Stadtteil-Check

Ältere Menschen fühlen sich in Gladbeck recht wohl

Kompetente Ansprechpartner für die ältere Generation: Ulrich Hauska (l) und Friedhelm Horbach.

Kompetente Ansprechpartner für die ältere Generation: Ulrich Hauska (l) und Friedhelm Horbach.

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Gladbeck.  Beim Stadtteil-Check gibt es in Gladbeck eine Gesamtnote von 2,64 für die Seniorenfreundlichkeit. Am schlechtesten schneidet Schultedorf ab.

16.767 Frauen und Männer ab 65 Jahren lebten laut Bevölkerungsstatistik der Stadtverwaltung Ende 2019 in Gladbeck, 5262 von ihnen waren 80 Jahre oder älter. In welchem Stadtteil kann man auch im Alter gut leben? Wie beurteilen die Gladbecker die Seniorenfreundlichkeit in ihrer Stadt? Das war eine der Fragen im Stadtteilcheck der Lokalredaktion. Das Ergebnis stellt der Stadt zwar kein überragendes, aber immerhin ein recht gutes Zeugnis aus. In allen Stadtteilen lagen die „Zensuren“ zwischen 2- und 3+. Die Gesamtnote: 2,64.

Platz eins bei der Zufriedenheit belegt der Stadtteil Mitte I, der Bereich rund um die Innenstadt also. Hier vergaben die Befragten die Note 2,13. Schlusslicht ist Schultendorf mit der Note 2,90. Bei der Beurteilung der Seniorenfreundlichkeit spielt sicherlich die Infrastruktur eine große Rolle. In der Stadtmitte ist alles gut zu erreichen: Es gibt Arztpraxen, Apotheken, gute Einkaufsmöglichkeiten, gastronomische Angebote, die Busse starten von hier in alle Himmelsrichtungen. Im Zentrum sind die meisten kulturellen Einrichtungen zu finden . . . In Außenbezirken wie Schultendorf sieht das an manchen Stellen anders aus. Hier gibt es zwar einen Discounter, eine Bäckerei und auch eine Arztpraxis, für viele andere Dinge des täglichen Lebens aber muss man „in die Stadt“.

82-jährige Gladbeckerin hat an ihrem Stadtteil Schultendorf nichts auszusetzen

Waltraud Flamm hat an ihrem Wohnort Schultendorf allerdings überhaupt nichts auszusetzen. Die 82-Jährige lebt seit mehr als 60 Jahren dort in einem Zechenhaus. Wenn sie mit dem Bus in die Innenstadt fährt, hat sie nur ein Ziel: das Fritz-Lange-Haus, der Ort, an dem sie bei Gruppentreffen, beim regelmäßigen Frühstück und bei den vielen Veranstaltungen Bekannte trifft, Kaffee trinken und plaudern kann. So wie in der vergangenen Woche, als sich, nach langer Corona-Pause, erstmals wieder 20 Senioren dort treffen konnten.

Soziale Kontakte also spielen eine ganz wichtige Rolle. Das wissen Ulrich Hauska und Friedhelm Horbach aus vielen Gesprächen mit älteren Menschen. Der Abteilungsleiter für Gesundheit und Senioren im Sozialamt und der Vorsitzende des Seniorenbeirats lassen sich mir ihren Teams immer etwas Neues einfallen, damit Ältere in Gladbeck miteinander Zeit verbringen können. Allein der Seniorenbeirat bietet 16 Arbeitskreise an – von Gesprächsrunden über Radtouren, Wanderungen und Stadtspaziergängen bis zu Boule, das Intern@tto und das Reparaturcafé.

Der barrierefreie Umbau der Haltestellen kommt nur schleppend voran

Hauska und Horbach wundert die relativ gute Gesamtnote für Seniorenfreundlichkeit in Gladbeck nicht. „In allen Stadtteilen gibt es Begegnungsstätten für ältere Menschen, 26 insgesamt, in unterschiedlicher Trägerschaft“, sagt Ulrich Hauska. „Und die ÖPNV-Anbindung funktioniert“, ergänzt Friedhelm Horbach, der allerdings bedauert, dass der barrierefreie Umbau der Haltestellen nur schleppend vorankommt. Schlechte Infrastruktur werde in manchen Stadtteilen durch ein besseres Miteinander ausgeglichen. Hauska: „Ellinghorst beispielsweise oder Rosenhügel sind Stadtteile mit Siedlungscharakter. Da spielt die Nachbarschaft noch eine große Rolle.“

Das beste Ergebnis für den Stadtteil Mitte I können sich Ulrich Hauska und Friedhelm Horbach auch erklären – nicht nur mit der guten Infrastruktur. Mit dem Fritz-Lange-Haus, dem „Mutterhaus der Senioren“, gibt es hier die, jetzt auch barrierefrei umgebaute, zentrale Anlaufstelle für die ältere Generation. Seniorenberatung, Seniorenbeirat, das Beratungs- und Infocenter Pflege (BIP) haben dort ihre Büros. Ältere Menschen finden Ansprechpartner bei vielen Fragen, offene Ohren für ihre Probleme und praktische Unterstützung bei Kontakten zu Ämtern und Behörden. „Das Zusammenspiel von Politik und Verwaltung im Interesse der Senioren funktioniert in Gladbeck hervorragend. Darum werden wir von anderen Städten beneidet“, sagt Ulrich Hauska. Und das Fritz-Lange-Haus ist eben auch der mit Abstand bestbesuchte Treffpunkt der älteren Generation – auch wenn das, coronabedingt, gerade erst wieder vorsichtig anläuft.

Es mangelt an Seniorenwohnungen in Gladbeck

Trotz der relativ guten Gesamtnote – eine große Aufgabe ist noch nicht gelöst: Es mangelt an Seniorenwohnungen. In der Seniorenberatung liegen regelmäßig rund 400 Bewerbungen vor. Hauska: „Barrierefreie Wohnungen werden uns aus den Händen gerissen, und die Nachfrage nach seniorengerechten Umbauten ist riesig.“

Was der älteren Generation in Gladbeck noch auf den Nägeln brennt, was sie schätzt, was sie sich wünscht, wird der Seniorenbericht zeigen, den die Stadt in Auftrag gegeben hat. 2021 soll er vorliegen.

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