Bildung

„Zukunftskompass“ für Schulabgänger in Gelsenkirchen

Bildungsdezernentin Annette Berg (links) und Referatsleiter Klaus Rostek hoffen, dass der „Zukunftskompass“ die Zahl jener, die die Schule ohne Perspektive verlassen, weiter sinken lässt.

Bildungsdezernentin Annette Berg (links) und Referatsleiter Klaus Rostek hoffen, dass der „Zukunftskompass“ die Zahl jener, die die Schule ohne Perspektive verlassen, weiter sinken lässt.

Foto: Gerd Kaemper / Stadt gelsenkirchen

Gelsenkirchen.  Das Projekt „Zukunftskompass“ will in Gelsenkirchen Schulabgängern auf den richtigen Weg danach helfen. Die Premiere läuft im Hans-Sachs-Haus.

An die 2700 Schüler werden in diesem Jahr die Schulen in Gelsenkirchen verlassen. Längst nicht alle wissen, wie es für sie weitergehen soll. Für sie hat die Stadt Gelsenkirchen das Projekt „Zukunftskompass“ gestartet. An zwei Tagen sind die Schulabgänger beziehungsweise -wechsler eingeladen, sich im Hans-Sachs-Haus – bei Beratern von Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Berufskollegs und Abendrealschule sowie dem Jobcenter eingehend zu orientieren über Möglichkeiten, die ihnen offenstehen. Bis zu fünf Beratungsstationen konnten Interessierte anwählen. 200 Jugendliche nutzten das freiwillige Angebot, meldeten sich für die Beratungsgespräche am Mittwoch und Donnerstag an.

Übergang zwischen Schule und Beruf weiter verbessern

Das Ziel des neuen Projektes, zu dem alle aktuellen Absolventen eingeladen wurden, ist es, die Übergänge zwischen Schule und Beruf weiter verbessern. In der Vergangenheit hatte es in Gelsenkirchen dramatisch hohe Zahlen von Schulabgängern ohne jeglichen Abschluss gegeben, zuletzt war deren Zahl zwar deutlich rückläufig, von 11,8 auf zuletzt 8,5 Prozent, das waren aber immer noch 246 Jugendliche, die zunächst ohne Perspektive die Schule verließen.

Wegweiser in Schüler- statt in Behördensprache

Bernd Zenker-Broekmann, Leiter der Koordinierungsstelle Übergang Schule-Beruf, hat das zweitägige Pilotprojekt mit Referatsleiter Klaus Rostek organisiert. Den Orientierungs-Wegweiser für die Beratungsstrecke im Hans-Sachs-Haus entwarfen Schüler des Berufskollegs Technik und Gestaltung – in ihrer Freizeit. „Es war mir wichtig, dass es nicht in Amtssprache verfasst ist, sondern in der Sprache der Schüler, damit sie sich angesprochen fühlen“, erklärt Zenker-Broekmann. Und weil ihn das Engagement der Berufsschüler so begeistert hat, hat er selbst die Wochenenden genutzt, um die vier farbigen Eingangstüren für das Event im HSH zu zimmern und streichen.

Berufskollegleiter: „Ich bin froh, dass hier die berufliche Bildung im Fokus steht“

Ralf Niebisch, Leiter des Berufskollegs am Goldberg (Ex-Eduard-Spranger), ist selbst gekommen zur Premiere: „Ich bin sehr froh über diese Aktion, bei der endlich auch mal die berufliche Bildung im Fokus steht statt nur höhere Abschlüsse und Ausbildungswege. Das ist gut für alle.“

Auch Alternativen für bereits Versorgte, aber Unzufriedene aufzeigen

Tatsächlich waren zu dem Beratungsmarathon ausdrücklich auch Jugendliche eingeladen, die eigentlich bereits einen Ausbildungsplatz haben, damit aber nur bedingt glücklich sind und sich zu Alternativen beraten lassen wollen. „Aber natürlich haben wir auch diejenigen im Blick, die noch nicht versorgt sind. Unser Ziel ist es auch, geeignete Bewerber für unbesetzte Ausbildungsplätze zu finden, ebenso wie den idealen Ausbildungsplatz für jeden zu finden“, ergänzt Klaus Rostek. Im Herbst wird es voraussichtlich eine Nachbereitungsveranstaltung geben. Zum einen, um nachhalten zu können, wie gut die Aktion gegriffen hat. Und zum anderen, um jene, die eventuell weiterhin auf der Suche und unversorgt sind, doch noch helfen zu können.

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