Städtepartnerschaft

Alanya und Schwechat in der Krise

Deutlicher Akt: Bürgermeister Adem Murat Yücel hängt nach dem einstimmigen Beschluss die Partnerurkunde im Alanyaer Ratssaal ab.

Deutlicher Akt: Bürgermeister Adem Murat Yücel hängt nach dem einstimmigen Beschluss die Partnerurkunde im Alanyaer Ratssaal ab.

Foto: Alanya Belediye

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Bei zwei Gladbecker Partnerstädten gibt es Krach mit Folgen: Alanya hat Schwechat empört die Freundschaft aufgekündigt. Das könnte auch das nahende Appeltatenfest trüben, das ganz im Zeichen der 50-jährigen Partnerschaft Gladbecks mit der österreichischen Stadt Schwechat steht. Zum Festakt und Partnerschaftsempfang treffen Delegationen der Partnerstädte aufeinander.

Inakzeptable Beleidigung

Hintergrund ist die nicht erfolgte Reaktion aus dem Schwechater Rathaus auf provokante Reklame der Kronen-Zeitung am internationalen Flughafen Wien/Schwechat, die in Alanya als inakzeptable Beleidigung aufgefasst wird. „Mit Türkei-Urlaub unterstützt man nur Erdogan“ und „Türkei erlaubt Sex mit Kindern unter 15 Jahren“ flimmerte weithin sichtbar als Schlagzeilen der Boulevardzeitung in der Abflughalle über das Werbeband.

Der Rat der Stadt Alanya hat als Folge bei einer außerordentlichen Sitzung unter Leitung des Bürgermeisters jetzt einstimmig für eine Beendigung der Städtepartnerschaft gestimmt. Auf der Internetseite der Stadt Alanya bezieht Bürgermeister Adem Murat Yücel dazu ausführlich Stellung und kritisiert, dass trotz offizieller Bitte aus Alanya nicht die erwartete Reaktion der Schwechater Bürgermeisterin erfolgt sei, den Vorgang am Flughafen zu missbilligen.

In der schriftlichen Antwort aus Schwechat sei lediglich knapp auf die Meinungsfreiheit der Presse hingewiesen worden. Meinungsfreiheit rechtfertige aber keine verletzende und herabsetzende Äußerungen gegen die Türkei sowie die Beleidigung des türkischen Staatspräsidenten und sei nicht akzeptabel, so Yücel.

Darüber hinaus sei die Bitte, beim Schwechater Stadtfest am kommenden Wochenende (zu dem Bürgermeister Ulrich Roland zurzeit mit dem Rad unterwegs ist) ein Gespräch zum Thema zu führen, aus zeitlichen Gründen abgelehnt worden. Eine Alanyaer Delegation werde aus diesem Grund nicht nach Österreich reisen.

Noch keine offizielle Aufkündigung

Schwechats Bürgermeisterin Karin Baier weilt zurzeit im Urlaub und war so für die WAZ nicht erreichbar. Ihr Pressesprecher teilt mit, dass noch keine offizielle schriftliche Aufkündigung der Städtepartnerschaft aus Alanya vorliege. „Abgesagt worden ist bislang nur die Anreise der türkischen Delegation“, so Dejan Mladenov. Dies sei zu bedauern, „da man sicherlich nach den Stadtfestterminen ein Gespräch zum Thema hätte arrangieren können“.

Freundeskreis bedauert Entscheidung in Alnaya 

Mit Bedauern wird von den Vorsitzenden des Freundeskreises Gladbeck-Alanya, Müzeyyen Dreessen und Wolfgang Röken, die Entscheidung des Alanyaer Stadtrates aufgenommen, die Städtepartnerschaft mit Schwechat mit sofortiger Wirkung nach 15 Jahren zu beenden.

„Wenn alles so stimmt, wie es von Alanyaer Seite dargestellt wird, ist das Ganze sehr unglücklich gelaufen“, sagt Wolfgang Röken im Gespräch mit der WAZ. Sollte Schwechat nur in lapidarer Antwort nach der Provokation der Kronen-Zeitung auf die Meinungsfreiheit verwiesen haben, sei das im Sinne einer Städtepartnerschaft zu wenig „und zeugt von fehlendem Fingerspitzengefühl für die jahrelangen freundschaftlichen Beziehungen“. Er wisse aber nicht, wer genau das Antwortschreiben verfasst habe, so Röken weiter.

Hätte die Wogen glätten können

„Sehr schade ist auch, dass dem Wunsch von Alanya, im Rahmen des Besuches zum Stadtfest in Schwechat ein Gespräch zum Thema zu führen, offenbar nicht entsprochen wurde“, ergänzt Müzeyyen Dreessen. „Vielleicht hätte man damit die Wogen glätten können.“

Das sieht Wolfgang Röken ähnlich. „Wenn ein Partner um ein Gespräch bittet, sollte man dem auch nachkommen. Den Freunden hier nicht beim geplanten Besuch entgegen zu kommen, ist ein Affront.“

Ob es nach dem einstimmigen Beschluss des Alanyaer Rates noch einen Weg gibt, die Partnerschaft wieder aufzunehmen, sieht Röken kritisch. Der Freundeskreis sei aber bereit, daran mitzuwirken.

Gelegenheit zu Gesprächen mit beiden Seiten bietet sich zum Appeltatenfest. Aus dem Gladbecker Rathaus wird bestätigt, dass Schwechats Bürgermeisterin mit Delegation ihr Kommen zugesagt hat. Von Alanyaer Städtepartnerseite reist Stellvertretender Bürgermeister Hassan Erdogan mit Gefolge an.

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