagt Tanja Berger, lacht und erinnert sich an einen frühen Liebesbeweis: „Ich durfte von Anfang an seinen Capri fahren.“ Auch Tochter Janina, 19, darf die Oldies kutschieren – dann aber vorsichtshalber mit dem Papa auf dem Beifahrersitz.

Wie das so ist, wenn man die große Auto-Liebe findet – sie wird gehegt, gepflegt, gerne geteilt, bevorzugt natürlich mit Gleichgesinnten. Im Capri-Club Westerholt, dem CCW, sind die Ford-Fans vereint. Berger ist zweiter Vorsitzender, seine Frau die Schatzmeisterin. Um die 30 Mitglieder hat der CCW, gut 45 Fahrzeuge gehören den Aktiven, Capris aller Spielarten der Baureihen I bis III von 1968 bis 1986. Allesamt eint sie das Stummelheck, die Starrachse mit den Blattfedern, der Hang zum Drift bei zügigem Tempo. „Der geht gut ab und hat eine super Kurvenlage“, findet Berger. „Der Capri wurde ja der deutsche Mustang genannt. Und trotzdem war er ein Familienauto.“ Für die Bergers allemal. Ihre Hochzeitsfahrt? Im Capri 1,6 GL. Ferienfahrten mit den Töchtern? Klar, im Kult-Oldie.

Ein Abenteuerspielplatz für große Jungs

Mit dem legendären Ford-Mustang verbindet den kleinen Bruder die ellenlange Schnauze, eben eine Motorhaube, die zumindest beim Capri mehr Leistung verspricht als tatsächlich im robusten Triebwerk steckte. Mit 55 PS begnügte sich einst die 1,3-Liter-Maschine, der Dreiliter-Motor brachte es auf 135 Pferdestärken, Sondermodelle wie der seltene Werksturbo kamen auf 188 PS und trieben so laut Berger Fords „schnellstes Serienauto an“.

Das Epizentrum der CCW-Welt liegt in Bismarck, mitten in einem Gewerberevier, in dem Gelsenkirchen seine abgerockte, postindustrielle Seite mit roten Backstein-Hallen, verstreuten Stahlbetrieben, alten Portalkränen und Buckelpisten voller Wildwuchs kultiviert. Hier, am Ahlmannshof, ist die „Schrauber-Bude“ des Clubs, ein Abenteuerspielplatz für große Jungs. Mancher Capri hat hier in Hunderten Stunden akribischer Handarbeit die Renaissance vom fahrenden Schrotthaufen zum Schaustück erfahren.

Ausgeschlachtete Modelle als Ersatzteillager

Die Halle mit dem umliegenden Hofgelände hat der CCW 2001 gemietet. Drei Hebebühnen, Kompressor, Reifenmontiergerät, Werkzeuge, Aufenthaltsraum und Kalenderkunst mit viel Capri und wenig Kleidung für die abgelichteten Damen zählen zur Club-Ausstattung. Die Zugabe: ein Riesenfundus an geballtem Autowissen und ein paar ausgeschlachtete Modelle als deponierte Ersatzteillager. Denn auch der Capri, einst ein Millionenauto, macht sich heute rar. Ersatzteile zu bekommen, ist zur aufwendigen Recherchearbeit geworden, bei der oft nur die guten Club-Kontakte helfen. Die Zeiten, in denen man einen Schrott-Capri „für eine Kiste Bier kriegte, sind lange vorbei“, sagt Dirk Zentara, der Club-Vorsitzende.

Von seiner aktuellen Dauerbaustelle, ein Capri II, Baujahr 1976, hätte er sich bald mal für besagte Kiste getrennt. „Das ist mein erstes Auto. Mit dem habe ich mit 18 angefangen. 35 Jahre ist das her.“ Der Capri hat alle Phasen eines Alltagsfahrzeugs hinter sich. Aktuell ist er nicht mehr als ein frisch himmelblau lackiertes Chassis. Im sportlichen Gulf-Design will Zentara seinen Capri wieder aufbauen, als Rennwagen mit Straßenzulassung, mit mindestens 200 PS. „Das wird das Auto, das ich mir mit 18 erträumt habe.“ Merke: Manch Männertraum hält sich. 2018, zum 30-jährigen Club-Jubiläum, plant Zentara die Vollendung.

Nur 200 davon hat Ford auf die Straße gebracht

Container flankieren die Halle. Sie bergen die vereinigten Sammler-Schätze. Auch Berger hat hier seine Capris sicher verpackt stehen. Sein seltenstes Stück – ein Werksturbo, Baujahr 1981. Nur 200 davon hat Ford auf die Straße gebracht. Originalgetreu bis auf’s I-Tüpfelchen herausgeputzt vom Kunstleder-Sitz bis zum Vier-Speichen-Sportlenkrad steht das gute Stück ausfahrbereit. Für Berger sind seine Capris mehr als mobile Wertanlage, auch wenn die Preise in den letzten Jahren deutlich angezogen haben. „Ich mach’ die nicht fertig, damit ich die verkaufen kann. Da steckt so viel Arbeit und so viel Herzblut drin. So lange ich kann, möchte ich die behalten.“

>> Der Club wurde 1988 in Westerholt gegründet

Mitglieder aus Gladbeck bis Essen, von Dortmund bis Berlin vereint der 1988 gegründete Capri Club Westerholt. Ausfahrten, die Fahrzeugpräsentation bei Oldtimer-Messen oder Capri-Treffen gehören zum Clubprogramm. Freitags treffen sich die Aktiven (17 Uhr) an der Schrauber-Bude am Ahlmannshof. CCW-Mitglieder müssen Halter, Fahrer oder Beifahrer eines Ford Capri sein.

Info: www.ccwesterholt.de

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