Kunst am Baum

Kunst am Baum: Wipfeltreffen mit Cowboy und Indianer

Treffen sich ein Cowboy und ein Indianer oben im Baum: Der Bildhauer Reinhard Osiander hat sich für das „Kunst am Baum“-Projekt etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Treffen sich ein Cowboy und ein Indianer oben im Baum: Der Bildhauer Reinhard Osiander hat sich für das „Kunst am Baum“-Projekt etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Foto: Heinrich Jung

Gelsenkirchen.   Der Bremer Bildhauer Reinhard Osiander gestaltete für die Aktion „Kunst am Baum“ eine Esche in den Berger Anlagen in Gelsenkirchen

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Wenn sich Cowboys und Indianer in der Prärie treffen, kann es schon einmal zu Missverständnissen kommen – so entstand unter anderem auch der Witz mit der Flussziege, weil beide ihre Zeichensprachen unterschiedlich deuteten.

In den Berger Anlagen hingegen stehen sich Cowboy und Indianer ganz friedlich gegenüber, hoch oben, in den Wipfeln einer alten Esche. Dort hineingearbeitet hat sie der Bremer Bildhauer Reinhard Osiander, der in diesem Jahr vom Kunstverein Gelsenkirchen für die Aktion „Kunst am Baum“ ausgewählt worden ist. In Anlehnung an den Witz hat er seine Arbeit „Flussziege“ genannt.

Kindheitserinnerungen verarbeitet

„Die Begegnung von Cowboy und Indianer steht für mich – wie der Kinderwitz von der Flussziege – für Kindheitserinnerungen. Und als ich die Esche mit dem doppelten Stamm in den Berger Anlagen sah, hatte ich schnell dieses Bild im Kopf“, erklärt der Künstler. Die Umsetzung seines Entwurfes gestaltete sich indes schwieriger als zunächst gedacht. „Die Skulpturen werden ja direkt am Baum gefertigt. Da steht man dann bei dem heißen Wetter draußen hoch oben auf einem Gerüst und bearbeitet die Baumstämme. Das ist schon ein ganz schön hartes Stück arbeit“, sagt Reinhard Osiander schmunzelnd.

Baum war durch Pilzbefall dem Tode geweiht

Die Esche, die nun seine beiden bunten Figuren trägt, war eigentlich dem Tode geweiht. „Rund 90 Prozent der Eschen sind von einem Pilz befallen, und auch diesen Baum hatte es erwischt“, erklärt Ulrich Daduna vom Kunstverein. Nun jedoch wird sie vorerst nicht gefällt, sondern darf als Kunstwerk verwittern. So wie die veredelten Pappeln in ihrer Nachbarschaft. „Von denen sind kaum noch welche zu sehen, aber das ist ein Teil unseres Konzeptes: Dass diese Kunst am Baum nur für eine begrenzte Zeit zu sehen ist“, so Daduna.

Von bleibendem Wert hingegen sind die Arbeiten, die Reinhard Osiander bis zum 9. September im Kunstmuseum an der Horster Straße 5-7 zeigt: Kunstvoll gestaltete Wand-Collagen, die der Bildhauer aus einzelnen Holzstücken zusammengesetzt hat, treffen hier auf geschnitzte und bunt kolorierte Skulpturen. „Die Ideen zu meinen Arbeiten kommen mir oft auf dem Flohmarkt, etwa wenn ich alte Postkarten sehe“, erzählt der Wahl-Bremer. So entstand auch das überdimensionale Kriegsschiff aus Holz, das hier etwas aus dem Rahmen fällt. „Ein kleines Holzmodell davon habe ich auf einem Flohmarkt entdeckt“, verrät der Künstler, der eine große Version davon schuf. So faszinierend echt, dass sich beim ersten Rundgang gleich eine Schülergruppe darum scharte.

>> Feierliche Eröffnung

Am morgigen Sonntag, 8. Juli, wird „Die Flussziege“ in den Berger Anlagen an der Adenauerallee ab 11.30 Uhr der Öffentlichkeit vorgestellt. Am Donnerstag, 12. Juli, gibt es ab 15 Uhr einen Kunstspaziergang zum Werk. (Treffpunkt: gegenüber dem Parkplatz von Schloss Berge), am 29. Juli folgt eine öffentliche Führung durch die Museumsausstellung.

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