Hitzewoche

Wie sich Gelsenkirchen auf die Hitzewoche vorbereitet

Bei Temperaturen über 30 Grad Celsius suchen die Menschen in Gelsenkirchen Abkühlung auf unterschiedliche Weise. Diese junge Frau lässt sich den Wind von einem Ventilator durchs Haar wehen.

Bei Temperaturen über 30 Grad Celsius suchen die Menschen in Gelsenkirchen Abkühlung auf unterschiedliche Weise. Diese junge Frau lässt sich den Wind von einem Ventilator durchs Haar wehen.

Foto: Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Wetterexperten sagen eine Hitzewoche mit Temperaturen auf Rekordniveau voraus. Wie sich Menschen und Tiere geschützt werden, wer alarmiert ist.

Temperaturen auf Rekordkurs, gleißender Sonnenschein über mehr als zehn Stunden täglich. Wie bereitet sich Gelsenkirchen auf die Hitze vor? Welche Regeln gelten in Unternehmen und bei Behörden? Ein Einblick.

Schulen

Jede Schule entscheidet selbst, ob hitzefrei gegeben wird oder nicht. Laut Landeserlass gilt als Richtlinie eine Temperatur von 27 Grad im Klassenzimmer. Wird diese Marke erreicht oder gar überschritten, darf die Schulleitung hitzefrei geben. Allerdings gilt das nur bis zum zehnten Jahrgang. Schüler der Sekundarstufe II – Oberstufen- und Berufsschüler – müssen durchhalten. In Gelsenkirchen haben sich jetzt die meisten Grund- und weiterführenden Schulen für hitzefrei entschieden. Auf jeden Fall für den Mittwoch, vielfach aber auch schon vorher. Die Gesamtschule Buer-Mitte etwa beendet den Unterricht am Mittwoch bereits ab 10.30 Uhr, das Max-Planck-Gymnasium entlässt die jüngeren Schüler am Dienstag, Donnerstag und Freitag nach der vierten Stunde. Am Mittwoch stehen noch Abiturprüfungen an, alle anderen hatten an dem Tag dort ohnehin frei.

An der Gertrud-Bäumer-Realschule als Ganztagsschule gibt es bis Mittwoch inklusive hitzefrei ab 13.15 Uhr. Unterrichtet wird mit Kurzstunden, um zu verhindern, dass ganze Fächer ausfallen. An den Grundschulen ist in der Regel etwas früher hitzefrei, an der Georgstraße etwa ist die ganze Woche über ab 10.45 Uhr Unterrichtsende. Die Betreuung ist allerdings an allen Schulen für die angemeldeten Betreuungskinder gewährleistet. Früher gehen dürfen sie nur nach Absprache mit den Eltern. Nachgehalten, welche Schulen hitzefrei machen, wird von der Stadt nicht. Keine Chance auf „Gnade“ haben Abiturienten, die noch in eine Abweichungsprüfung oder Nachholklausur müssen: Zwar empfiehlt ein Erlass der Schulaufsicht in Münster, Klausuren nicht an besonders heißen Tagen schreiben zu lassen. Abiturprüfungen aber sind nicht verschiebbar.

Behörden

In den vergangenen Jahren hat sich beim Dresscode eine Menge geändert. „Spätestens seit dem US-Präsidenten Barack Obama, der fast nie eine Krawatte trug, sind die Regeln in vielen Bereichen gelockert worden“, sagt Oliver Schäfer, Pressesprecher der Stadt. Für die städtischen Mitarbeiter gebe es keine geschriebenen Regeln, wie sie sich zu kleiden haben. Aber man dürfe schon in kurzärmeligen Hemden zur Arbeit kommen. „Es gibt ja auch für extrem heiße Tage bequeme Kleidung, die schick aussieht.“

Banken

Selbst bei den Banken haben sich die Zeiten geändert. „In dem brutal heißen Sommer 2018 wurden die Vorschriften gelockert. Dann kam von den Mitarbeitern die Anregung, ob man nicht generell über andere Regeln nachdenken kann“, berichtet Jörg Lott, Bereichsleiter Privatkunde bei der Volksbank Ruhr Mitte. Auch die Kunden würden es mittlerweile als angenehmer empfinden, wenn es ein wenig legerer zugeht. Seit April dieses Jahres ist für die Herren Anzug und Krawatte nicht Pflicht, für die Damen Kostüm oder Hosenanzug kein Muss mehr. „Aber wir legen schon Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Jeans, Flip-Flops oder Turnschuhe gehen gar nicht.“ Es müssen geschlossene Schuhe sein, eine Chino-Hose ist in Ordnung. „Die Räume bei uns sind alle klimatisiert, aber am Mittwoch, dem wohl heißesten Tag in dieser Woche, wird es für alle ein Eis geben“, sagt Lott.

