Nachbarschaftsterror

Anwohner leben in ständiger Angst vor einem Nachbarn

Die Spuren des Feuers an der Fasse des Mehrfamilienhauses an der Tauschlagstraße in Gladbeck sind noch deutlich zu sehen.

Foto: Lutz von Staegmann

Die Spuren des Feuers an der Fasse des Mehrfamilienhauses an der Tauschlagstraße in Gladbeck sind noch deutlich zu sehen.

Gladbeck.   In einem Wohnviertel in Gladbeck wurden Pkw beschädigt, Reifen zerstochen. Jetzt brannte eine Mülltonne. Anlieger verdächtigen einen Mitbewohner.

Eine sachliche Meldung der Feuerwehr: Vor einem Haus an der Tauschlagstraße in Schultendorf brannte am 2. Weihnachtstag gegen 5.45 Uhr eine Mülltonne. Als die Wehrleute eintrafen, hatte ein Hausbewohner das Feuer schon gelöscht.

Der verqualmte Hausflur und der Keller wurden quergelüftet, die Polizei ermittelt wegen der Brandursache. Klingt nach einem kleineren Routineeinsatz.

Für die Bewohner ist der Vorfall keine Kleinigkeit

Für die Bewohner des Hauses und etliche ihrer Nachbarn ist dieser Vorfall alles andere als eine Kleinigkeit.

„In meinen Augen war das ein Mordanschlag“, sagt einer von ihnen – und er glaubt auch zu wissen, wer dahintersteckt: ein Mieter aus dem Wohnviertel, der einige Familien dort seit gut einem Jahr drangsaliere und bedrohe.

Mal waren Autoreifen zerstochen, mal wurde das Faltdach eines Pkw aufgeschlitzt, ein Auto ging in Flammen auf, ein Briefkasten explodierte. Der Mann scheue selbst vor Morddrohungen nicht zurück, sagt ein Nachbar.

Hunde weckten die Bewohner

Und jetzt eben die brennende Tonne vor dem Haus. Der Besitzer ist sicher: „Das war Brandstiftung. Die Biotonne war leer, ist mit voller Absicht genau vor den Heizungskeller geschoben worden, wo sie nie steht. Wir haben es nur glücklichen Umständen zu verdanken, dass das Haus nicht in die Luft geflogen ist. Wir haben eine Gasheizung.“

Nur den unablässig bellenden Hunden der Nachbarn und dem Zufall, dass er selbst gerade Feuerlöscher in den Keller gestellt hatte, mit denen er die Flammen löschen konnte, sei es zu verdanken, dass es bei erheblichem Sachschaden geblieben und kein Mensch zu Schaden gekommen sei.

„Es war eine ganz normale Nachbarschaft“

Der Mann, den viele Nachbarn der Taten verdächtigen, wohnt seit etwa zehn Jahren in dem Viertel.

„Es war eine ganz normale Nachbarschaft. Man hat sich gegrüßt, ein paar Worte gewechselt, mit etlichen duzt er sich“, erzählt ein Bewohner.

Und – angeblich ohne ersichtlichen Grund – empfinde der Mann seit gut einem Jahr offensichtlich einige seiner Nachbarn als Feinde. Versuche, mit ihm zu reden, seien gescheitert. Man lebe in ständiger Angst, was als nächstes passiere.

Was die Betroffenen quält ist auch das Gefühl der Ohnmacht

Die Angst ist das eine. Was die Betroffenen ebenso quält ist das Gefühl der Ohnmacht. „Wir sind dem Ganzen völlig hilflos ausgeliefert. Die Polizei kommt, wir erzählen, was passiert ist, erfahren aber nie, was weiter geschieht.“ Sie haben Briefe geschrieben an die Polizeipräsidentin, die Staatsanwaltschaft, ans Gericht, „und nur beschwichtigende Antworten bekommen. Was sollen wir denn noch tun? Muss erst noch Schlimmeres passieren?“

Die ersten Mieter sind ausgezogen, andere suchen nach einer neuen Wohnung. „Unter diesen Umständen hier finden wir keine neuen Mieter“, sagt ein Hauseigentümer, der auch den finanziellen Schaden fürchtet. „Unser Wohngebiet geht vor die Hunde, wenn nichts passiert.“

Der Polizei liegen etliche Anzeigen gegen den Mann vor

Der Polizei und der Staatsanwaltschaft liegen etliche Anzeigen gegen den Mann vor, bestätigten auf Anfrage Polizeisprecherin Ramona Hörst und Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens. In drei Fällen aus dem ablaufenden Jahr sei Anklage erhoben worden, andere Verfahren seien noch nicht abgeschlossen, einige seien vorläufig eingestellt worden, weil andere Vorwürfe schwerer wiegen, so die Oberstaatsanwältin.

Ende Januar wird sich der Mann, der seine Nachbarn in Angst und Schrecken versetzt, vor dem Amtsgericht wegen einer Morddrohung verantworten müssen. Ganz sicher werden etliche Bewohner des Viertels im Zuhöreraum sitzen.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik