Umweltaktivisten

130 Radler unterstützen A 52-Gegner in Gladbeck

Mehr als 130 radelnde Umweltaktivisten der Tour de Natur machten Halt auf dem Willy-Brandt-Platz vor dem Rathaus.

Mehr als 130 radelnde Umweltaktivisten der Tour de Natur machten Halt auf dem Willy-Brandt-Platz vor dem Rathaus.

Foto: Michael Korte

Gladbeck.  Die „Tour de Natur“ machte Zwischenstopp vor dem Rathaus. Eine sozialverträglichere Verkehrspolitik wurde gefordert. Jeder Bürger könne selbst dazu beitragen, das Klima durch Nutzung umweltverträglicher Fortbewegungsmittel zu verbessern. Auch Kritik wurde laut: Die Stadt soll mehr für Radler tun

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„Wir sind ohne Auto mobil. Komm steig’ um, auf die Bahn, auf das Fahrrad, auf die eigenen Füße. Wir sind ohne Auto mobil.“ Mit vielstimmigem Gesang kündigte sich schon von weitem an, was aus Richtung Wittringen am Dienstagvormittag den Rathausvorplatz ansteuerte: eine imposante Schar von mehr als 130 Radlerinnen und Radlern vom Kindes- bis ins Seniorenalter.

Umweltaktivisten der „Tour de Natur“, die Ende Juli in Bonn startete. Mit dem Ziel Dortmund fordern sie an vielen Zwischenstopps zum Umdenken und Umstieg auf umweltverträgliche Fortbewegungsmittel auf und unterstützen dabei lokale Umweltaktionen.

„Die Tour de Natur gibt es seit 24 Jahren, und sie führt zum ersten Mal durch NRW – mit dem Schwerpunt Energie-, Klima- und Verkehrspolitik, wobei wir heute dazu Öffentlichkeit in Gladbeck schaffen wollen. Auch, um das Bürgerforum zu unterstützen, damit die A 52 nicht weiter ausgebaut wird“, so Pressesprecher Jens Hansen.

Vom Bürgerforum Gladbeck hatte Olaf Jung per Drahtesel die von der Polizei eskortierte Radlerschar in Bottrop abgeholt, um sie zunächst auf die kleine Querungsbrücke über die B 224 am Hotel van der Valk zu leiten. „Von dort hatten die Teilnehmer einen guten Überblick, um meine Erklärungen mit Grafiken und Übersichtsplänen besser nachzuvollziehen und zu erkennen, was droht, falls bis hier die Zufahrt zur A 52 ausgebaut würde“, erklärte Jung. Zum Beispiel die dann erwartete zunehmende Verkehrsbelastung von rund 150 000 Fahrzeugen pro Tag, „mit entsprechender Umwelt- und Lärmbelastung direkt am Naherholungsgebiet Wittringen“.

Kein Redebeitrag der Verwaltung

Von den „Natur-Tourern“ wurden vor dem Rathaus, im direkten Blick der Verwaltungsspitze, selbstbewusst Transparente aufgespannt: „Wir sind der Verkehr der Zukunft“. Mit Mikrofon und Lautsprechern informierten sie über die Umweltaktion. Auch weitere Lieder stimmten die Aktivisten an, wie frei nach der Melodie von Drafi Deutscher: „Stahl, Beton und Asphalt bricht – aber unsere Hoffnung nicht. Lasst doch öfters das Auto steh’n, ihr könnt zu Fuß oder radeln geh’n.“

Die vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Duisburg organisierte Tour hatte sich vor Ort an die lokale ADFC-Vertreterin Dr. Vera Bücker gewandt, die die Kundgebung bei der Stadt anmeldete. Auf ihre Anfrage beim Stadtplanungsamt, ob ein Vertreter der Stadt etwas zum Thema fahrradfreundliches Gladbeck vortragen wolle, erhielt sie eine freundliche Absage. Vielleicht lag es an der Verknüpfung der Aktion Pro-Fahrrad einer- und Kontra A 52 andererseits.

Die Stadt soll sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen

„Die Stadt darf sich in Sachen fahrradfreundliches Gladbeck nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen“, äußerte die Sprecherin der ADFC-Ortsgruppe Gladbeck, Dr. Vera Bücker, am Mikrofon auch Kritik der radelnden Umweltaktivisten vor dem Rathaus.

Als Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundliche Städte sei Gladbeck in den 1990er Jahren innovativ und experimentierfreudig gestartet. „Und Fahrradstraßen wurden als Pilotprojekt im Stadtgebiet eingerichtet, bevor es sie offiziell in der allgemeinen Verkehrsplanung gab“, erinnerte Bücker. Das Instrument sei leider danach kaum genutzt worden. „In den letzten sieben Jahren sind sieben Kilometer Radverkehrsstreifen markiert worden, wenn Straßen erneuert, Kreisverkehre angelegt oder Bordsteinradwege aufgegeben wurden.“

Offiziell werde behauptet, dass Gladbeck einen Radverkehrsanteil von 17 Prozent habe, „wobei seit 1997 keine neue Erhebung erfolgt ist“, so Vera Bücker. Die im letzten Jahr begonnene Prüfung des Radwegenetzes gelte es zügig abzuschließen. Besonders positiv sei der diesjährige Ratsbeschluss, bis 2020 ein neues Radverkehrskonzept erarbeiten zu lassen. Dr. Bücker: „Inwieweit der Masterplan dann umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.“

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