60 Jahre Ehe

Zwei Leben für Bilder und Bücher

Das Künstler-Ehepaar Irmgard und Heinz Stein blickt am 23. Juni auf 60 Jahre Ehe zurück und feiert Diamant-Hochzeit.

Das Künstler-Ehepaar Irmgard und Heinz Stein blickt am 23. Juni auf 60 Jahre Ehe zurück und feiert Diamant-Hochzeit.

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Gelsenkirchen.  Irmgard und Heinz Stein aus Gelsenkirchen feiern am 23. Juni Diamantene Hochzeit. Hier verraten sie ihr Rezept für 60 Jahre glückliche Ehe.

„Die Liebe ist keine Himmelsmacht – sondern eine irdische Ohnmacht“: Mit diesem Aphorismus von Heinz Stein ist schon fast alles gesagt. Oder? Seine Liebe zu seiner Frau Irmgard währt seit 66 Jahren. An diesem Wochenende feiert das Künstler- und Verlegerehepaar aus Ückendorf Diamantene Hochzeit und blickt auf 60 Jahre glückliche Ehe zurück.

Gelsenkirchener sind glücklich verbunden

Wer den beiden, die in Kürze 85 Jahre alt werden, begegnet, der spürt eine innige Verbundenheit miteinander: Hier haben sich zwei gefunden, die sich wortlos verstehen. Obwohl sie beruflich fast ihr ganzes Leben mit Buchstaben und Wörtern verbracht haben, als Verlegerin und Poet (siehe Infobox).

Oft schreibt Heinz Stein in seinen gedruckten Lebensweisheiten über die Liebe, meistens hat er dabei seine Frau Irmgard im Kopf, die er kurz vor dem Pfingstfest 1953 in Günnigfeld hinter der Stadtgrenze das erste Mal traf: „Ein Bekannter hatte mir zuvor den Tipp gegeben, dass dort im „Kaiser’s Kaffeegeschäft“ zwei heiße Frauen arbeiten“, sagt der gebürtige Ückendorfer schmunzelnd. Mit einem Kumpel und den Fahrrädern fuhr er dort hin – und traf dort auf Irmgard hinter der Theke.

Fahrradtouren führten ins Glück

Es war wohl Liebe auf den ersten Blick – für beide. Und obwohl sehr schüchtern, begleitete Heinz die Irmgard mit dem Fahrrad nach Hause. Das war der erste Schritt. „Ich trug an diesem Tag ein Blümchenkleid, das weiß ich noch genau, weil meine Mutter im Jahr zuvor gestorben war und ich ein Jahr lang nur Schwarz anhatte. Am ersten Tag mit fröhlichem Muster habe ich dann gleich meinen späteren Mann getroffen“, blickt Irmgard Stein zurück.

Über Pfingsten verabredeten sich die beiden damals 19-Jährigen zu Fahrradtouren, besuchten den Baldeneysee und fuhren zum Paddeln an den Mühlenbach in Haltern-Sythen. „Dort angekommen, ist sie erst einmal direkt in einen Kuhfladen getreten“, erinnert sich Heinz Stein. „Da hab’ ich gleich gesagt: das bringt Glück! Und das stimmte dann ja auch“, fügt Irmgard Stein lachend hinzu.

1959 schloss das Paar den Bund fürs Leben, 1961 wurde Sohn Volker geboren, drei Jahre Später folgte Elmar und 1972 kam die ersehnte Tochter Katja zur Welt.

Ein Schnappschuss vom Standesamt

Inzwischen gibt es auch zwei Enkelkinder, deren Besuche dem Paar in Ückendorf viel Freude bereiten. Ihre Galerie an der Bergmannstraße 65 hält die Beiden auf Trab. „Auch, wenn nicht mehr alles so schnell geht im Alter“, sagt Irmgard Stein, die ihr Umfeld mit ihrem legendären leckeren Kuchen versorgt, obwohl sie durch ihre Geh- und Sehbehinderungen stark eingeschränkt ist und sich nun auch noch den Daumen gebrochen hat.

Am Sonntag wird trotzdem kräftig gefeiert – 60 Jahre nach dem „Ja-Wort“ erinnert ein Schnappschuss vom Standesamt, auf dem Heinz Stein die Augen geschlossen hat und Irmgard verschmitzt lächelt, auf der Einladungskarte an den großen Tag. Und befragt, was denn das Geheimnis ihrer langen, glücklichen Ehe ist, antwortet Heinz Stein spitzbübisch: „Täglich drei Ehekrisen, davon bereits sechs am Vormittag“. Seine Frau Irmgard lacht dazu. Von Krise oder der oben erwähnten Ohnmacht keine Spur. . .

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