WAZ-Aktion

Ziegenmichel-Hof in Gelsenkirchen wird gutes Karma bestätigt

Im Färbergarten bewunderten die Gäste die Färbekraft von Pflanzen, denen man das gar nicht zutrauen würde. Hier stehen Sonja Gartmann (l.), Lucie Miedza und Hof-Pädagogin Rebecca Schüer vor den Kugeldisteln. Aus Bambus lässt sich übrigens wunderbar schwarz gewinnen.

Im Färbergarten bewunderten die Gäste die Färbekraft von Pflanzen, denen man das gar nicht zutrauen würde. Hier stehen Sonja Gartmann (l.), Lucie Miedza und Hof-Pädagogin Rebecca Schüer vor den Kugeldisteln. Aus Bambus lässt sich übrigens wunderbar schwarz gewinnen.

Foto: Foto: Martin Möller / Funke Fot

Gelsenkirchen.   In der Regel sind Kinder zu Gast im Ziegenmichel-Hof. Für die WAZ gewährte das Hof-Team jetzt auch Erwachsenen einen Bick hinter die Kulissen.

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„Bei uns ist es spannend, nicht nur für Kinder“, verspricht Stefanie Tietze von der Betriebsleitung den Teilnehmern der Führung über das Gelände des „Ziegenmichel“-Hofes. Um es gleich zu sagen: Am Ende geben ihr alle Recht. Aber jetzt will ein Teilnehmer erstmal wissen: „Warum heißt das eigentlich Ziegenmichel?“ Die Lösung: Der Initiator des Projektes mit den glücklichen Ziegen heißt mit Vornamen Michael (mit Nachnamen Lorenz) – und schnell nannte man ihn nur noch den Ziegenmichel, und die gute Idee hatte einen Namen.

Konzipiert ist der Ziegenmichel-Hof als außerschulische Bildungseinrichtung für Kinder verschiedener Altersgruppen. Artgerechte Tierhaltung, Umweltschutz, gesunde Ernährung und Bewegung sind die Hauptthemen, die Heranwachsenden sehr konkret näher gebracht werden. Zur Begrüßung gibt es für die WAZ-Leser denn auch selbstgemachte Bio-Limonade. Mit selbstgezogenen Zitronen („im Winter müssen die Bäume aber schon geschützt werden“) und Minze. Sauer, aber lecker.

40 Hektar werden bewirtschaftet, drei Gärtner kümmern sich um die Gärten

Beim Eintritt ins blühende Paradies gibt es bewundernde Aahs und Oohs von den Gästen. Der Garten, in dem Eltern (oder Lehrer) und Kinder empfangen werden, hat Märchenqualitäten. Inseln mit in allen Farben blühenden Stauden, Kräutern, schattigen Plätzchen, wild gemischt und dennoch vorbildlich gepflegt. „Wieviele Gärtner haben Sie denn?“ fragt Edith Samoray. Es sind drei Vollzeitkräfte, räumt Stefanie Tietze ein. „Es soll ja auch schön aussehen. Atmosphäre, gutes Karma, guter Umgang mit der Welt – das macht diesen Hof aus“, betont sie. Nebenbei erfahren die Gäste, dass die gute Behandlung und Atmosphäre sich nicht nur positiv auf die Kinder, sondern auch auf die Lebenserwartung der Tiere auswirkt. „Unsere älteste Ziege ist 26 Jahre. Normal werden sie höchstens 14 Jahre“, erklärt Landwirtin Sabine Müller. Wenn Ziege, Huhn oder Kaninchen sterben, werden sie ordentlich bestattet statt entsorgt oder gar gegessen: „Wir haben hier einen riesigen Kuscheltierfriedhof. Das gehört dazu“, erklärt Stefanie Tietze.

Zur Philosophie gehört auch, dass Gäste die Ziegen nicht gnadenlos streicheln dürfen, sondern nur, wenn die Tiere selbst zu ihnen kommen. Das Gehege bleibt sicheres Rückzugsgebiet. Anzufassen gibt es auf dem Hof auch so genug. Im Steinzeit-Haus etwa, wo Kinder lernen, selbst Feuer zu machen mit Holz und Feuerstein, im in den Boden gemauerten Ofen, der Fußbodenheizung der Steinzeit. Oder im Kochhaus, wo Kinder für ihre Eltern kochen, über offenem Feuer in dreibeinigen Töpfen, mit Kräutern und Frischem aus der Region.

In vielen Familien wird gar nicht mehr frisch gekocht und gemeinsam gegessen

„Viele Kinder kennen das gemeinsame Koch- und Esserlebnis heute gar nicht mehr. Wir zeigen ihnen hier, wieviel Spaß es macht, zusammen am großen Tisch zu sitzen, gemeinsam zu essen und zu reden. In Familien mit Migrationshintergrund ist frisch Kochen und gemeinsames Essen noch eher selbstverständlich, die Kultur ist da anders, haben wir bemerkt,“ erklärt Rebecca Schüer, die Pädagogin im Hause, die auch Kreativkurse mit Naturmaterialien anbietet. WAZ-Leserin Mechthild van Wesel ist erstaunt, dass das gemeinsame Essen nicht mehr selbstverständlich ist in Familien. Umso besser gefällt ihr das Hof-Angebot.

Abenteuer-Tour mit dem Trecker über das Gelände zum Abschluss

Zum Schluss gibt es für die WAZ-Gäste ein abenteuerliches Extra vom Hof. Sabine Müller hat einen Anhänger im Bollerwagen-Stil an den Trecker gehängt. Bis zu acht Menschen passen drauf, um das 40 Hektar Hofgelände samt Maisfeldern und Graswirtschaft zu erkunden. Über holprige Wirtschaftswege, zwischen dichten Sträuchern hindurch führt die Fahrt. „Wie grün Gelsenkirchen ist“, staunt Sonja Gartmann. Da alle mitwollen, startet die Treckertour zweimal. Am Ende sind alle staubig – und vom Ziegenmichel überzeugt.

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