Verkehrs-Wettrennen

Zur feinsten Rushhour ganz entspannt in Buer angekommen

WAZ-Redakteurin Inge Ansahl wartete auf die Bahn – während sich ihre Kollegin mit dem Auto nach Buer durchschlägt.

Foto: Olaf Ziegler

WAZ-Redakteurin Inge Ansahl wartete auf die Bahn – während sich ihre Kollegin mit dem Auto nach Buer durchschlägt. Foto: Olaf Ziegler

Altstadt.   Um 16 Uhr nach Buer – die Kollegin tut mir leid. Die fährt mit dem Auto. Ich nehme die 302 und trabe völlig entspannt von der Redaktion los.

Nachmittags um 16 Uhr nach Buer – die Kollegin tut mir jetzt schon leid. Die fährt nämlich mit dem Auto an diesem strahlend schönen Tag; ich nehme die 302 und trabe völlig entspannt von der Redaktion zum Heinrich rüber. Selbst, wenn ich eine Bahn verpasse – egal, die fährt ja alle fünf Minuten.

Warten am Schalter statt Warten im Stau

Aber dafür gibt’s bei Bahnfahrten ja andere unvorhersehbare Ereignisse. Warten am Ticketschalter etwa – jedenfalls für Leute wie mich, die keine Monatskarte haben. Aber nachdem der junge Mann für sich und seine Freundin endlich die richtigen Tasten gedrückt hat, klimpert mein abgezähltes Geld im Schacht: 2,70 Euro, Erwachsener Preisstufe A. Dann weiter „in den Keller“. Die Linie 301 rauscht ab gen Horst, die 302 folgt kurz darauf. Einstieg 16.11 Uhr, Sitzplatz, alles gut.

Viele junge Leute sitzen in der Bahn, durch die Bank mit Tunnelblick. Entweder kleben die Augen auf den Handy-Displays – oder schweifen zu irgendwelchen Melodien via Knopf-im-Ohr ins Leere. Draußen staut sich der Verkehr schon ab Florastraße Richtung Kurt-Schumacher-Straße – meine Bahn braust an der Blechlawine vorbei.

Die kleine Frau mit der lauten Stimme trifft eine junge Bekannte. Mir bleibt in Ermangelung von Smartphone-Kopfhörern nichts anderes übrig als ... jedes Wort mitzuhören. Ich behalte die traurigen Details mal besser für mich. Und auf der Meile steigt die Jüngere der beiden auch schon aus.

Mit dem Auto "nur" elf Minuten mehr

16.31 Uhr: Ankunft am Rathaus Buer. Unterwegs noch schnell einen Cappuccino „to go“ und dann ab auf die Bank vor dem Kunstmuseum. Die Rohre drücken nach einer Weile genauso auf die Gesäßknochen wie an der Ahstraße – aber der Mülleimer rechts neben der Bank hat einen integrierten Ascher. Der „Cappu“ ist leer, die Zigarette geraucht... da kommt das Auto-Team um die Ecke. Erstaunlicherweise hat Kollegin sira nur elf Minuten mehr zum vereinbarten Treffpunkt gebraucht.

Zweites Wettrennen am nächsten Vormittag

Soweit die Doppeltour in der Rushhour. Nächster Versuch: Später Vormittag, Start um 11.12 Uhr. Sira fährt Auto, ich Bahn. Und für mich fängt’s schon gut an: Der Ticketautomat tut’s nicht. Kein Display, keine Fahrkarte. Also einmal unter dem Heinrich durch zum nächsten Automat auf der gegenüber liegenden Seite. Der funktioniert, um 11.18 Uhr sitze ich in einer Viererecke der 302. Rechts neben dem Gang zwei Jugendliche. Warum reden die eigentlich so laut, dass die halbe Bahn mithören muss? „Ey, halt die Fresse, Alter“, „Ich schwöre, Alter“, „Total cool, Alter“. Und so weiter und so fort. Wie angenehm die Ablenkung an der Arena. Dort streifen die Zweige der Randgrüns an den Scheiben entlang. Ich muss grinsen. Beim 5-Minuten-Takt wirds schwer, hier mit der Heckenschere zu agieren.

Aber dann sind die Zwei wieder am Zug. Der eine sieht aus, wie ein Fan von Thilo Kehrer. Jedenfalls der Frisur nach zu urteilen (Falls er das liest: „Echt, Alter!“) An der Endstation Rathaus Buer – es ist 11.39 Uhr – lacht mich eine Frau an. Sie hat in der Reihe vor mir gesessen. Wir verabschieden uns grinsend: „Tschüss Alter“... Noch zwei Ampel trennen mich vom Treffpunkt, den ich um 11.43 Uhr erreiche. Sibylle Raudies wartet schon auf mich. Heute hat sie die Nase vorn und sogar einen komfortablen Parkplatz unweit des Museums gefunden.

Zur Rushhour ist die Bahn von Vorteil – zeitlich gesehn

Fazit: Zur Rushhour ist Bahnfahren entspannter; zur normalen Zeit ohne nennenswerte Rückstaus kommt man dagegen nicht schneller zum Ziel. Die Bahn im 5-Minuten-Takt ist prima – aber erheblich zu wenig, um Autofahrer zum Umstieg zu bewegen. Das ist was für „Gut gemischt mobil“ – wenn das Ziel an der 302-Strecke liegt. Über den Fahrpreis will ich gar nicht erst reden...!

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