Studie

Hochschule erforscht Handy-Kommunikation Geflüchteter

Das Handy als Verbindung zur Familie und Basis für den Informationsaustausch: Was Geflüchtete mitteilen, interessiert das Institut für Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule im Rahmen einer Stuidie. Foto: dpa/Marijan Murat

Das Handy als Verbindung zur Familie und Basis für den Informationsaustausch: Was Geflüchtete mitteilen, interessiert das Institut für Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule im Rahmen einer Stuidie. Foto: dpa/Marijan Murat

Gelsenkirchen.  Was wissen Flüchtlinge über Deutschland, welches Bild vermitteln sie? Eine Forscherin der Westfälische Hochschule wertet die Trend-Studie aus.

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Es war eines der ausgezeichneten World-Press-Photos des Jahres 2014. Es zeigt afrikanische Flüchtlinge abends am Strand von Dschibuty, die versuchen, per Handy mit ihrer Heimat in Kontakt zu kommen. Handy und Smartphone – sie sind die Fluchtbegleiter, oft einzige Brücken zur Familie in den Herkunftsländern, aber auch wichtigstes Informations-Medium für Flüchtlinge.

Für das IAT, das Institut für Arbeit und Technik an der Westfälischen Hochschule (WH) , wird die Nutzung auf den Fluchtwegen jetzt Thema für eine Trend-Studie. Die Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Alexandra David, 39, erforscht die „digitalen Wissensflüsse Geflüchteter“. Kooperationspartner ist die italienische Universität Macerata.

Eins der ausgezeichneten World-Press-Photos des Jahres 2014: Es zeigt afrikanische Flüchtlinge abends am Strand von Dschibuty. Mythen über das Ziel-/ oder Ankunftsland

NRW und die italienische Region Marken rund um die Adriastadt Ancona sind beide starke Erstaufnahmeregionen. Hier wie dort will das IAT Flüchtlinge befragen – online. Das entsprechende mehrsprachige Portal steht, über verschiedene Flüchtlingsnetzwerke sollen Teilnehmer erreicht werden. David erfragt unter anderem, welche Informationen beispielsweise per „Whatsapp“ zwischen Herkunfts- und Ankunftsregion ausgetauscht werden, was über den Fluchtweg, den Arbeitsmarkt oder die soziokulturelle Lage des Ziellandes mitgeteilt wird.

Kurzstudie mit 36 (anonym) zu beantwortenden Fragen

Besonders interessiert David, die sich für den Forschungsschwerpunkt „Arbeit und Wandel“ am IAT mit Migration und Fluchtmigration beschäftigt, ob vielleicht Mythen über das Ziel-/ oder Ankunftsland verbreitetet werden.. Eben, ob die eigene Situation beschönigend dargestellt wird. Und wiederum, ob diese Informationen den Nachzug oder Kettenmigration aus Syrien und anderen Ländern nach Deutschland oder Italien beeinflussen. Wichtig ist uns zu klären,ob Smartphones bereits auf der Flucht genutzt wurden und ob der Informationsaustausch die Wahl des Ziellands beeinflusst hat. Und wir wollten wissen, ob Flüchtlinge ihre Situation 1:1 darstellen“, so die Wissenschaftlerin.

Die Kurzstudie mit 36 (anonym) zu beantwortenden Fragen wird nur bedingt repräsentativ sein. „Aber es ist schon super, wenn wir Trends aufzeigen können. Dazu reichen schon so um die 30 Teilnehmer hier und in Italien. Wir brauchen einfach mehr Informationen über diese Zielgruppe.“

Das neue Fenster zur Außenwelt

Es sind oft die jungen Männer, die sich auf den Weg machen, denen von der Familie die Flucht finanziert wird. Die Hoffnung, dass sie künftig für ihre Angehörigen in den Heimatländern sorgen werden, scheint groß. „Die sollen Geld schicken und schnell Arbeit finden. Da wird schon ein gewisser Mythos aufgebaut“, glaubt David. Und: „Deshalb zeigen die Betroffenen oft auch kein Interesse an einer dreijährigen Ausbildung.

Generell, stellt David fest, gelte für jeden Migranten, ob aus Osteuropa oder Afrika „mehr oder minder der normale Trend, dass er zunächst einmal in seiner Qualifikation degradiert ist, weil sein Abschluss beispielsweise hier nicht anerkannt wird.“ Wie damit umzugehen ist, vor allem aber, wie man Betroffene schneller und besser integrieren kann, auch das beschäftigt das IAT.

Mit ein paar Vorurteilen aufräumen

Nebenbei will Alexandra David noch dazu betragen, mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen: „Es geht mir auch etwas um die Aufklärung der Zivilgesellschaft. Dort heißt es ja immer plakativ über Flüchtlinge: Die leben alle auf unsere Kosten und haben alle teure Smartphones.“ Egal, ob es sich um einen Kriegs- oder ökonomischen Flüchtling handele – für alle sei das Handy das „neue schnelle Fenster“ zur Außenwelt.

Erste Ergebnisse will David Anfang Oktober auf einem Fachkongress in Tübingen vorstellen.

Der Link zur Umfrage:

http://survey.unimc.it/index.php?r=survey/index&sid=944286&lang=en

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