Ausbildung

Bewerber treffen beim Azubi-Speed-Dating auf Arbeitgeber

Hamza Khadraoui (links) spricht am Stand der Firma Döllken mit Johanna Frerix und Marc Grabowski.

Foto: Michael Korte

Hamza Khadraoui (links) spricht am Stand der Firma Döllken mit Johanna Frerix und Marc Grabowski. Foto: Michael Korte

Gladbeck.   85 Schüler hatten sich zum Speed-Dating am Berufskolleg Gladbeck angemeldet. Sie nutzen die Chance, Kontakte zu Ausbildungsbetrieben zu knüpfen.

Ob Albert geahnt hat, dass er auf dem „heißen Stuhl“ landen würde? Vermutlich nicht. Weil der 16-Jährige aber ziemlich selbstbewusst auftritt, muss er beim Azubi-Speed-Dating im Berufskolleg richtig Kontra geben.

Geschäftsstellenleiter Uwe Buch und Organisationsleiter André Pels von der Gladbecker Niederlassung der Versicherung Debeka wollen es genau wissen. Fußball und Freunde gibt der Berufskolleg-Schüler an. „Was soll das denn für ein Hobby sein – Freunde treffen?“, fragt Buch und lehnt sich nach vorne. Albert antwortet spontan, argumentiert, dass er ja bestimmte Aktivitäten mit seinen Freunden verbinde.

Sechs Stände im Foyer des Kollegs

Nun ist Pels an der Reihe, den Bewerber zu provozieren. Warum er sich überhaupt für eine Ausbildung als Versicherungskaufmann interessiere, „Versicherungen, das sind doch alles Verbrecher.“ Irgendwie schafft es Albert, seine Begeisterung fürs Fach zu beteuern. Die nächste Bewerberin werden die Versicherungsmänner nicht so hart anfassen – ihre Hände zittern vor Aufregung.

Sechs Stände gibt es bei dieser sechsten Auflage des Azubi-Speed-Datings im Berufskolleg – drei Firmen haben kurzfristig abgesagt, sagt Organisator Rolf Schönlein vom Kolleg. So kommt es, dass Unternehmen und Institutionen sich die Waage halten. Die Agentur für Arbeit ist dabei, die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer, das Barbara-Hospital, die Firma Zinq und die Kunststoffverarbeitungsfirma Döllken.

Ausbildungsplätze bei Döllken sind beliebt

Schon vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung sitzt dort der erste Bewerber. Hamza Khadraoui informiert sich bei Johanna Frerix und Marc Grabowski besonders über die Übernahmechancen. „Im technischen Bereich werden eigentlich alle Auszubildenden übernommen“, sagt Grabowski. Der junge Mann gibt seine Bewerbungsunterlagen ab. Er hofft auf eine Chance auf einen der begehrten Plätze.

85 Schüler des Berufskollegs und anderer Schulen haben sich angemeldet, um sich bei den kurzen Vorstellungsgesprächen zu präsentieren. „Sie schätzen die Möglichkeit, persönliche Kontakte zu knüpfen“, sagt David Kreuz, Studien- und Berufswahlkoordinator der Kollegs.

Handwerkskammer wirbt für ihre Mitgliedsfirmen

Mohammad Ghanem (22) ist einer der älteren Interessenten. Er kam als Flüchtling aus Syrien nach Gladbeck. In Syrien hat er sein Abitur gemacht und Erziehungswissenschaften studiert. Nun möchte er eine handwerkliche Ausbildung machen. Jürgen Brückmann von der Handwerkskammer Münster ist begeistert: „Solche Männer wie ihn braucht das Handwerk“, sagt er. Besonders beeindruckt ihn, wie gut Mohammad deutsch spricht. Ohne Probleme unterhalten sich die beiden über Berufe und Perspektiven.

Die Bewerbungsunterlagen wird Brückmann Unternehmen vorlegen und für den Flüchtling werben. Denn das ist der Sinn der Angebots: Kontakte knüpfen, den ersten Eindruck nutzen. Wer dabei Hilfe braucht, kann sich an Claudia Bux vom Starthelfer-Projekt der IHK wenden. Sie steht jungen Leuten beiseite, die zum Beispiel wegen nicht ganz so guter Zeugnisse schlechtere Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben. Oder weil sie nicht so schlagfertig sind wie Albert.

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