Modellprojekt

Demenz verstehen - Wenn Erinnerungen plötzlich verschwinden

Die Expertinnen der Caritas-Fachstelle Demenz (v.l.): Andrea Hundert, Luisa Borgmann, Anja Rutenkröger, Marita Ingenfeld und Julia Middelhauve

Foto: Caritasverband

Die Expertinnen der Caritas-Fachstelle Demenz (v.l.): Andrea Hundert, Luisa Borgmann, Anja Rutenkröger, Marita Ingenfeld und Julia Middelhauve Foto: Caritasverband

Gelsenkirchen.   Die Caritas in Gelsenkirchen widmet sich in einem Modellprojekt einer besonderen Zielgruppe: Menschen mit geistiger Behinderung und Demenz.

Der Umgang mit der Krankheit ist eine Herausforderung. Für Angehörige, Freunde, Betreuer, Pflegekräfte... Die Anforderungen sind groß, wenn bei Menschen Erinnerungen verschwinden. Die Caritas-Fachstelle Demenz wendet sich im Projekt „Demenz verstehen“ einer besonderen Zielgruppe zu: Menschen mit geistiger Behinderung – und Demenz.

Bei einer Fachtagung stand jüngst unter anderem diese Frage im Fokus: Wie können ältere Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Unterstützer in den Behinderteneinrichtungen den letzten Lebensabschnitt der Gehandicapten gestalten?

„Aber Patenrezepte gibt es nicht“

„Wenn es uns gelingt, die Mitarbeiter zu sensibilisieren, ist das schon gut. Aber Patentrezepte gibt es nicht.“ Sagt Projekt-Koordinatorin Luisa Borgmann. Sie hat im Zuge des Modellprojekts des Ruhrbistums bereits Einrichtungen – in Gelsenkirchen ist das Haus St. Rafael im Programm – besucht und dabei genau hingeschaut und -gehört. „Es gibt Mitarbeiter, die wissen die Situation dementer Bewohner zu händeln und damit umzugehen, andere können das nicht.“ Ein Ergebnis, dass sich mühelos auf den gesellschaftlichen Umgang mit Demenz übertragen lässt.

Die Biografie spielt eine wichtige Rolle

Die Biografie eines Menschen mit demenzieller Erkrankung spielt beim Umgang eine erhebliche Rolle, sagt sie. Denn: „Es kann sein, dass Dinge aus dem Leben zurückkehren. Das können auch schreckliche Erlebnisse sein wie Trennung oder Tod. Oder andere Erinnerungen plötzlich wach werden, wie sie an einem besonders anrührenden Beispiel festmacht.

Eine ältere Frau in einem Wohnheim bröselte beim Essen stets Speisekrümel auf den Boden. Man ging auf Spurensuche. Ergebnis: Sie hatte als Kind einen Hund. Fortan saß ein Kuscheltier – ein Hund – neben ihrem Teller auf dem Tisch. Die Frau war glücklich, die Betreuer zufrieden. „Wichtig für Mitarbeiter ist, Menschen mit Demenz zu signalisieren: Ich verstehe dich“, sagt Luisa Borgmann.

Eingliederungshilfe und Pflegeleistungen

Projektleiterin Julia Middelhauve gibt zu bedenken, dass gesellschaftliche Prozesse langwierig seien. Beispiel: „Wie lange hat es gedauert von der Anerkennung der Pflegebedürftigkeit bis zum neuen Pflegestärkungsgesetz?“ Und es gibt noch weitere dicke Bretter zu bohren. Middelhauve: „Die Eingliederungshilfe nach SGB 9 und 12 und die Pflegeleistungen sind nicht kompatibel.“

Auch Menschen mit Behinderung werden älter

Sechs Partner sind mit ihren Behinderteneinrichtungen an dem auf drei Jahre angelegten Projekt des Ruhrbistums beteiligt. Die meisten BewohnerInnen sind laut Luisa Borgmann schon schon heute 45 Jahre und älter. 21 Demenzdiagnosen liegen in den Einrichtungen vor, hinzu kommen sechs noch unbestätigte Verdachtsfälle. Tendenz: steigend. Denn auch Menschen mit geistiger Behinderung werden immer älter.

>>> ANSPRECHPARTNER

Ansprechpartnerinnen in der Fachstelle Demenz sind Marita Ingenfeld, Julia Middelhauve, Luisa Borgmann und Andrea Hundert, Telefon: 0209 158 06 46, E-Mail: horizont@caritas-gelsenkirchen.de und Internet: www.caritas-gelsenkirchen.de

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