21. Gelsenkirchener Weihnachtscircus

Zeltbau für Fortgeschrittene beim Circus Probst

Nachtblau ist der Zelthimmel. Andreas Probst (27), technischer Leiter im Zirkusunternehmen seiner Eltern, war für den Aufbau zuständig

Foto: Martin Möller

Nachtblau ist der Zelthimmel. Andreas Probst (27), technischer Leiter im Zirkusunternehmen seiner Eltern, war für den Aufbau zuständig Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.   Für den 21. Weihnachtscircus im Revierpark hat die Familie Probst ein größeres Zelt fertigen lassen. Allein die Hülle wiegt 6,5 Tonnen.

41,50 Meter Durchmesser, 16,50 Meter hoch bis zur Spitze der vier Stahlmasten, gehalten von 180 massiven, tief eingeschlagenen Erdankern – und Platz für exakt 1497 Besucher: Das sind die Maße aller Dinge, die ab dieser Weihnachtssaison für den Circus Probst gelten. Der Familienbetrieb hat für den 21. Gelsenkirchener Weihnachtscircus kräftig aufgerüstet und sechsstellig investiert. In Italien wurde, natürlich in Rot-Gelb, den Probst-Farben, ein neues Hauptzelt bestellt, zudem wurde die Bestuhlung erweitert. Das Ergebnis ist beachtlich. Chapeau, Chapiteau!

Zweites Zelt steht jetzt in Krefeld

Der Weihnachtscircus ist wichtiges Standbein des Jahresgeschäfts für die Probsts. Hier muss und soll die finanzielle Basis für die Tourneezeit eingespielt werden. Dass in den vergangenen Jahren bei den Vorstellungen zwischen Weihnachten und Neujahr mehrere Hundert Besucher abgewiesen werden mussten, weil die Shows ausverkauft waren, hatte Folgen: die sind nun auf dem Stellplatz im Revierpark Nienhausen zu sehen. Dort steht das neue Hauptzelt, flankiert von Stall- und Bistro-Zelten, eingebettet in eine wachsende Wagenburg. In der Spitze werden hier 70, 80 Artisten und Akteure aus zwölf Nationen und mehr als 70 Tiere aus aller Welt eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft auf Zeit bilden.

Das Vorgänger-Zelt, ausgelegt für 1200 Plätze, Baujahr 2010 und damit nicht wirklich alt, wurde in Krefeld hochgezogen. Dort gastieren die Probsts zeitgleich mit einem weiteren Weihnachtscircus. In den vergangenen Spielzeiten wurde für das Gastspiel dort stets ein Zelt gemietet. Dies nun zu ändern, „war die richtige Entscheidung“, glaubt Circus-Direktorin Brigitte Probst. Vom Büro-Wagen blickt sie auf das neue Hauptzelt und ist begeistert: „Das steht perfekt, keine Falte, alles passt. Super!“

Der Aufbau hat fast zweieinhalb Tage gedauert

Der Aufbau, sonst Sache von wenigen Stunden, hat diesmal fast zweieinhalb Tage gedauert. Auf Paletten wurden die Bauteile mit dem Radlader grob in Position gebracht. Spanngurte mussten erstmals eingezogen, Rondellstangen eingebunden werden. 6,5 Tonnen wiegt allein die Zelthülle – ohne Gestänge, ohne Masten ohne Anker. Vier große Zeltsegmente, mehrere Dachteile und Seitenbereiche galt es zu einem großen Ganzen zusammen zu fügen und über Motorwinden aufzuziehen, schließlich zentimetergenau die – gebraucht gekaufte – neue Bestuhlung auf vier großen Viertelradien einzupassen. Andy Probst, seit seinem 18. Lebensjahr im Familienunternehmen vornehmlich für die Technik, die Beleuchtung und die Akustik im Einsatz, hat mit einer achtköpfigen Crew ganze Arbeit geleistet.

Beleuchtung und die Showtechnik optimiert

„Die Manege“ hat das Circus-Kind „nie gereizt. Als kleiner Junge habe ich immer schon den Auf- und Abbau verfolgt und habe lieber die Lkw rangiert.“ Unter seiner Regie wurde jetzt auch noch einmal bei der Beleuchtung und der Showtechnik „eine Schüppe draufgelegt. Das Programm lebt ja auch von solchen Effekten: der Musik, dem Licht zu den Darbietungen“, glaubt der 27-Jährige. Mit den Jahren hat er sich die nötige Expertise angeeignet. „Man macht das, was man kann“, sagt er. „Ich habe immer so lange getüftelt, bis ich es hinkriege. Und im Zweifelsfall holt man sich Rat.“

Auch in Krefeld richtet Andreas Probst Zelt und Technik ein. In den letzten Tagen tourte er regelmäßig zwischen den Standplätzen. Die Grundlagen stehen nun hüben wie drüben, jetzt geht es an die Details. Noch fehlt der Verbindungstunnel für Vor- und Hauptzelt, die Dekoration, der Gastronomiebereich, die Planken für die Logen. Zigtausend Dinge, die es noch zu bauen, zu werkeln, zu richten gilt. Und ein wichtiger Akt fehlt ebenfalls noch: die Zelt-Segnung. Bei uns, sagt Brigitte Probst, „wird kein Zelt genutzt, das nicht gesegnet ist.“

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