Lesung

Blinder Autor entführt bei Lesung auf einsame Klosterinsel

Verlegerin Manuela Klumpjan und Autor Dieter Kleffner stellten in der Kulturkneipe Café Stilbruch

Foto: Heinrich Jung

Verlegerin Manuela Klumpjan und Autor Dieter Kleffner stellten in der Kulturkneipe Café Stilbruch Foto: Heinrich Jung

Gladbeck.   Dieter Kleffner präsentierte im Café Stilbruch seinen neuesten Thriller. Die Leseproben boten eine Mischung aus Spannung, Grusel-Flair und Humor.

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„Manchmal ist es gut, wenn man die Leute nicht sieht, sondern nur hört. Aber heute ist es anders: Nur schickes Publikum hier.“ So begrüßte Verlegerin Manuela Klumpjan am Montagabend die Besucher des Café Stilbruch. Nicht ohne Grund: Diese „erzählende Lesung“ zum Welttag des Buches gestaltete sie zusammen mit dem blinden Autor Dieter Kleffner. Das Blindsein ist in fast allen seinen Büchern ein großes Thema.

Schon als Kleinkind wurde Dieter Kleffner an den Augen operiert. Nach der Schule machte er eine Physiotherapie-Ausbildung in Mainz – damals der einzige Ort, der für Sehbehinderte in Frage kam. „Bei mir gingen die Lichter endgültig aus, als ich noch keine 40 war“, sagte der 60-Jährige.

Schreibprogramm mit Vorlesestimme genutzt

Geschrieben habe er damals schon – auf einem gebrauchten Rechner seines Sohnes. „Der hatte schon ein Schreibprogramm mit Vorlesestimme, allerdings klang die wie bei ‚Raumschiff Orion‘.“ Völlig anders als die Vorlesestimmen heutiger Schreibprogramme, wie Kleffner und Klumpjan sogleich an ihrem Laptop demonstrierten.

Dann kamen Kleffners Bücher zum Zuge: Seine Autobiografie „Im Testprogramm des Schicksals“ sei bei den Sehbehinderten-Verbänden auf gute Resonanz gestoßen, genauso die Fortsetzung „Ein Tag für Blinde, Lahme und Verrückte“, dann habe er mit Krimis angefangen.

Zwölf Autoren treffen sich auf einsamer Klosterinsel

Sein neuestes Buch trägt den Titel „Autorenstolz“: Zwölf Autorinnen und Autoren treffen sich zu einer Tagung auf einer einsamen mittelalterlichen Klosterinsel in den Alpen. Bei einem nächtlichen Gewitter fällt der Strom aus, Telefone und WLAN funktionieren nicht mehr, der Handyempfang ist sehr schlecht und das Boot, mit dem die zwölf angereist sind, hat sich auch noch vom Anleger gelöst. Alle sind von der Außenwelt abgeschnitten.

Einer der Teilnehmer erstellt mit einem Messer einen tastbaren Lageplan aus Holz, damit sich auch seine blinde Kollegin auf der unbekannten Klosterinsel zurechtfindet. Zu allem Überfluss verschwindet eine der Teilnehmerinnen spurlos. Nach mehrtägiger Suche wird die vermisste Autorin in einer verschlossenen Kühltruhe gefunden, in ihren Händen ein Exemplar ihres Romans „Kaltgestellt“. Und das ist erst die erste Leiche.

„Nicht alle Sehenden sind glücklicher als Blinde“

Die Leseproben aus „Autorenstolz“ bewiesen eine reizvolle Mischung aus Spannung, Grusel-Flair und Humor. Manuela Klumpjan erklärte, was daran typisch für Kleffner ist: „In fast allen seinen Büchern gibt es mindestens einen Blinden, der allerdings ein ganz normales Leben führt. Seine Bücher nehmen einem die Scheu vor dem Umgang mit Blinden.“

„Wenn man erfährt, dass jemand erblindet ist, denkt man oft, das ist traurig. Aber das ist nicht traurig“, sagte der 60-Jährige. Es sei einfach anders. „Nicht alle Sehenden sind glücklicher als Blinde.“ Aus jeder Situation könne man das Beste machen. Er beherrsche seine Behinderung, nicht umgekehrt. Natürlich könne er manches nicht tun. „Dann schreibe ich halt darüber. So lebe ich ein Stück weit in meinen Büchern.“

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