Hertie-Abriss

Alte Rolltreppen aus der Kaufhaus-Ruine gibt’s zu kaufen

Vier dieser funktionstüchtigen, zwölf Meter langen Rolltreppen  aus dem einstigen Karstadt-Hertie-Haus sind für je 5000 Euro zu haben. 

Foto: Oliver Mengedoht

Vier dieser funktionstüchtigen, zwölf Meter langen Rolltreppen aus dem einstigen Karstadt-Hertie-Haus sind für je 5000 Euro zu haben.  Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.   Das Abbruchunternehmen verwertet vor dem Abriss Gebäudeausstattung und Materialien, die sich verkaufen lassen.

Viele Gladbecker werden sich sicher noch an die rotierenden Transporteure im ehemaligen Karstadt-Hertie-Gebäude erinnern. Die vier Rolltreppen, die dafür sorgten, dass man auch mit Tüten vollbepackt bequem die Etagen hinauf- und hinabfahren konnte. Wer über den Platz und das nötige Kleingeld verfügt, hat jetzt Gelegenheit, eines dieser besonderen Erinnerungsstücke zu erwerben. Bei Unternehmer Tobias Großmann sind sie zum Preis von je 5 000 Euro zu haben.

„Dann bin auch ich glücklich“, sagt Großmann, der Chef der Firma TG Umwelttechnik, die den Zuschlag erhalten hat, den großen Kaufhauskomplex mitsamt Parkhaus im Schatten des Rathauses abzureißen. „Im knallharten Ausschreibungsmarkt müssen wir bei unserem Angebot genau kalkulieren, welche Kosten wir für Abbruch und Entsorgung haben und rechnen dem entgegen, womit wir noch Gewinn erzielen können“, so der Profi.

Verwertbare Gegenstände dürfen verkauft werden

Diese Kalkulation ergebe letztlich den Angebotspreis, mit dem die Bürener Abbruchexperten sich offenbar den Gladbecker Auftrag sichern konnten. Dabei verwertbare Gegenstände, wie die Rolltreppen, zu veräußern, sei in der Branche üblich.

Die schweren, laut Großmann funktionstüchtigen Ungetüme sind übrigens zwölf Meter lang und etwa einen Meter breit. Sie müssen vom Käufer zum Abtransport zerlegt werden. Der Ausbau sei nicht im Preis inbegriffen. Falls sein Team das übernehmen solle, könne man aber über den Preis verhandeln, sagt der Firmenchef.

Erinnerungen an den Abriss des Gelsenkirchener Hüttenwerkes

Verwerten wird die TG Umwelttechnik auch die Kupferleitungen der Kaufhaus-Elektroinstallation, zudem den im Baukörper verbauten Stahlträger sowie den Armierungsstahl und die zur Verkleidung des Gebäudes verwendete Aluminiumfassade. Die alte Entlüftungsanlage sei wohl nicht mehr im Paket zu verkaufen, sagt Großmann mit etwas Bedauern.

Denn gute Anlagen könnten noch ordentliche Preise erzielen, wobei der Unternehmer ein wenig ins Schwärmen gerät, in Erinnerung an die satten 40 000 Euro, die er einst für die Anlage vor Abriss des Gelsenkirchener Hüttenwerkes Schalker Verein erzielte. „Die war aber auch erst drei Jahre alt und hatte neu rund 500 000 Euro gekostet“, so dass auch der Käufer ein gutes Geschäft gemacht habe.

In den 1950er Jahren errichtet

Die Verkaufserlöse sind letztlich aber nur Kalkulationsmarge für sein Angebot, denn natürlich hat die umfangreiche Dienstleistung der Abbruchprofis ihren Preis. Schließlich gehe ja nicht nur schlicht darum, das Gebäude abzureißen. Großmann: „Bevor die großen Abrissbagger anrollen, müssen wir nach detaillierten Vorschriften zunächst die gefährlichen Baustoffe aus dem Baukörper entfernen und fachgerecht entsorgen.“

Und davon gibt es im Anfang der 50er Jahre noch unter Althoff-Regie errichteten und in den Folgejahren erweiterten Gebäudekörper (zuletzt Parkhaus 1981) einige.

Das Parkhaus ist schon fast „nackt“

Darunter giftiger, teerhaltiger Asphalt für den Fußbodenaufbau, „bei 2600 Quadratmetern etwa 100 Tonnen“, schätzt Tobias Großmann. Hinzu kommen auch asbesthaltige Baustoffe, wohl bis zu zehn Tonnen, darunter feuerfeste Verkleidungsplatten. Erst wenn das Gebäude so innen „gesäubert“ sei und sich quasi wieder auf einstigem Rohbaustatus befinde, werde im großen Stil abgebrochen.

Beim fast nackten Parkhaus könnten die Bagger wohl schon kommende Woche anrollen. Der „weggeknabberte“ Beton wird übrigens direkt vor Ort zerkleinert und wiederverwertet. Tobias Großmann: „Mit dem sauberen Abbruchmaterial füllen wir die alten Kellerräume auf, über denen dann das neue Gebäude errichtet wird.“

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