Auch die Sparkasse will ihren Mitarbeitern das Arbeitsleben in diesen Tagen erleichtern. „Sie erhalten kostenloses Mineralwasser, in nicht klimatisierten Räumen werden Ventilatoren bereit gestellt, auch bei der Kleidung gibt es Zugeständnisse. Laut neuem Dresscode darf bis auf Ausnahmesituationen auf die Krawatte verzichtet werden. „Die neue Sparkassenmode ist lockerer, individueller“, sagt Sprecher Udo Kramer. „Bei der Hitze sind auch kurzärmelige Hemden möglich, das Sakko kann wegfallen.“

Feuerwehr

Die Feuerwehr ist auf alle Eventualitäten vorbereitet. „Wir haben aber nicht mehr Fahrzeuge als normalerweise. Wenn erhöhter Bedarf besteht, können wir immer auf andere Hilfsorganisationen zurückgreifen“, sagt der Leiter der Feuerwehr, Michael Axinger. Man habe aber festgestellt, dass viele ältere Menschen auf die Ratschläge hören, die die Feuerwehr veröffentlicht, oder die Medien publizieren. Also viel trinken, nicht direkt in die Sonne gehen, Schatten bevorzugen, keinen Sport treiben bei großer Hitze. Auch, was das erhöhte Risiko von Bränden angeht, sei man gewappnet. Schon eine Scherbe kann einen Brand auslösen, etwa auf einer Halde oder im Wald. „Am Abend oder an Wochenenden ist das kein Problem, denn da können wir jederzeit auf die Freiwillige Feuerwehr zurückgreifen. Ansonsten versuchen wir, die Freiwilligen nicht unbedingt vom Arbeitsplatz wegzuholen“, sagt Axinger.

Hotel

Auch beim Maritim sind die Regeln nicht mehr so streng wie früher. „Bei so großer Hitze dürfen an der Rezeption und auf der Terrasse die Mitarbeiterinnen auf das Halstuch verzichten und die Mitarbeiter auf die Krawatte“, erklärt der Direktor des Maritim Gelsenkirchen, Jochen Römisch. Man versorge das Personal mit ausreichend Getränken und in diesen Tagen mit leichten Speisen, Salaten zum Beispiel. „Wir haben auch weiße Poloshirts bestellt, die aber noch nicht eingetroffen sind“, berichtet Römisch. Denn das Maritim wisse, was es heißt, bei so großer Hitze zu arbeiten. In dieser Woche soll den Mitarbeitern auf jeden Fall ein Eis spendiert werden – als Aufmunterung und Anerkennung.

Stadtwerke, Bäder

Bei den Stadtwerken als Badbetreiber beruft man sich auf die Richtlinie zur Verkehrssicherungs- und Aufsichtspflicht in öffentlichen Bädern während des Badebetriebes der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Kein zusätzliches Wort darüber, ob Gäste beispielsweise durch Schilder, Ansagen oder persönliche Gespräche vor den Gefahren der Hitze (Sonnenbrand, Dehydrierung, Sonnenstich etc.) gewarnt werden. Ob Personal ob des möglichen Andrangs aufgestockt wird? Antwort: „Natürlich ist ein Kriterium für unsere Personalbemessung die zu erwartende Besucherzahl in Abhängigkeit der zu erwartenden Wetterlage.“

Kirche

Die angenehm kühlen Orte, die Kirchen, nutzen viele Menschen, für eine besinnliche Abkühlung. Das weiß Pastor Mirco Quint von St. Augustinus. „Es ist tatsächlich so, dass bei großer Hitze oder plötzlichen Regenschauern viele in die Kirche gehen. Schön, denn so kommt man ins Gespräch“, sagt er. Die Fenster seien zwar sehr groß, aber durch das bunte Glas dringe die Hitze nicht gut durch. „Es gibt zwar kein Thermometer in der Kirche, aber ich schätze, dass so um die 20 Grad in der Kirche herrschen“, sagt er.

Zoom, Tierheim

„Schieber auf!“ und „Wasser marsch!“ heißt es in der Zoom Erlebniswelt. Die Stallungen sind bei großer Hitze geöffnet, so dass die Tiere im Innern der (Beton-)Gebäude Abkühlung finden, falls sie nicht ohnehin schon mittendrin sitzen: Braun- und Eisbären nehmen gerade ausgiebig Bäder im Wasser oder chillen im Schatten. Wassersprenger an den Wegen sorgen zudem dafür, dass die Luft abkühlt und die Pfade nicht zur Staubwüste werden. Außerdem gibt es im Zuge des Beschäftigungs-/Förderprogramms Eistorten, in denen Leckerbissen verborgen sind.

Das Tierheim schließt nicht wie andernorts seine Türen. Für die 250 Tiere in ihren Boxen und Käfigen sind Ventilatoren zur Abkühlung aufgestellt worden.

Straßen.NRW

Den wohl heißesten Job haben wohl derzeit die Bauarbeiter, die für Straßen.NRW beispielsweise auf der A42 in Höhe GE-Zentrum Asphalt auftragen. Temperatur: jenseits der 100 Grad Celsius-Marke. Oder die, die in gleißender Sonne die Leitplanken auswechseln und das Grün schneiden. Nach Angaben einer Sprecherin dürfen die Kolonnen nach Absprache bereits zwei Stunden früher anfangen, also schon um 5 Uhr, um der Hitze zu entgehen. Sie hören dafür auch früher auf, was mitunter den Eindruck „verwaister Baustellen hinterlässt“.

Außerdem werden den Straßen.NRW-Werkern Schutzkleidung, Kappen und Sonnencreme zur Verfügung gestellt. Für Trinkwasser allerdings müssen sie selbst sorgen.

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