Sanierungsplan

Altlasten bei Ineos Phenol: Anwohner kritisieren Stillstand

Chemie-Altlasten im Untergrund des Werksgeländes von Ineos Phenol (vorn) belasten das Grundwasser, das in Richtung Wohngebiete (Hintergrund) fließt.

Chemie-Altlasten im Untergrund des Werksgeländes von Ineos Phenol (vorn) belasten das Grundwasser, das in Richtung Wohngebiete (Hintergrund) fließt.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Gladbeck.  Giftige Kohlenwasserstoffe belasten das Gladbecker Grundwasser. Die vor zwei Jahren geplanten Kontrollbrunnen sind noch nicht angelegt worden.

„Wir haben kurzfristiges Handeln und schnelle Antworten erwartet, was denn jetzt weiter mit dem Gift im Boden und Grundwasser von Ineos Phenol passiert. Seit fast zwei Jahren ist aber nichts passiert und wir fühlen uns mit dem Problem alleine gelassen“, schimpft Horst Lippeck. Die Nachbarn von der Zweckeler Schanzenheide nicken zustimmend. Im Frühjahr 2017 hatte der Kreis als Aufsichtsbehörde die Anwohner des Chemiewerkes informiert, dass in Kontrollbrunnen des Unternehmens entdeckt worden sei, dass Grundwasser mit krebserregenden Stoffen verunreinigt ist.

Giftige Ausschwemmungen aus Bodenbelastungen, die schon vor Jahrzehnten aus dem früheren Zechen- und Produktionsbetrieb (etwa der IG Farben) eingebracht wurden und nichts mit der aktuellen, gut gesicherten Ineos-Produktion zu tun haben.

Private Brauchwasserbrunnen sind kontaminiert

Die Überprüfung von privaten Brauchwasserbrunnen der Anwohner im westlichen Werksumfeld ergab, dass einige ebenfalls kontaminiert waren. Am stärksten belastet war der 35 Meter tiefe Brunnen der Lippecks: „Der gesetzliche Grenzwert von leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen ist in unserem Brunnenwasser um das bis zu 5000-fache überschritten worden.“ Darunter Vinilchlorid und Dichlorethan, die als gefährlich für Mensch (krebserregend) und Umwelt eingestuft werden.

Die Untere Bodenschutzbehörde des Kreises untersagte den Anwohnern das Wasser für die obererdige Nutzung ihrer Gärten zu verwenden, da dabei flüchtige Giftstoffe eingeatmet werden könnten. Alarmierend auch für Heidi Thiel, die extra der Kinder wegen aufs Land gezogen war. „Wir haben uns seit Jahren mit selbst angebautem Obst und Gemüse aus dem Garten versorgt, das wir mit dem Brunnenwasser versorgt haben.“ Jetzt greife man freilich auf das Trinkwasser auf der Leitung zurück, was bei dem heißen Sommer, „bei dem täglich gut 250 Liter für Nutz- und Zierpflanzen verwendet werden mussten“, freilich höhere Kosten verursache.

Ineos Phenol ist zur Sanierung der Altlasten verpflichtet

„Damit wir nicht über die Entwässerungskosten quasi doppelt zur Kasse gebeten werden, wäre es doch als schnelle Zwischenlösung fair“, schlägt Anwohner und Brunnenbesitzer Helmut Arnold im Sinne der betroffenen Nachbarn vor, „dass wir eine zweite Wasseruhr für die Abrechnung der Gartenbewässerung erhalten“.

Der Kreis hatte im Juli 2017 unterstrichen, dass Ineos Phenol als heutiger Grundstücksbesitzer zur Sanierung der Altlasten verpflichtet ist. Ein Gutachter sei beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, wie weiter vorgegangen werden solle. Ein Konzept, das die Einrichtung weiterer Grundwassermessstellen vorsah und das nach den Sommerferien (2017) vorliegen sollte.

Die Ausbreitung der Schadstoffbahnen soll untersucht werden

Auf Anfrage der WAZ teilt Kreissprecher Jochem Manz den aktuellen Stand mit: „Drei weitere Doppelmessbrunnen für die Beprobung werden bis Ende 2019/ Anfang 2020 angelegt.“ Dadurch solle festgestellt werden, „wie sich die Schadstoffbahnen im Boden entwickelt haben“. Klar ist aufgrund der Fließbewegung, dass sich das Grundwasser von den Altlastquellen auf dem Firmengrund in westlicher Richtung unter der Dechenstraße und der Frentroper Straße in Richtung Felder und Hackfurth- oder Schanzenheide bewegt.

Der Gladbecker Ineos-Chef, Benie Marotz, hat Verständnis für die Bürgerkritik. Er unterstreicht aber, „dass wir im Unternehmen in der Zwischenzeit nicht untätig gewesen sind“. Er selbst sei unzufrieden, dass der Prozess, einen Sanierungsplan zu entwickeln, „länger dauert als gedacht“ (wir berichten noch).

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