Gladbeck. Das Textilunternehmen Buschfort stellte 1975 keineswegs die Fertigung ein. Vielmehr startete das Unternehmen damals nochmal neu durch. Darauf machte im Gespräch mit der WAZ Hermann Wörle aufmerksam, der 1975 mit Heinrich Plückelmann das Unternehmen übernahm und bis 1990 fortführte.

Die Textilfabrik Buschfort, die 1948 - wie berichtet - von Schneidermeister Heinrich Buschfort gegründet worden war, ging 1975 in Konkurs, berichtet Wörle, der 1973 zu Buschfort als Produktionschef gekommen war. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Bekleidungshersteller noch 400 Mitarbeiter. Sowohl Damen- als auch Herrenkonfektionen wurden hergestellt, allerdings war der Anteil der Herrenartikel stets größer. „Meist lag er bei etwa 70 Prozent“, erinnert sich Wörle.

Produziert wurde in jenen Jahren bis 1975 ausschließlich für die eigenen Häuser, berichtet Wörle: Neben dem Stammsitz in Gladbeck hatte Buschfort eigene Verkaufsstätten in Düsseldorf, Münster, Recklinghausen, Bochum, Duisburg und Oberhausen. Die Produktion wurde im Laufe der Jahre immer effizienter:

Benötigte die Fertigung für die Herstellung eines Herrenanzuges anfangs 19 Stunden, waren es Anfang der 70er Jahren nur noch vier Stunden (irrtümlicherweise war im WAZ-Bericht von Minunten die Rede gewesen).

Als der Firmengründer 1973 starb, hatte das Unternehmen, das in der Spitze bis zu 800 Mitarbeiter zählte, seine Blütezeit offenbar schon hinter sich. Zunehmen wirkte sich der Kostendruck in der Bekleidungsindustrie zunächst vor allem auf die Betriebe im Ruhrgebiet aus. Die Firma Buschfort litt mehr und mehr unter der Strukturkrise. 1975 ging Buschfort unter der Leitung von Heinrich Buschfort jun. schließlich in Konkurs.

Hermann Börle und sein Prokuristen-Kollege Heinrich Plückelmann, der Finanzchef bei Buschfort war, sahen dennoch Chancen, übernahmen den Betrieb aus der Konkursmasse und führten das Unternehmen unter dem gleichen Namen fort. Die beiden neuen Chefs verkleinerten die Produktion und konzentrierten sich auf den Stammsitz: Alle eigenen Häuser in den genannten Städten wurden aufgeben. „Fortan verkauften wir unsere Konfektionen, vor allem unter dem Namen Bonat, an Bekleidungshäuser und vor allem an Herrenausstatter, 120 an an der Zahl in ganz Deutschland und Holland“, so Börle. Die Mitarbeiterzahl hatte sich auf 200 verringert, sukzessive wurde die Produktion von Damenmode verringert und am Ende eingestellt.

Bis 1990 führten die beiden Unternehmer Buschfort weiter. Als sie ausschieden, verkauften sie Buschfort an den Jung-Unternehmer Gert-Jörg Mallasch, der die Fertigung aber 1992 einstellte. Als Einzelhandelsgeschäft führte Mallasch das Modehaus noch bis 2008 weiter. „Da bezog er aber schon lange seine Ware von anderen Herstellern“, so Börle. „Der Verlauf der Buschfort-Firmengeschichte von 1948 bis 2008 spiegelt den Aufstieg und den Niedergang der deutschen Bekleidungsindustrie wider“, so der ehemalige Eigentümer.

Die Buschforts sind ein uraltes Geschlecht aus Brauck 

Unternehmer Heinrich Buschfort entstammt, wie bereits berichtet, der uralten Braucker Familie Buschfort, deren älteste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1411 stammt. Der Hof Buschfort lag an der nach ihm benannten Straße Busfortshof nahe dem Fußballplatz an der Südhalde in Brauck. Darauf weist Dr. Wolfgang Schneider, früherer langjähriger Museumsleiter und heutiges Mitglied des Arbeitskreises Stadtbildpflege, hin.

Zur Geschichte des Hofes fügt er ergänzend hinzu: „In den Vogteirollen der Grafen von Limburg für den Besitz des Stiftes Essen tauchen schon im 13. Jahrhundert u. a. die Güter ,in Busswerde’ (das ist Buschfort) auf. Genau diese Güter hatte zum Unterlehen kein Geringerer als Henricus de Witterinch (um 1345), also der Urenkel von Ludolfus de Wittering, des wahrscheinlichen Begründers des Hauses Wittringen aus dem Horster Geschlecht. Es dürfte sich bei dem Hof und zugehörigen Ländereien um Besitz des Stiftes Essen handeln, der schön früh von den Horstern als Ministerialen dieses hochadeligen Reichsstifts verwaltet wurde. 1373 ist ein Hinrich Bosewort als Zeuge und Gograf von Lymborck genannt, wahrscheinlich ein Angehöriger oder Dienstmann vom Hof Buschfort.“

Schneider weiter: „Solche und weitere zusammenfassende Hinweise auf einer Tafel an geeigneter Stelle am Busfortshof wären - wie die Straßenzusatzschilder des Heimatvereins - eine schöne Ergänzung in der Nähe des Haldenaufgangs einerseits und zum jetzt entstandenen Straßenschild ,Buschfortweg’ andererseits.“