Stadtjubiläum

Ausstellung mit alten Fotos erzählt Gladbecker Geschichte

Der Gladbecker Ex-Kumpel Walter Hüßhoff vom Bergmanns- und Geschichtsverein Graf Moltke 1 / 4 engagiert sich, damit Lokalgeschichte, wie der Bergbau, nicht verschütt geht. Foto:Lutz von Staegmann

Der Gladbecker Ex-Kumpel Walter Hüßhoff vom Bergmanns- und Geschichtsverein Graf Moltke 1 / 4 engagiert sich, damit Lokalgeschichte, wie der Bergbau, nicht verschütt geht. Foto:Lutz von Staegmann

Gladbeck.   Walter Hüßhoff vom Gladbecker Bergmanns- und Geschichtsverein Graf Moltke spricht über Foto-Ausstellung. Schau wird am 27. Januar eröffnet.

Das alte Rathaus steht inmitten von Trümmern, die sich zu immensen Bergen türmen. Die Ruine eines Wohnhauses ragt aus Schutt und Steinen – das Dach ist fast vollkommen zertrümmert. Winzig klein in dieser Szene der Vernichtung zu erkennen: Soldaten und Zwangsarbeiter, die versuchen, Ordnung in dieses Chaos zu bringen.

Mehr als 50 Prozent Gladbecks zerstört

„Mehr als 50 Prozent Gladbecks sind im zweiten Weltkrieg zerstört worden“, erzählt Walter Hüßhoff vom Bergmanns- und Geschichtsverein Graf Moltke 1 /4. Und die beschriebene Ansicht zeugt von diesem Kapitel lokaler Historie. Noch steht die Schwarz-Weiß-Fotografie im privaten Domizil des 69-Jährigen. Doch ab Sonntag, 27. Januar, ist diese Momentaufnahme im Johannes-Rau-Haus am Goetheplatz ausgestellt – mit 29 anderen Bildern. Die Schau ist einer von mehreren Beiträgen des Vereins zum 100. Geburtstag Gladbecks. Eröffnung: 11 Uhr.

Von 1900 bis in die 1990er Jahre

Bis März erzählen diese historischen Bilder Ereignisse aus der bewegten Vergangenheit der Stadt. „100 Jahre Leben und Arbeiten in Gladbeck“ hat der Verein seine Ausstellung überschrieben. Entstanden ist die Präsentation in Zusammenarbeit mit Stadtarchivarin Katrin Bürgel. Hüßhoff sagt: „Die alten Fotos führen ab 1900 durch die Epochen bis in der 1980er, 90er Jahre.“

Zeugnisse von Krieg und Not

Der ehemalige Betriebs- und Grubenschlosser findet: „Wir sprechen immer über Europa, aber es wird viel zu wenig gezeigt, was Zerstörung, Hunger und Armut bedeuten.“ Dank der europäischen Union herrsche seit Jahrzehnten Frieden. Ansichten in schwarzen Rahmen rufen hingegen erschütternde Zeiten des Kriegs und seiner Folgen in Erinnerung. Da sind russische Kriegsgefangene zu sehen, die aus einem großen Topf ihre Suppe in einem Napf bekommen. Legendär sind die Care-Pakete aus den USA: „Man stelle sich vor: Der Sieger hilft den Besiegten!“ In den Kartons steckten Lebensmittel wie Butter, „und für Bergleute gab’s eine Pulle Schnaps“. Der Schlachthof, längst von der Bildfläche verschwunden, ist ein weiteres Nachkriegsmotiv.

„Unser Verein ist der Deutschen Montan Technologie Lehre und Bildung angeschlossen“, erklärt Hüßhoff, „sie unterstützt uns als Geschichtsverein“, erläutert der Ex-Kumpel, der auf Moltke und Hugo in Buer malochte. Nach der Präsentation im Johannes-Rau-Haus geht „100 Jahre Leben und Arbeiten in Gladbeck“ auf Tour. So wird sie unter anderem am 9. April im Fritz-Lange-Haus zu sehen sein. Thema: „Gladbeck – Eine Stadt auf Kohle geboren“. Hüßhoff: „Wenn Schulen und andere Institutionen Interesse an der Ausstellung haben – herzlich gerne!“

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