Wettbewerb

Weltkriegskunst: Gelsenkirchener Schüler fahren nach London

Alle Teilnehmer des Wettbewerbs der britischen Initiative „Never such innocence“ erhielten Urkunden für die Einsendung ihrer Kunstwerke.

Alle Teilnehmer des Wettbewerbs der britischen Initiative „Never such innocence“ erhielten Urkunden für die Einsendung ihrer Kunstwerke.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen-Erle.   Kunstwerke über den ersten Weltkrieg ausgezeichnet: Zwei Schüler der Gesamtschule Berger Feld siegten beim „Never such innocence“-Wettbewerb.

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100 Jahre ist es her, da endete der Erste Weltkrieg. Für die Schüler der Gesamtschule Berger Feld scheint das eine Ewigkeit her zu sein. Doch dieses Ereignis und seine Bedeutung beschäftigte die Kinder nun nicht nur im Geschichtsunterricht: Bei einem einzigartigen Projekt haben die Schüler das Thema Krieg auf eine sehr persönliche Weise aufgearbeitet. Für ihre Arbeit erhielten sie jetzt Auszeichnungen. Zwei von ihnen dürfen sogar eine besondere Reise antreten.

Alexandra Sliwinska besucht die sechste Klasse der Gelsenkirchener Gesamtschule. Im Rahmen des Kunst- und Gedichtwettbewerbs der britischen Initiative „Never such innocence“ (deutsch: niemals solche Unschuld) hat sie ein Bild gemalt. Darauf ist eine Explosion zu sehen und Menschen, die davor fliehen. Mit diesem Beitrag hat sie bei dem weltweiten Wettbewerb für Kinder zwischen neun und 16 Jahren den ersten Platz in ihrer Altersklasse belegt.

Skulptur in der Emmaus-Kirche zu sehen

Elmont Halfmann hat eine Skulptur aus 500 Origami-Kranichen gebastelt. Noch bis zum nächsten Wochenende ist diese in der evangelischen Emmaus-Kirche in Rotthausen ausgestellt. Der 15-Jährige konnte damit ebenfalls die Wertung in seiner Altersklasse für sich entscheiden.

Auch zwanzig andere Schüler der Klassen fünf bis elf der Gesamtschule Berger Feld haben Gedichte geschrieben, Bilder gemalt und Installationen gebaut. Sie alle bilden Aspekte des ersten Weltkrieges ab. Sie zeigen Leiden und Tod, erzählen von Schicksalsschlägen. Die Protagonisten sind oft kaum älter als die Künstler selbst.

Über 7000 Werke von Kindern und Jugendlichen aus der ganzen Welt sind bei der Jury von „Never such innocence“ eingegangen. Vor allem im englischsprachigen Raum ist das sogenannte Jahrhundertprojekt bekannt. Mit verschiedenen Aktionen wollen die Macher über den Krieg aufklären, anregen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und junge Menschen motivieren, sich selbst zu engagieren. Denn sie wollen, dass so etwas nie wieder passiert.

Von London geht’s nach Berlin

Wie dringend die Geschichtsnachhilfe nötig ist, zeigen auch die Reaktionen der Gelsenkirchener Schüler. Fasziniert, aber auch schockiert, berichten sie bei der Präsentation ihrer Werke, was sie bewegt hat. „Ich habe gelesen, dass eine Gasmaske damals sehr viel wert war. Die konnte über dein Leben entscheiden“, sagt eine Schülerin.

Vor allem die Hilflosigkeit der Bevölkerung ist immer wieder Thema der Werke. Da sind Frauen, die um ihren Mann trauern, Väter, deren Familien ausgelöscht wurden, und Soldaten, die ohnmächtig ihrem Schicksal ausgeliefert sind, voller Angst vor dem, was sie erwartet und was noch kommen wird.

Werke spiegeln Leid und Hoffnung wider

Die Werke der Sieger zeigen sowohl Leid als auch Hoffnung. Für die beiden Sieger endet ihre Auseinandersetzung nicht wie für die anderen Teilnehmer mit der feierlichen Urkundenübergabe in der Schule: Alexandra Sliwinska und Elmont Halfmann haben eine Reise nach London gewonnen. Am 11. November, dem Remembrance Day, der der Erinnerung an die Gefallenen des Krieges gewidmet ist, besuchen die Schüler die Westminster Abbey in London.

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Queen an dem Tag auch zugegen ist“, sagt Lehrer Detlev Kmuche, der das Projekt im vergangenen Schuljahr zum ersten Mal an der Gesamtschule durchgeführt hat. Die Schüler freuen sich sehr auf ihre Reise, denn sie waren noch nie in der englischen Hauptstadt.

Doch die Reise endet nicht in London: Am 15. November besuchen die Schüler die englische Botschaft in Berlin und präsentieren auch dort ihre Werke.

>> „Never such innocence“: Das Jahrhundertprojekt

Im Vorjahr des Projekts – mit dem 100. Jahrestag des Kriegsendes endet auch das Projekt – sind die Initiatoren auf deutsche Schulen zugegangen.
11 000 Einsendungen aus 47 Ländern zählte der Wettbewerb in den vergangenen vier Jahren. Die Werke der Sieger werden in einem Buch erscheinen. Info:

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