Stellungnahme

Brennende Halde: „Sprecher der RAG redet das Problem klein“

Blick auf die Moltkehalde, die seit Jahren im inneren schwelt. Ein Flächenbrand  hielt die Feuerwehr Ende Juli in Atem, der vermutlich durch eine weggeworfene Zigarettenkippe ausgelöst wurde.

Blick auf die Moltkehalde, die seit Jahren im inneren schwelt. Ein Flächenbrand hielt die Feuerwehr Ende Juli in Atem, der vermutlich durch eine weggeworfene Zigarettenkippe ausgelöst wurde.

Foto: Feuerwehr Gladbeck

Gladbeck.  Anwohner der kokelnden Moltkehalde sorgen sich um giftige Stoffe in der Luft. Die RAG prüfe seit Jahren, handele aber nicht im Sinne der Bürger.

Als „ausgesprochen unbefriedigend“ kritisiert Ratsherr Franz Kruse (Die Linke) die Antworten des Vertreters der RAG Montan Immobilien zur brennenden Bergehalde Graf Moltke im Interview mit der WAZ. Aussicht auf baldige Besserung der Luftbelastungen durch den Schwelbrand in der Halde sei für alle betroffenen Anwohner der Moltkehalde (darunter Kruse selbst) nicht in Sicht. „Die RAG misst, prüft und plant; aber sie tut nichts und das unverändert seit Jahren. Währenddessen wird unsere Belastung immer schlimmer.“

Außerdem sei immer noch nicht klar, „ob und welche Giftstoffe die Anwohner der Halde einatmen müssen“. Die RAG gehe bei all ihren Aktivitäten offenbar von der falschen Annahme aus, es würde nur Kohle in der brennenden Halde liegen. „Nach Augenzeugenberichten – auch ich habe vor 55 Jahren als Kind auf der Halde verbotenerweise mein Abenteuer gesucht – ist dort außer dem Bergematerial der Zeche alles Mögliche an Müll entsorgt worden“, sagt Kruse. „Gerne sind wir zum Beispiel auf alten Autoreifen, die dort oben abgekippt waren, den Hang heruntergedonnert.“ Vor Jahrzehnten habe es keine geordnete Abfallwirtschaft gegeben, „da hat jeder zugesehen, dass er seinen Müll irgendwie los wird. Über Langzeitfolgen hat sich damals noch niemand Gedanken gemacht.“

Auch Abfälle aus den Kokereien wurden auf den Halden abgelagert

Auch Abfallprodukte, die in Kokereibetrieben der Zechen angefallen seien „wurden lange Zeit auf die Halden gefahren“. Der Teer, der in diesem Sommer aus einer Halde in Bochum ausgetreten sei, zeuge von den giftigen Hinterlassenschaften, „die bis heute in den Halden schlummern“.

Das alles schwele wahrscheinlich auch in der Moltkehalde, meint Kruse. Heute nur nach den Schadstoffen zu suchen, die bei der Verbrennung von Kohle entstehen, sei „völlig unzureichend“.

Ob die RAG Angst habe, „was da noch an Giftstoffen in der Luft zu finden ist“, fragt Kruse, da man nur bestimmte Stoffe suche, aber die Möglichkeit beispielsweise krebserregender PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) ignoriere? Abschließendes Fazit des Ratsherren: „Das Problem ist viel größer, als die RAG zugibt.“

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