Gesundheit

Wenn sich der Milchzahn zeigt, sollen Kinder zum Zahnarzt

Die sechsjährige Aviva zeigt das neue zahnärztliche Kinderuntersuchungsheft.

Foto: WAZ

Die sechsjährige Aviva zeigt das neue zahnärztliche Kinderuntersuchungsheft. Foto: WAZ

Gelsenkirchen.  Gestern wurde in Gelsenkirchen das zahnärztliche Vorsorgeheft vorgestellt. Die Stadt gilt als Vorreiter für die Erstellung des Untersuchungsheftes. Es ist eine Ergänzung zum bisherigen Gesundheitspass für die regelmäßigen Untersuchungen beim Kinderarzt. Eltern sollen für ihre Kinder die U-Kontrollen beim Zahnarzt vom ersten bis zum sechsten Lebensjahr wahrnehmen.

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Welche Eltern kommen schon auf die Idee, beim ersten Milchzahn ihres Jüngsten gleich zum Zahnarzt zu laufen. Sollten sie aber. Und damit die Vorsorge auch systematisch erfolgen kann, gibt es für den Nachwuchs jetzt ein Untersuchungsheft, in dem die Zahnentwicklung festgehalten ist. Die U-Hefte für die Vorsorge beim Kinderarzt sind Eltern längst bekannt.

Um den allgemeinen geistigen und körperlichen Zustand festzustellen, wird ein Säugling gleich nach der Geburt untersucht. Die Kleinkinder haben bereits die U6 beim Kinderarzt hinter sich, wenn zum ersten Mal der Zahnarzt zum Check bittet und ihnen in den Mund schaut.

Weniger zuckerhaltige Getränke

Wenn sich der erste Milchzahn im Kiefer verliert, ist es Zeit, den Zahnarzt aufzusuchen. Das sollte nach zehn bis zwölf Monaten so weit sein. Dr. Dagwin Lauer, Vorsitzender des Arbeitskreises Zahngesundheit Gelsenkirchen, sieht die Stadt in der Vorreiterrolle: „Stadt und Zahnärzteschaft haben schon lange angeregt, die zahnärztliche Untersuchung an die gelben U-Hefte zu koppeln. „Das sei jetzt mit Unterstützung der Kammer und des Landes gelungen. Dabei gehen die Zahnärzte auch auf die multikulturelle Gesellschaft ein und wenden sich gleich in vier Sprachen - in deutsch, englisch, russisch und türkisch - an die Eltern.

„Wir müssen Kindern schon früh vermitteln, dass ein Zahnarztbesuch nichts anderes ist als eine Visite im Park“, meint Dagwin Lauer. Bisher tauchten viele Eltern häufig erst dann mit ihrem Sprössling beim Zahnarzt auf, wenn es allzu sehr zwickte. Da konnte so mancher Zahnpatient mitunter schon vier Lebensjahre hinter sich haben. Doch gerade die frühzeitige Vorsorge kann einer Fehlentwicklung der Zähne vorbeugen. „So kann zu intensives Daumenlutschen zu Kiefer- oder Zahnfehlstellungen führen“, weiß Dr. Ralf Rieger, Bezirksstellenvorsitzender der Gelsenkirchener Zahnärzte. Und wenn der Schnuller auch nach dem 3. Lebensjahr noch zur festen Grundausstattung gehört, dann könnte als Folge ein offener Biss die Nahrungsaufnahme erschweren.

Nach eineinhalb Jahren sollten Kinder aus dem Becher trinken. Fehlentwicklungen seien zu 80 Prozent selbst verschuldet, sagt Dr. Rieger. Die Zahnmediziner raten Eltern, ihre Kinder sehr zurückhaltend mit zuckerhaltigen Getränken zu versorgen, um Karies nicht zu fördern. So recht ins Bild passt es da nicht, dass der Schulkakao auch noch vom Land subventioniert wird. Milch, Tee oder Wasser wären ideale Durstlöscher. Das Gesamtbild in Gelsenkirchen sehen die Zahnmediziner dennoch positiv. Dr. Ralf Rieger: „75 Prozent der Zahnschäden entfallen auf 25 Prozent der Kinder. Und die wollen wir mit dem Vorsorgeheft erreichen.

Kliniken halten zahnärztlichen Gesundheitspass bereit

Eltern erhalten ab Dezember für Neugeborene das zahnärztliche Untersuchungsheft in den Krankenhäusern der Stadt. In den Untersuchungen UZ1 bis UZ6 werden neben dem Zustand der Zähne auch Ernährungs- und Putzgewohnheiten überprüft. Den Eltern werden mit den Regeluntersuchungen Hilfen an die Hand gegeben, sich noch mehr um die Mundgesundheit ihrer Kinder kümmern zu können.

Bisher hatten Zahnärzte bemängelt, dass sie vor allem Risikogruppen nicht in ausreichendem Maße erreichen können. Land und Zahnärztekammer gehen davon aus, dass der „Kinderpass“ von den Eltern gut angenommen wird. Denn den meisten ist das gelbe Vorsorgeheft durch regelmäßige Untersuchungen bei Kinderärzten vertraut.

Die neu aufgelegten zahnärztlichen Untersuchungshefte sollen bei den Kinderärzten und Entbindungskliniken in Gelsenkirchen erhältlich sein. Eltern, die bereits ein U-Heft besitzen, können sich ab nächster Woche an das Familienbüro, Ebertstraße 20, oder an die Fachstelle U-Untersuchung des Jugendamtes - Referat Erziehung und Bildung - Kurt-Schumacher-Straße 2, wenden. Dort erhalten sie die zahnärztlichen Einlagen, die in das bisherige Untersuchungsheft eingeklebt werden können. Der Kinderpass wurde gestern von NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens vorgestellt.

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