Ausbildung

Betriebe meldeten wieder weniger Ausbildungsplätze

Die jährliche Berufsinfobörse in der Stadthalle ist ein Beitrag, Jugendliche in Ausbildung zu bringen.

Foto: Oliver Mengedoht

Die jährliche Berufsinfobörse in der Stadthalle ist ein Beitrag, Jugendliche in Ausbildung zu bringen. Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.  2821 Stellen wurden gemeldet – sechs Prozent weniger als im Jahr zuvor. Nur 44 Prozent der Bewerber haben einen Vertrag unterschrieben.

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Der drohende oder bereits existierende Mangel an Fachkräften ist in der Wirtschaft ein Mega-Thema. Ausbildung wird von vielen Unternehmen aber offenbar nicht als Teil der Problemlösung angesehen. Im Kreis Recklinghausen ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen um sechs Prozent gesunken.

Die Bilanz, die die Arbeitsagentur Recklinghausen zum Ende des Ausbildungsjahres 2016/2017 zog, ist ernüchternd. Nur 44 Prozent der 5340 jungen Menschen, die sich zwischen Oktober 2016 und September 2017 bei der Berufsberatung als Bewerber um eine Lehrstelle gemeldet haben, haben tatsächlich einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Der große Rest hat sich – wahrscheinlich mangels Angebot – neu orientiert, geht entweder weiter zur Schule, leistet Wehrdienst oder ein Freiwilliges Soziales Jahr ab, schiebt vielleicht auch einen Auslandsaufenthalt ein.

240 Stellen sind noch offen

86 junge Leute stehen noch mit ganz leeren Händen da. Sie sollen nun im Rahmen einer Nachvermittlungsaktion auf freie Stellen aufmerksam gemacht werden. Denn auch davon gibt es noch reichlich: exakt 240, unter anderem für Kaufleute, Kfz-Mechatroniker, Verkäufer oder Medizinische Fachangestellte.

Insgesamt reicht das Angebot an Lehrstellen bei Weitem nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen. Statistisch stehen jedem Bewerber nur 0,53 Stellen zur Verfügung. Das ist im Kreis Recklinghausen seit Jahren nichts Neues. Die 2821 von Unternehmen gemeldeten Ausbildungsplätze bedeuten jedoch noch einmal einen Rückschritt. Das Minus gegenüber dem Vorjahr beträgt sechs Prozent.

Der Arbeitsagentur wird nicht alles gemeldet

Da Unternehmen nicht verpflichtet sind, ihre freien Stellen der Berufsberatung zu melden, bildet die Arbeitsagentur allerdings nur einen Teil – wenn auch einen großen – des Geschehens auf dem Ausbildungsmarkt ab. So bringt ein Blick auf die Branchen durchaus unterschiedliche Ergebnisse. Nach Angaben der Handwerkskammer Münster ist die Zahl der in die Handwerksrolle eingetragenen Lehrverträge im Kreis RE sogar um zehn Prozent auf 946 gestiegen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) meldet hingegen ein leichtes Minus. 1661 Ausbildungsverträge hat die Kammer entgegengenommen, 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

„Mit der Zahl der jungen Leute, die in dieser Region ausgebildet werden, werden wir die Fachkräftesicherung in den nächsten Jahren nicht schaffen“, mahnt der Regionsvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Dr. Josef Hülsdünker. Auch die Chefin der Arbeitsagentur Recklinghausen, Anke Traber, blickt kritisch auf die Entwicklung. „Eine nachlassende Ausbildungsbereitschaft ist ein Luxus, den sich die Region schlichtweg nicht leisten kann.“

Schwächeren Bewerbern eine Chance geben

Die Lage wird sich noch dadurch verschärfen, dass mehr als 30 000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in den kommenden zehn Jahren im Kreis Recklinghausen in den Ruhestand treten. Gleichzeitig führt die demografische Entwicklung dazu, dass immer weniger Jugendliche für einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stehen. Anke Traber appellierte an die Betriebe, auch vermeintlich schwächeren Bewerbern eine Chance zu geben.

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