Gladbeck.

Dass es ganz einfach sein kann mit der Völkerverständigung, wenn man im Grundsatz bereit ist aufeinander zuzugehen und sich gegenseitig zu helfen, zeigte am Samstag das Puppenspiel zum Auftakt des Ramazanfestes am Rathaus.

Dort trafen zwei in den jeweiligen Kulturen bekannte Spaßvögel, der deutsche Kasper und der türkische Karagöz, aufeinander. Letzterer auf der Suche nach dem Ramazanfest in Gladbeck. Wobei Kasper, um Hilfe gefragt, sofort nur den gleichnamigen Betreiber eines Döner-Imbisses im Kopf hat. Nach etlichen Lachern besuchen beide schließlich gemeinsam das Fest, auch mit dem gegenseitigen Vorhaben, sich besser verstehen lernen zu wollen.

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Von Marcus Esser

Dass „in der letzten Zeit der Dialog zwischen den Kulturen wieder besonders wichtig ist“ unterstrichen im Grußwort Mohammed Aouragh vom Islamischen Kulturverein an der Haldenstraße ebenso wie Bahtiyar Ünlütürk, Vorsitzender des Integrationsrates: „Annäherung erfolgt durch Dialog. Ich wünsche mir so, dass wir mehr in Dialog treten.“ Und für den Imam der Ditib-Gemeinde übersetzte die stellv. Vorsitzende Figen Güdül-Turpcu dessen Begrüßungsworte, dass Ramadan bedeute, „dass sich Menschen untereinander helfen, dass die Vergebung Gottes greifbar wird, dass sich Menschen gegenseitig Brüderlichkeit, Achtsamkeit wie Liebe und Respekt zeigen und auch an die Hungernden denken“. Feste seien Tage der Freude und des Glücks, an denen die Gemeinschaft die gesellschaftliche Solidarität intensiver erlebe als zur übrigen Zeit.

Gleichzeitig erinnerte der Imam, dass in vielen islamisch geprägten Ländern Gewalt und Terror immer noch andauere. Er gab der Hoffnung und dem Wunsch Ausdruck, dass Eintracht und Friede einkehre, damit Ramazan „zu einem Fest und zur Freude im wahren Sinne für die islamische Welt und die Menschheit werden möge“.

Mit der Stadt eingeladen

Gemeinsam mit der Stadt hatten die islamischen Vereine (auch Mili Görüs und Interkulturelles Bildungszentrum) zum Fest auf dem Willy-Brandt-Platz eingeladen. Bürgermeister Ulrich Roland äußerte in seiner Rede Unverständnis zu kritischen Worten im Vorfeld, der Rathausplatz als neutraler Ort sei nicht für ein Ramazanfest geeignet. Er unterstrich, dass wie auch für Veranstaltungen christlicher Konfessionen oder des Gewerkschaftsbundes „der Rathausplatz für alle in Gladbeck lebenden Bürger da ist“.

Die Gladbecker selbst, die die bunte Budenstadt mit Bühnenprogramm, Speisenangebot und Spielgelegenheit für Kinder bevölkerten, zeigten wie schön das Zusammenleben sein kann – wenn Politik und Religion nicht trennen, sondern das friedliche Miteinander im Vordergrund steht. Mit der gegenseitigen Bereitschaft, wie Kasper und Karagöz, sich besser verstehen lernen zu wollen.