Angriff

Politikerin in Gelsenkirchen glaubt an rassistische Attacke

Zur Fraktionssitzung ins Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen wollte Ayse B. am Montag, als sie gegen 16.40 Uhr massiv bedroht und von einem Angreifer verletzt wurde.

Foto: Oliver Mengedoht

Zur Fraktionssitzung ins Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen wollte Ayse B. am Montag, als sie gegen 16.40 Uhr massiv bedroht und von einem Angreifer verletzt wurde. Foto: Oliver Mengedoht

Gelsenkirchen.   Die Ratsfraktion der Wählerinitiative WIN und das Opfer gehen von einem fremdenfeindlichem Angriff aus. 42-Jährige Politkerin liegt im Krankenhaus.

„Radfahrer schlägt auf Autofahrerin ein“ – unter dieser Überschrift berichtete die Polizei Gelsenkirchen Dienstag über einen Zwischenfall am Hans-Sachs-Haus. Die Kurzversion: Eine 42-Jährige Autofahrerin überholt gegen 16.40 Uhr einen 37 Jahre alten Radler, der fühlt sich bedrängt, holt die Frau ein, beleidigt sie, reißt ihre Autotüre auf, schlägt auf sie ein.

Auch ein Passant, der sich einmischt und der Frau helfen will, wird von dem 37-Jährigen attackiert und leicht verletzt. Die Polizei, heißt es, „nahm die Personalien der beteiligten Personen auf und leitete ein Strafverfahren ein“.

Ayse B. im Beirat für Menschen mit Behinderungen

Die Frau – ist Ayse B. eine eher zierliche Frau, die im Alltag Kopftuch trägt. Für die WIN-Ratsfraktion sitzt sie im Beirat für Menschen mit Behinderungen. Eine Schulterverletzung, Prellungen und Schwellungen trug sie davon. „Sie ist dramatisch schlecht zurecht. Das ist eine unglaubliche Geschichte. Die Frau hat die ganze Nacht nicht geschlafen“, sagt Psychiater Dr. Ayhan Yavuz, Leitender Oberarzt an den Ev. Kliniken. Nicht nur körperlich sei das Opfer angeschlagen, sondern vor allem emotional und seelisch. Denn die Attacke erlebte die Gelsenkirchenerin als massiven fremdenfeindlichen Angriff. So wertet es auch die WIN-Fraktion im Rat.

Auf dem Weg zur Fraktionssitzung suchte die 42-Jährige Montag gegen 17.40 Uhr am Hans-Sachs-Haus einen Parkplatz, als sie unvermittelt schwer angegangen, geschlagen, getreten und übel rassistisch beschimpft wurde. Der Angreifer, so WIN-Ratsherr Ali-Riza Akyol, habe dabei Todesdrohungen ausgestoßen. „Der Mann war völlig außer sich.“

Passanten eilen dem Opfer zur Hilfe

Passanten eilten dem Opfer zur Hilfe, wurden auch angegangen, ein junger Mann rang schließlich mit dem Angreifer, wurde verletzt. Eine deutsche Frau kümmerte sich um die 42-Jährige. „Der Passant und die Dame haben mich sehr unterstützt“, sagt Ayse B. „Ich habe am ganzen Körper gezittert. Das war ein ganz großer Schock für mich. Ich bin hier aufgewachsen und hätte mir niemals vorstellen können, dass mir so etwas passiert.“

Die 42-Jährige beschäftigt nachhaltig, dass ein Polizist erst nach mehreren Anläufen die Personalien einer Frau aufgenommen habe, die den Vorfall bezeugen wollte.

Für die Polizei, betonte Sprecher Christian Zander, habe sich die Sachlage „im ersten Angriff“ anders dargestellt. Natürlich habe es krasse Beleidigungen gegeben, aber „keine Anzeichen für einen fremdenfeindlichen Übergriff. Wir haben den Sachverhalt mit den Fakten, die wir hatten, veröffentlicht.“ Nun werde selbstverständlich weiter ermittelt.

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