Gladbeck. . Der Biologe und Lehrer hat ein Ziel: So wenig Rasen wie möglich. Hunderte verschiedene Pflanzenarten blühen in seinem Garten – auch in der kühleren Jahreszeit.

Blau schimmernde Astern, süßlich duftende Silberkerzen und wild blühende Sonnenblumen – wer aus der Terrassentür der Kosloswkis hinaustritt, hat das Gefühl, einen Garten von Monet zu betreten. Der französische Impressionist war schließlich bekannt für seine Liebe zu allem, was blüht. Ähnlich ist es bei Ingo Koslowski. Auch wenn der Biologe, der an einer Schule arbeitet, den Vergleich mit Monet nicht ganz passend findet. „Meine Vorbilder sind eher Gartenarchitekten“, so der 57-jährige Hobbygärtner.

Einer seiner liebsten, ein Staudenzüchter aus Potsdam, habe einmal gesagt: „Es wird durchgeblüht.“ „Das ist auch mein Motto – auch wenn ich das hier nur im kleinen Rahmen verwirklichen kann.“

Ganz so klein ist das Reich allerdings nicht, dass sich Koslowski hinter seinem Mietshaus im Gladbecker Osten erschaffen hat. Auf etwa 300 Quadratmetern wachsen inzwischen mehrere hundert verschiedene Pflanzenarten und über tausend verschiedene -sorten. Koslowskis Ziel: „So wenig Rasen wie möglich.“ Damit sticht der Gesamtschullehrer in der Nachbarschaft heraus – die angrenzenden Grundstücke bestehen größtenteils aus kurz geschorener Wiese. „Die meisten Menschen sind ordnungsliebend“, sagt Koslowski. „Sie mögen Gärten, die weniger wild aussehen.“ Die Nachbarn fänden sein Blütenmeer zwar teilweise schön, „aber für sie selber ist das nichts“. Dabei herrscht auch in Koslowskis Garten eine gewisse Ordnung: In Pflanzplänen hält der gebürtige Gelsenkirchener fest, was er wann und wo eingesetzt hat.

Ideen sammelt er in anderen Gärten

Inspirieren lässt sich Ingo Koslowski übrigens nicht nur von bekannten Landschaftsarchitekten, sondern auch von den botanischen Gärten und Parks in der Region. „Am Wochenende sind meine Frau und ich zudem viel unterwegs und schauen uns andere Gärten an.“ Auch wenn Uta Koslowski eher selten eine Schippe in die Hand nimmt – an der Blumenliebe ihres Mannes hat sie ihre Freude. „Das ist für mich schöner als sein vorheriges Hobby.“ Bis vor kurzem hatte ihr Gatte mit dem grünen Daumen 30 Aquarien im Keller stehen. „Da gefallen mir die Blumen besser“, sagt Uta Koslowski mit einem Lachen.

Tatsächlich sind Tiere eine weitere Leidenschaft des Biologen Koslowski. „Mit meinen Fischen habe ich mich auch wissenschaftlich beschäftigt und zum Beispiel ihr Verhalten dokumentiert.“ Bereits während seines Studiums in Bochum und in Bielefeld habe er aber auch Botanikkurse belegt, sagt Koslowski. „Ich hatte nur nie den Raum, meine Ideen zu verwirklichen.“

Auch im Herbst blühen die Astern

Worauf er besonders stolz ist, wenn er auf das bunt schimmernde Blütenmeer in seinem Garten blickt? „Es begeistert mich einfach jedes Mal, wenn ich mich hier hinsetzen und die Bienen beobachten kann. Oder die Spitzmäuse, Igel und Fledermäuse – es ist immer richtig was los hier.“ Auch viele Schmetterlinge würden durch seinen Garten flattern. „In einem besiedelten Gebiet wie diesem ist das hier eine Insel für die Tiere.“ Auch im Herbst, wo es in vielen anderen Gärten schon etwas ruhiger zugeht und sich die Freizeit-Botaniker auf den bevorstehenden Winter vorbereiten.

Dass Koslowskis kleine Oase zu dieser Jahreszeit noch so farbenfroh strahlt, liegt an den Astern, sagt er. „Die blühen auch im Herbst noch.“ Getreu seinem Motto: „Es wird durchgeblüht.“ Koslowski pflanzt nur Blumen, die in unserer Klimazone heimisch sind. „Ein Olivenbaum oder Ähnliches käme mir nicht in den Garten, das wäre mir viel zu aufwendig.“

Dabei verbringt der Biologielehrer bereits nahezu seine gesamte Freizeit im Garten. „Ich habe aber auch andere Hobbies“, sagt der 57-Jährige. Dazu gehöre etwa die Musik. „Ich gehe gerne auf Konzerte und Festivals.“ Im Winter habe er wieder mehr Zeit dafür.

Aber jetzt heißt es erstmal: Harke raus und Handschuhe an. „Im November steht das Anpflanzen der Blumenzwiebeln an“, sagt Koslowski. Schließlich soll der Garten ja durchblühen.