Amtsgericht

Alkohol und Drogen am Steuer: Strafe fällt dennoch milde aus

Immer wieder soll der Angeklagte betrunken, unter Drogen und ohne Fahrerlaubnis durch die Gegend gerast sein (hier ein Symbolbild).

Immer wieder soll der Angeklagte betrunken, unter Drogen und ohne Fahrerlaubnis durch die Gegend gerast sein (hier ein Symbolbild).

Foto: Fabian Strauch / Fabian Strauch / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Mehrere Unfälle unter Drogen und Alkohol hat ein Gladbecker verursacht. Nun will er sein Leben ändern. Der 29-Jährige ist gerade Vater geworden.

„Nutzen Sie diese Chance.“ Mit diesen Worten ermahnte Markus Bley, Vorsitzender Richter des Schöffengerichts im Amtsgericht Gladbeck, den Angeklagten, der gerade – trotz einer langen Liste von Straftaten – mit einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung ein verhältnismäßig mildes Urteil erhalten hatte.

Der Gladbecker hat schon mehrere Bewährungsstrafen erhalten

Der 29-jährige gebürtige Gladbecker war in der Vergangenheit bereits als mehrfacher Unfallverursacher wegen Autofahrens unter Alkohol- und Drogeneinfluss und ohne Fahrerlaubnis mit Geld- und Bewährungsstrafen belegt worden. Das hielt ihn aber nicht von weiteren Taten dieser Art ab. Hinzu kam in diesem Zusammenhang eine Anklage wegen Widerstandes gegen Vollzugsbeamte, die sich gleichzeitig gegen seinen jüngeren Bruder richtete, der ebenfalls auf der Anklagebank saß.

Innerhalb kürzester Zeit sei der Angeklagte immer wieder betrunken und ohne Fahrerlaubnis mit teuren Autos durch Städte von Gladbeck bis Dortmund gerast. Diese „Rückfallgeschwindigkeit“ erstaunte selbst den Staatsanwalt. Bis Anfang dieses Jahres war der Angeklagte Mitglied beim Motorradclub Bandidos in Bochum, zuvor bei den Hells Angels in Dinslaken, deren Edelkarossen er immer wieder nutzen konnte. Diese Mitgliedschaft erklärt auch die besonders auffällige Tätowierung im Gesicht des Angeklagten: „Da müssen Sie sich nicht wundern, dass man auf Sie aufmerksam wird, wenn Sie so mit einem Porsche über den Dortmunder Borsigplatz fahren, der ja als Drogenumschlagsplatz bekannt ist“, merkte Markus Bley in der Verhandlung an.

Als die Polizei sie anhielt, sei die Situation eskaliert

Im März 2018 hatten die beiden Brüder ordentlich Alkohol konsumiert und gekokst. „Ich war vielleicht zu fünf Prozent zurechnungsfähig“, sagt der Jüngere heute.

Als die Polizei sie anhielt, sei die Situation eskaliert, schildern beide Brüder übereinstimmend den Vorfall, der von der Polizei als Bedrohung wahrgenommen wurde, was das Gericht allerdings nicht erkennen konnte. Das Verfahren gegen den jüngeren Bruder wurde eingestellt, er konnte den Gerichtssaal verlassen.

Die Bewährungshelferin stellte dem 29-Jährigen ein wohlwollendes Zeugnis aus. Nach anfänglichen Schwierigkeiten sei er allen Gesprächsterminen nachgekommen. Er wolle seinen Lebensweg neu beginnen, habe er glaubhaft erklärt, betonte auch der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Grund für diese Wendung sei wohl auch die Geburt seiner Zwillingstöchter vor vier Wochen: „Ich will alles hinter mir lassen und habe vor, nicht mehr straffällig zu werden“, versprach der Angeklagte in seinem Schlusswort.

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